1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Kinzig-Kreis

Bittersüße Sünden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Ausstellung zum Thema Kaffeekultur im Hessischen Puppenmuseum
Ausstellung zum Thema Kaffeekultur im Hessischen Puppenmuseum © Sascha Rheker/attenzione

Historische Tässchen und Backbücher - das Puppenmuseum widmet seine neue Schau der Kaffeekultur von einst.

Wer heute in der Hanauer Innenstadt ein klassisches Café sucht, hat keine sehr große Auswahl. Das sah vor hundert Jahren – und sogar noch weit davor – ganz anders aus: „Hanau war früher eine richtige Kaffeestadt“, sagt Maren Raetzer, Leiterin des Hessischen Puppenmuseums in Wilhelmsbad.

So hatten sich anno 1837 bereits fünf Cafés in Alt- und Neustadt angesiedelt, 1912 schon sieben und 1934 sogar 15; eines davon existiert bis heute: das Café Schien, 1927 vom Konditormeister Fritz Schien gegründet.

Der „Kaffeekultur in Hanau im Wandel der Zeiten“ ist die neue Sonderausstellung „Genuss pur“ im Puppenmuseum gewidmet. Präsentiert wird vor allem historisches Geschirr sowie Spielzeug-Geschirr zum „Üben“ für künftige Hausfrauen. Aber auch Behältnisse zum Aufbewahren der Bohnen sind zu sehen und natürlich die typischen Kaffeemühlen bis hin zur modernen Maschine.

Lauter Köstlichkeiten

Das wohl interessanteste Stück der Schau wirkt auf den ersten Blick unscheinbar: ein abgegriffenes Buch, das aber wahre Köstlichkeiten beinhaltet. Auf vergilbten Seiten sind Rezepte aus der Konditorei Carl Pannot festgehalten, des ältesten, 1750 gegründeten Cafés in Hanau. Es hielt sich mehr als 200 Jahre – bis 1973.

In altertümlicher Schrift ist nachzulesen, welcher Zutaten etwa Sandpastetchen, Eisrollen, Zuckerbrezeln oder Käsekuchen bedürfen. Ein richtiger Schatz, mit kleinem Haken indes: Aus Furcht vor der Konkurrenz sind die Anweisungen meist reduziert oder verklausuliert, sagt Maren Raetzer. Für ihre Ausstellung hat sie deshalb eine hübsche Idee: Die Besucher sollen sich angeregt fühlen, aus dem alten Buch Kuchen nachzubacken, die dann im Museumscafé ihre Bewährungsprobe bestehen müssen.

Leider nicht mehr nachzuvollziehen ist der Geschmack des Hanauer Kaffees von einst. Denn im 19. Jahrhundert gab es in der Stadt sogar eine große Rösterei: Döring hieß der Betrieb und hatte seinen Sitz am Westbahnhof. Eine prächtige Dose mit der Aufschrift: „Der gute Döring-Kaffee“ zeugt in der Ausstellung von dieser – leider – ausgestorbenen Tradition.

Aus heutiger Sicht eher skurrile Kleinode sind Bücher mit Titeln wie „Der gute Ton“ oder „Takt und Ton“. Was das mit Kaffee zu tun hat? „Cafés gehörten zu den ersten öffentlichen Räumen, wo Frauen sich zeigen konnten“, sagt Maren Raetzer – das barg natürlich viele Fallen für den guten Ruf, die es zu vermeiden galt.

Im protestantisch geprägten Hanau war man aber auch in anderer Hinsicht streng: Als ein Konditor aus Mainz in die Stadt ziehen und dort ein Café eröffnen wollte, wurde ihm das nur unter einer Auflage gewährt: Der Katholik vom Rhein musste zusagen, seine in Hanau geborenen Kinder evangelisch taufen zu lassen.

Die Ausstellung eröffnet am Sonntag, 8. August, um 11 Uhr im Hessischen Puppenmuseum, Parkpromenade in Wilhelmsbad. Zu sehen ist sie bis zum 21. November. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags durchgehend von 10 bis 17 Uhr.

Auch interessant

Kommentare