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Bistum schweigt zum Missbrauch

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Im Bruchköbeler Missbrauchsskandal wird der Ruf nach Aufklärung immer lauter. Dabei rücken neue Informationen zu den Vorkommnissen um einen früheren Kaplan der Gemeinde Erlöser der Welt die Rolle der Fuldaer Kirchenführung immer mehr in den Fokus. In dem lange vertuschten Missbrauchsfall, den die Frankfurter Rundschau in der vergangenen Woche aufdeckte, soll sich ein früherer Kaplan der Bruchköbeler katholischen Gemeinde Erlöser der Welt an einem Jugendlichen vergangen haben.
Im Bruchköbeler Missbrauchsskandal wird der Ruf nach Aufklärung immer lauter. Dabei rücken neue Informationen zu den Vorkommnissen um einen früheren Kaplan der Gemeinde Erlöser der Welt die Rolle der Fuldaer Kirchenführung immer mehr in den Fokus. In dem lange vertuschten Missbrauchsfall, den die Frankfurter Rundschau in der vergangenen Woche aufdeckte, soll sich ein früherer Kaplan der Bruchköbeler katholischen Gemeinde Erlöser der Welt an einem Jugendlichen vergangen haben. © dpa

Ein früherer Kaplan der Bruchköbeler Gemeinde Erlöser der Welt soll sich 1995 an einem Jugendlichen vergangen haben. Lange wurde der Fall vertuscht. Jetzt wird der Ruf nach Aufklärung immer lauter. Von Alexander Polaschek

Von Alexander Polaschek

Im Bruchköbeler Missbrauchsskandal wird der Ruf nach Aufklärung immer lauter. Dabei rücken neue Informationen zu den Vorkommnissen um einen früheren Kaplan der Gemeinde Erlöser der Welt die Rolle der Fuldaer Kirchenführung immer mehr in den Fokus. In einer Erklärung melden sich heutige und frühere Pfadfinderleitungen zu Wort.

Vier Vorstände des Bruchköbeler Stammes "Dom Helder Camara" aus den Jahren 1992 bis heute äußern sich in einer gemeinsamen Stellungnahme, Klaus Neuwald und Ralph Meister (1992-1998/2002) sowie Mareike Meister und Rainer Broßmann (seit 2005/2006). Ihre Betroffenheit sei umso größer, schreiben sie, "da wir das Opfer aus den 1980ern und 1990ern persönlich kennen. Wir wünschen uns die Aufklärung des Falles und wollen dazu im Rahmen unserer Möglichkeiten beitragen". Entsprechend äußerten sich auch örtliche Pfarrer.

In dem lange vertuschten Missbrauchsfall, den die Frankfurter Rundschau in der vergangenen Woche aufdeckte, soll sich ein früherer Kaplan der Bruchköbeler katholischen Gemeinde Erlöser der Welt an einem Jugendlichen vergangen haben.

Staatsanwalt prüft Verfahren gegen Weihbischof

Wegen der Vorkommnisse aus dem Jahr 1995 hat die Hanauer Staatsanwaltschaft nun Ermittlungen eingeleitet. Dabei wird auch geprüft, ob gegen den damaligen Personalverantwortlichen des Bistums Fulda, Weihbischof Johannes Kapp, ein Verfahren eingeleitet wird.

Laut Oberstaatsanwalt Wolfgang Popp kommt unter anderem Strafvereitelung in Betracht. Nach Angaben des Bruchköbeler Pfarrers Walter Götz von der Gemeinde Sankt Familia soll Kapp es seinerzeit abgelehnt haben, den Fall bei der Strafverfolgungsbehörde anzuzeigen. Der Tatverdächtige wurde nur in eine andere Gemeinde versetzt.

Nach wie vor ist die Frage offen, weshalb die Bistumsleitung, seinerzeit Erzbischof Johannes Dyba und der damalige Personalchef, Weihbischof Johannes Kapp, den Tatverdächtigen deckten. Unklar ist bislang die Rolle des heutigen Generalvikars Gerhard Stanke in dem Fall. Als damaliger Regens des Priesterseminars habe er mit dem fraglichen Fall "nichts zu tun gehabt", schreibt die Pressestelle des Bistums Fulda auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Jedoch: Der betreffende Geistliche, zunächst als Diakon und später als Kaplan in Bruchköbel tätig, müsste eigentlich zu Stankes Schützlingen im Fuldaer Seminar gehört haben. Schwer vorstellbar, dass der Regens von den Bruchköbeler Ereignissen nichts gehört haben sollte. Fragen zur Rolle der führenden katholischen Persönlichkeiten in diesem Missbrauchsfall werden vom Bistum Fulda aber nach wie vor nicht beantwortet.

Der Kaplan wurde trotz der Vorwürfe Priester in Fulda

Immerhin räumte das Bistum inzwischen ein, dass es im Bruchköbeler Fall ein Opfer gebe, mit dem man in Kontakt stehe. Der Laufbahn des mutmaßlichen Täters hat der Vorwurf, mindestens einen Jugendlichen sexuell missbraucht zu haben, offensichtlich nicht geschadet. Er wurde Priester und erhielt eine Stelle in Fulda. So wirkte er 2009 in offizieller Mission bei der Amtseinführung eines neuen Pfarrers in Osthessen mit.

Die Bruchköbeler Pfadfinder fürchten jetzt um ihren Ruf, nachdem erste Angaben den Missbrauchsfall in ihrem Umfeld verorteten. Die Stammesvorstände dementieren dies nun. "Der beschuldigte Kaplan hatte zu keiner Zeit eine Funktion in unserem Pfadfinderstamm und hat somit auch keine Veranstaltungen, Gruppenstunden oder ähnliches für unseren Stamm durchgeführt", schreiben sie. Ebenso wenig wie heute habe es in den 1990ern Exzesse oder übermäßigen Alkoholkonsum gegeben.

Jenseits dieses Einzelfalles sei für die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg Prävention und Intervention bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ein wichtiges Thema, schreiben die Vorstände. In der verbandlichen Leiterausbildung sei diesem ein eigenes Modul gewidmet.je

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