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Braumeister Michael Rost füllt das selbstgebraute Bier in Flaschen mit Bügelverschluss: Alles in Handarbeit.

Hanau

Bier mit Stil und Witz

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Beim „Wilhelmsbader Hof Bräu“ wird Wert auf Handwerk und Individualität gelegt.

Einzeln und per Hand füllt Michael Rost sein Bier in der kleinen, aber feinen Brauerei auf dem Wilhelmsbader Hof ab. Zwischen 400 und 500 Liter werden dort in der Regel pro Woche gebraut, im Kühlraum nebenan lagert der fertige Gerstensaft in kleinen, glänzenden Fässern – das „Wilhelmsbader Hof Bräu“ ist das einzige Bier, das in Hanau noch gebraut wird.

Auch wenn die Menge des wöchentlich gebrauten Bieres nicht an die der großen Brauhäuser heranreicht: Ein Branchen-Riese sieht den Hof dennoch als Gefahr. Das Münchner Hofbräu hat die Wilhelmsbader Kollegen in einen Rechtsstreit gestürzt, es geht um das Recht, den Namen „Hof Bräu“ zu tragen. „Das ist ein Kampf David gegen Goliath – aber ich sehe das eher sportlich“, sagt Suzanne Seibel lächelnd.

Gemeinsam mit ihrem Mann David Ermel hat sie 2012 den Wilhelmsbader Hof übernommen und dort den Pferdestall und die kleine Brauerei wieder aufgebaut. In der benachbarten „Wilhelmsbader Hof Küche“, ebenfalls von den beiden geführt, gibt es regionale und saisonale Küche, die zu dem selbstgebrauten Bier passt. Dass sich der bayerische Bier-Riese von der privaten Brauerei auf dem ehemaligen sogenannten Anschauungshof, der früher den Gästen des Kurparks Wilhemsbad zur Vergnügung diente, wirklich bedroht fühlt, sei nicht nachvollziehbar, findet Seibel. „Wir brauen hier doch in ganz anderen Dimensionen“, sagt die 50-Jährige. Sie wolle sich mit den Münchnern jedoch gerne kollegial einigen und man sei auf einem guten Weg, den Rechtsstreit für sich zu entscheiden, der seit rund zwei Jahren läuft.

Denn die Hanauer wollen sich gar nicht streiten, sie wollen einfach gutes Bier machen und sie haben sichtlich Spaß daran: Das Angebot an Biersorten ist abwechslungsreich, ihre Benennung ausgefallen. Jeder Sorte ist eine Zahl zugeordnet, aus einem bestimmten Grund. Das erste Bier, das die Brauerei herstellte, das „Obergärige“, erhielt die 1, das zweite, ein Pils die 3.

„Die 2 haben wir weggelassen, denn wer will schon Zweiter sein?“, sagt Seibel dazu. Die Zahlen werden jedoch nicht einfach nach der Reihenfolge des Entstehens vergeben, sondern sollen auch zum jeweiligen Bier passen. So hat der Maibock, den es nur um Mai und Juni gibt, die 6, das Narrenbier, das in der Fastnachtszeit im Februar und März ausgeschenkt wird, die 11.

Etwas besonderes ist auch die Nummer 8, das „Mädchenbier“. Ein obergäriges Bier, das Braumeister Rost als „vollmundig und leicht“ beschreibt. Die Zahl 8 wurde gewählt, weil sie mit ihren Rundungen die weiblichste ist, findet Seibel. Und: „Wir füllen das ‚Mädchenbier‘ nur in durchsichtige 0,33-Liter-Glasflaschen, denn es sieht ja nicht sehr weiblich aus, wenn eine Frau eine braune 0,5-Liter-Flasche in der Hand hält.“

Neben den Klassikern und dem saisonalen Bier gibt es auch das sogenannte Craft Beer, das Sorten beschreibt, die in kleinen Chargen handwerklich gebraut werden. „Im Grunde ist jedes unserer Biere ein Craft Beer“, sagt Seibel, denn alles werde von Hand und in kleinen Mengen hergestellt. Gemeinsam mit Rost entwickelt die Geschäftsführerin immer mal andere Sorten, experimentiert und probiert Neues. Gerade sind unter dem Label Craft Beer ein Indian Pale Ale und ein Amber zu haben.

Braumeister Rost sagt, dass gerade die kleine Brauerei ihm die Möglichkeit gebe, mit seinen Zutaten zu experimentieren. Er arbeitet zum Beispiel mit einer besonderem Hopfensorte, die ursprünglich aus den USA und Australien stammt, nun aber auch in Deutschland angebaut wird. „Dieser Hopfen hat eine leicht zitronige Note und verleiht dem Bier somit etwas Frisches“, erklärt der Bierfachmann. Doch bei aller Experimentierfreude gelte bei ihm: „Das Reinheitsgebot steht über allem.“ Nie würde er bei seinen Kreationen mit etwas anderem arbeiten als Hopfen, Malz, Hefe und Wasser – Aromen oder ähnliche Zusätze wandern nicht in seinen Sud-Topf, verspricht Rost.

Neben der 2 fehlt bei der durchgehenden Nummerierung (momentan geht es bis 11) übrigens noch die 7. „Da die 7 eine Glückszahl ist, wollen wir uns diese für eine besondere Kreation aufheben“, so Seibel.

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