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Bei der Berufsmesse informieren sich Jugendliche und ihre Eltern über Ausbildungsmöglichkeiten, hier bei der Phoenix-Group.

Hanau

Berufsmesse in Hanau: Großes Interesse an Pflege und Bundeswehr

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Zum 16. Mal fand die Berufsmesse in Hanau statt. An den Ständen der Pflegeberufe und der Bundeswehr tummelten sich die Schüler, Bürojobs waren weniger gefragt.

Mehr als 70 Aussteller aus verschiedenen Branchen informierten am Samstag im Congress Park bei der 16. Berufsmesse über die Ausbildung im Handwerk, in der Industrie, der Pflege und im öffentlichen Dienst. Bereits am Vormittag herrschte ein großes Besucheraufkommen. Allerdings ging es nicht bei jedem Jugendlichen um die Frage nach dem Beruf, sondern auch darum, ob dies eine Alternative zum Studium ist.

Für Dylan, Tim und Joschua von den Kaufmännischen Schulen in Hanau ist der Messebesucher eine Pflichtaufgabe, aber für die 18-Jährigen steht auch schon fest: Nach dem Abitur geht es an einer Hochschule weiter. Joschua zieht es in die Automobilbranche, am besten nach Süddeutschland. Seine beiden Mitschüler haben nicht so konkrete Vorstellungen. Für sie wird es das BWL-Studium sein.

Die 17-jährige Jessica, die mit ihrer Mutter gekommen ist, weiß auch schon ziemlich genau, was für sie im nächsten Jahr nach dem Abitur ansteht, eine berufliche Laufbahn bei der Polizei. Zur Spurensicherung oder zur Kriminalpolizei will sie. Die hohen Hürden zum Berufsziel, wie sie im Beratungsgespräch erfährt, schrecken sie nicht. Thomas Leipold, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium Südosthessen, berichtet von einem nach wie vor ungebrochen hohen Interesse bei jungen Leuten am Polizeiberuf, was nicht allein mit der Omnipräsenz des Genres Krimi im Fernsehen in Zusammenhang stehe.

Berufsmesse in Hanau: Im Handwerk ist der Bedarf an Nachwuchs hoch

Die Messe

Seit 1990 richten Bundesagentur für Arbeit, IHK-Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern und Kreishandwerkerschaft Hanau die Berufsmesse aus.

Der Austragungsturnus ist derzeit alle zwei Jahre.

Besucher können die Messe nutzen für eine erste Beratung, um ihre Fähigkeiten zu testen oder ihre Bewerbungsmappe prüfen zu lassen. sun

„Die Polizei ist ein attraktiver Arbeitgeber, bietet finanzielle Sicherheit und immer Abwechselung bei Menschen und Sachverhalten“, sagt Leipold. Drei Jahre Studium an der Polizeischule einschließlich Praktika in Dienststellen und eine Abschlussarbeit für den Bachelor bilden die Eckpfeiler der Ausbildung.

An dem gemeinsamen Stand des Handwerks drängt es sich hingegen zumeist weniger. „Früher wurden bei der Berufsmessen die Schulklassen einfach durchgeschleust, mit dem Samstag kommen die Leute gezielter“, heißt es von der Maler-Innung. Unterm Strich sei das Beratungsaufkommen jedoch gleich hoch. „Der Bedarf an Nachwuchs im Handwerk ist immer noch hoch“, sagt Michael Schmidt von der Maler-Innung und Berufsschullehrer in Hanau.

Gerne würden die Firmen mehr Flüchtlinge und Zuwanderer in die Lehre nehmen, aber die „sprachlichen Defizite sind zu oft sehr groß“. Laut Schmidt muss es spezielle B2-Sprachkurse geben, die auf handwerkliche Berufe abgestimmt sind. Nicht nur für technische Fachbegriffe im Betrieb, auch um dem Unterricht in der Berufsschule folgen zu können.

Berufsmesse in Hanau: Interesse an Pflege und Bundeswehr

Dem Augenschein nach lag das Interesse der Jugendlichen, mit oder ohne elterliche Begleitung, nicht so sehr auf den Weiße-Kragen-Berufen, die einen schicken Arbeitsplatz und ein lukratives Einkommen versprechen. Das Beratungstrio eines Finanzberaters stand oft allein am Stehtisch. Auch die Banken schienen von Bewerbern in spe nicht überrannt zu werden. Es bleibt zu spekulieren, ob sie überhaupt ihre Klientel auf einer Berufsmesse in größerer Zahl treffen. Die Perspektiven in Pflegeberufen, die offenbar so krisensicher wie bei der Polizei sind, brachten den Ausstellern sichtlich zahlreiche Neugierige. Das gilt ebenso für die Bundeswehr, deren Stand in Camouflage auch von jungen Frauen gut frequentiert wurde.

Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, sagte bei der Eröffnung der Messe, dass die Jugendlichen vor der Festlegung auf einen Beruf in möglichst vielen Zweigen mit Ferienjobs und Praktika ihre Stärken herausfinden sollen. Vermutlich bleibt die Entscheidung für manch einen, der zwischen Ausbildung und Studium pendelt, dennoch nicht einfach, auch unter dem Ruf der Firmen, dass es an Fachkräften mangele. Die Realität setzt andere Signale für Auszubildende in spe. In den nächsten drei Jahren werden insgesamt knapp 1000 Jobs allein bei Veritas in Gelnhausen, Thermo Fisher in Langenselbold und Schwab-Versand in Hanau verschwinden.

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