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Beide Seiten profitieren

Hanau Behinderte und nichtbehinderte Kinder in Kitas – das ist inzwischen fast normal

Von Andreas Zitzmann

Vielleicht sind solche Gespräche in Zukunft überflüssig – dann hätten wir unser Ziel erreicht“. Das Ziel: Die gemeinsame Betreuung von behinderten und nichtbehinderten Kindern in Tagesstätten ist so selbstverständlich geworden, dass sie keiner besonderen Erwähnung bedarf.

So weit ist es noch nicht. Deswegen lud Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) anlässlich des Tages der offenen Tür aller Kindertagesstätten in der Stadt am Samstag zu einem informellen Gespräch in die Janusz-Korczak-Kita ein. Den Weg zu dem Ziel beschreitet die Stadt bereits seit 2005, und – dieser Eindruck blieb zurück – man hat bereits einiges erreicht.

Derzeit gibt es in den Hanauer Kitas 104 Plätze für Mädchen und Jungen mit Handicap, 80 in städtischen Einrichtungen und 24 in denen freier Träger. Die Zeiten, als es Einrichtungen gab, die speziell auf Kinder mit Behinderung zugeschnitten waren, sind lange vorbei. Heute können die Eltern ihre Kinder in alle Kitas bringen. Auch gebe es keine Betreuerinnen, die sich ausschließlich mit behinderten Kindern befassen. Weiss-Thiel: „Wir haben alle derzeit 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult.“

Auch gibt es keine speziellen Gruppenräume. Die behinderten Kinder spielen gemeinsam mit den Nichtbehinderten, und davon profitieren beide Seiten, weiß Sylvie Fliederer, eine der Betreuerinnen in der Korczak-Kita. Wer kann, malt ein Bild ganz alleine, wer nicht, der wird unterstützt – auch von den anderen Kindern, denn sie lernen ganz spielerisch, mit den Behinderungen der Freunde umzugehen und sie nicht als etwa „Exotisches“ oder gar Abstoßendes zu betrachten.

Natürlich gib t es Spiele, bei denen Kinder lernen sollen, besser mit ihrer Behinderung umzugehen – an diesen Spielen beteiligen sich aber alle, auch die Nichtbehinderten.

Problematischer können da schon die Vorurteile sein, die die Eltern „gesunder“ Kinder mitunter mitbringen. Sie müssen lernen, dass eine Behinderung nicht ansteckend ist. Aus diesem Grund hat die Stadt auch auf ein Gruppenangebot für die Eltern behinderter Kinder verzichtet – sie sollen nicht stigmatisiert werden.

Inzwischen gibt es in allen Tagesstätten in Hanau Kinder mit Behinderung. Ihr Anteil beträgt in der Stadt rund drei Prozent, das ist mehr als der Durchschnitt.

Die Betreuung in den Kitas ist also offenbar auf einem guten Weg – wie aber sieht es aus, wenn sie eingeschult werden? Weiss-Thiel gibt unumwunden zu: „Da ist alles offen“. Nur ein Traum sei es, dass Sonderschulen irgendwann überflüssig werden. Das Problem: Kitas laufen unter der Regie der Stadt, Schulen unter der des Landes. Dort hinkt man mit der „Inklusion“ (der gemeinsamen Betreuung behinderter und nichtbehinderter Kinder) noch nach.

Um diese Situation zu verbessern, will die Stadt im November einen Inklusionsbeirat installieren, in dem städtische Vertreter, die des Schulamts und der Behindertenvertreter kooperieren. Ein Fernziel, so Weiss-Thiel, könnte sein, zumindest die Grundschulen wieder – wie früher – in die Obhut der Stadt zu geben. Wie das zu finanzieren wäre, ist eine andere Frage.

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