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Begleitung in schwieriger Zeit

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Die Malteser haben einen ambulanten Kinderhospizdienst gegründet.

Von Christoph Süß

Wenn Eltern im Kreis ein sterbenskrankes Kind hatten, waren sie bisher bei der nichtmedizinischen Betreuung auf den guten Willen der Pfleger im Krankenhaus angewiesen. Ab sofort gibt es einen ambulanten Kinderhospizdienst, der das Kind und die Eltern auf dem schwierigen, letzten Wegstück zu Hause begleiten soll. Hinter dem Projekt steht der Malteser Hilfsdienst, Initiatorin ist die gelernte Kinderkrankenschwester Anita Richter.

Die 32-Jährige, die aus dem Raum Fulda stammt, ist vor einigen Jahren bei ihrer Arbeit auf der Frankfurter Kinderkrebsstation mit den Nöten betroffener Familien konfrontiert worden. Sie half ihnen ehrenamtlich, wenn bei einem Kind die Diagnose einer unheilbaren Krankheit gestellt wurde. „Nicht alle haben das gut gefunden“, erinnert sie sich. Ihr Einsatz wurde von den Kassen nicht bezahlt. Richter ließ sich privat weiterbilden.

Als die Malteser die Lücke bei der ambulanten Versorgung schließen wollten, bewarb sich die zweifache Mutter auf die Stelle als Koordinatorin und bekam sie. An ihrer neuen Dienststelle in Gelnhausen soll sie den Dienst aufbauen und Ehrenamtliche, die noch gewonnen werden müssen, bei ihren Einsatz in betroffenen Familien anleiten und begleiten. Sie selbst wird außerdem den palliativ-pflegerischen Teil übernehmen.

„Das ist eine ideale Lösung“, sagt Dr. Ingmar Horneke. Der Arzt leitet das Frankfurter Palliativ-Team, das bisher nur für Erwachsene im Raum Hanau aktiv ist. Im gesamten Kreis gibt es nach seinen Schätzungen im Moment bis zu 100 Familien mit einem sterbenskranken Kind. Er geht davon aus, dass der Bedarf für eine ambulante Versorgung bei zehn bis 20 Fällen pro Jahr liegt. Finanziert wird das neue Angebot zunächst nur durch Spenden.

Manuel Wilhelm, der nebenan in den Main-Kinzig-Kliniken die Station für Frühchen und Intensivfälle bei Kindern leitet, hat bereits Bedarf angemeldet. „Bisher mussten wir für die Familien individuelle Lösungen finden“, erzählt er. So habe er erst kürzlich einer türkisch-stämmigen Familie in Absprache mit der Klinik-Leitung zugesagt, ihr Kind bis zum Tod auf der Station zu behalten. Künftig könne er den Eltern als Alternative den ambulanten Hospizdienst der Malteser anbieten.

„Es geht darum, die Familien in einer schwierigen Zeit in ihrem Alltag zu entlasten“, sagt Richter. Die Unterstützung kann vom Einkaufen über Kochen bis zum Waschen reichen. Der Einsatz ginge auch über den Tod des Kindes hinaus, beispielsweise wenn die Beerdigung organisiert werden muss. Teilweise würden die Familien über Jahre begleitet. „Sie sollten sich früh melden“, empfiehlt Richter.

Für ihren Einsatz müssen die Helfer keine medizinisch-pflegerischen Vorkenntnisse haben. Die Ehrenamtlichen werden in einem kurzen Kurs theoretisch geschult, dann gehen sie bereits mit Richter in die Familien. „Man muss sich damit auseinandersetzen wollen“, sagt die Krankenschwester. Selbstreflexion sei wichtig. Die Arbeit sei zwar psychisch belastend, dafür bekäme man aber auch sehr viel zurück.

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