Auch in Schöneck herrscht Goldgräberstimmung.
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Auch in Schöneck herrscht Goldgräberstimmung.

Wächtersbach

Begehrte Windräder

Die Kommunen im Main-Kinzig-Kreis wollen von der Energiewende profitieren. Dank der Ausbauförderung des Landes winken den gebeutelten Gemeinden sichere Einnahmen.

Von Christoph Süß

Die Kommunen im Main-Kinzig-Kreis wollen von der Energiewende profitieren. Dank der Ausbauförderung des Landes winken den gebeutelten Gemeinden sichere Einnahmen.

Nach Gelnhausen und Gründau wird sich auch Wächtersbach nicht direkt an dem geplanten privaten Windpark im Büdinger Wald beteiligen. „Wir konnten die Frist nicht einhalten“, sagt Vize-Bürgermeister Andreas Weiher (SPD). Weil die Stadt – wie viele andere im Kreis – dennoch am Ausbau-Boom teilhaben, gleichzeitig aber keinen Streit mit ihren Nachbarorten riskieren will, vereinbarte sie jüngst engere Absprachen bei der Planung.

Ergebnis des runden Tisches in der Messestadt ist, dass Brachttal, Biebergemünd, Bad Orb, Bad Soden-Salmünster und Wächtersbach künftig über den Spessart-Regional-Verband in Jossgrund bei der Planung weiterer Windräder Lösungen finden wollen, mit denen alle leben können. Unabhängig davon will Wächtersbach an dem Bau zweier Windräder unweit von Bad Orb festhalten. Diese sollen jedoch so errichtet werden, dass sie vom Kurbereich aus nicht zu sehen sind.

Klamme Kommunen

Beide Kurstädte planen eigene Anlagen. Untersuchungen der kommunalen Flächen ergaben, dass Platz für jeweils ein Dutzend Windräder ist. Während Teile der Bevölkerung vielerorts noch gegen die Nutzung der Windenergie vor der Haustüre eintreten, hat sich die Stimmung in den Rathäusern und Parlamenten längst gedreht. Schließlich winken aufgrund der derzeit noch üppigen Ausbauförderung sichere Einnahmen, die die klammen Kommunen gut brauchen können.

Das Land hat mit seinem Rettungsschirm die Daumenschrauben bei den Finanzen angezogen. Da viele Kommunen nicht die Steuern erhöhen wollen, lockt die Windkraft als neue Einnahmequelle. Angesichts derzeit extrem niedriger Zinsen sind die von Experten genannten fünf Millionen Euro zum Bau eines Windrads leicht zu beschaffen. In Schöneck werden deshalb bereits weitere Räder auf den Äckern gebaut, im Nidderauer Umweltausschuss wurde jüngst der Sachstand zur Windkraft berichtet und selbst kleine Gemeinden wie Birstein, Brachttal und Biebergemünd wollen, dass sich lieber heute als morgen die Rotoren über ihrem Gebiet drehen.

„Keine Schnellschüsse“

Freigerichts unabhängiger Bürgermeister Joachim Lucas sieht die Goldgräberstimmung kritisch. „Keine Schnellschüsse“ ist seine Devise. In seiner Gemeinde eigneten sich wenige Flächen für die Räder. Angesichts der Diskussion über die hohen Strompreise könnten die Windparks schon bald deutlich weniger Gewinn abwerfen. Demnächst wird sich die Energiegenossenschaft Main-Kinzig, die jüngst aus der Solargenossenschaft Biebergemünd hervorgegangen ist, den Freigerichtern vorstellen.

Die Genossen wollen schon bald ihr erstes eigenes Windrad im Büdinger Wald bauen lassen. Das Geld für die Anzahlung haben sie schon zusammen. 2010 gegründet, betreibt die Energiegenossenschaft bereits mehrere Solaranlagen im Kreis. Neben der Energiewende geht es den Genossen um die Rendite. Nach dem Ende der Laufzeit des Kredits, den sie aufnehmen, erwarten sie einen Gewinn von 340 Prozent.

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