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Hartwin Weber (rechts) in einer Metallgießerei.

Hanau

Keine alten Eisen

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So genannte Senior Experten bringen im Ausland und auch hierzulande ihre Erfahrung ein. Die 12.000 Experten arbeiten ehrenamtlich, Kosten werden vom SES und den Auftragsgebern übernommen.

Werner Reinhart hat schon viele Küchen der Welt gesehen, nicht nur in seinen Lehr- und Berufsjahren. Der Rentner reist seit zehn Jahren um die Welt, um beim Aufbau von Gastronomie etwa in Firmenkantinen mit seinem Wissen und praktischen Anweisungen zu helfen. Hartwin Weber hat seit 2005 schon 13 Einsätze absolviert. Seine Mission besteht in der Beratung von metallverarbeitenden Betrieben. Waltrud Völker ist hingegen mit bisher einem Einsatz, Lehrern an einer Schule in Uganda die Methoden des modernen Englischunterricht beizubringen, ein Neuling. Sie ist seit 2012 dabei.

Allen dreien ist gemeinsam, dass sie nach Eintritt in den Ruhestand beruflich aktiv geblieben und für den Senior Experten Service (SES) ehrenamtlich tätig sind. Der Dienst hielt gestern bei der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern seine Regionalversammlung ab.

Mehr als Starthilfe geben

Völker, Weber und Reinhart leisten keine Entwicklungshilfe im eigentlichen Sinn. Sie kommen, wenn Unternehmen Erfahrung benötigen, die sie im eigenen Land nur schwerlich erhalten. In Indien und China gebe es viele Ingenieurstudenten, doch die wenigsten wollten in einem kleinen Betrieb beschäftigt sein, sagt Weber, promovierter Physiker und Werkstoffkundler, der bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand bei der Hanauer Vacuumschmelze tätig war.

„Die Hochschulabsolventen wollen alle White-Collar-Jobs“, sagt Weber. Und so exportiert er nicht nur deutsche Fertigungskultur. In China flocht er etwa die Bande zwischen einem Lehrinstitut und einem Unternehmen, das Teile für Tunnelbohrmaschinen produziert. Dafür sei er dort mit dem Professorentitel geehrt worden, sagt Weber und schmunzelt.

Den besitzt der Karlsteiner Reinhart noch nicht, gleichwohl er in Albanien, Bolivien, Namibia und in Ländern der Russischen Föderation als Senior Experte unterwegs war, bei einigen Projekten auch mehr als einmal. Der 65-Jährige ging mit 55 Jahren in Vorruhestand. Sein Arbeitgeber, der Energiekonzern RWE, brauchte damals den Werkskantinenleiter und 7000 weitere Beschäftigte nicht mehr und machte Vorruhestandsangebote. Er habe sich sofort beim SES angemeldet, berichtet Reinhart.

Der Küchenmeister hatte bereits in seinem vorherigen Berufsjahren viel Auslandserfahrung gesammelt und viele Sparten seiner Branche kennengelernt, als Küchenchef im Kurhaus von Bad Nauheim bis hin zur Firmenkantine. In Bulgarien zeigte er jüngst Gastronomen eines Kurorts, wie Frühstück und Essen auf die Geschmäcker der Touristen abgestimmt werden können, denn bei einer Besucherbefragung sei vor allem die Gastronomie durchgefallen.

Jugendliche begleiten

Dass nicht nur Menschen mit handwerklichem oder ingenieurswissenschaftlichem Können beim SES gefragt sind, zeigt Waltrud Völker. Die Darmstädter Lehrerin für Deutsch und Englisch hatte sich nach ihrer Pensionierung für Granny Au Pair und SES beworben, letzteres überzeugte sie mehr, um wirklich helfen zu können. Für sie wird es nicht nur Einsätze im Ausland geben, Völker engagiert sich auch in der Initiative VerA bei SES. Als Coach hilft sie hiesigen Jugendlichen bei Problemen im Beruf, bei Vorbereitungen auf Prüfungen oder als Ausbildungsbegleiterin. Aber zunächst geht es für sie in die Ferne. Ihre Vermittlung von Unterrichtsmethodik ist in Vietnam gefragt.

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