Prozess gegen Anwältin

Bares für Erfundenes

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Mandanten belasten wegen Betrugs und Untreue angeklagte ehemalige Anwältin.

Er sei „verzweifelt, vollkommen fertig“ gewesen, sagt der 29-Jährige. Als Lehrer im Referendariat habe er alles daran gesetzt, um den Ausbilder wechseln zu können. Dieser habe ihn benachteiligt und vor der Klasse bloßgestellt. Deshalb habe sich der Hanauer an die Versprechen seiner Rechtsanwältin geklammert – und ihr immer wieder hohe Summen gezahlt, in bar: Im April 2010 7250 Euro, angeblich um beim Kultusministerium die „Ernsthaftigkeit des Verfahrens“ zu belegen, im Juni erst 3500 Euro „zum Zwecke der eiligen Bearbeitung“, dann fast 2000 Euro, um eine Zertifizierung zu beschleunigen.Seine Anwältin habe ihm erzählt, sie würde den Wechsel durchsetzen können. Ein Herr Achilles im Ministerium kümmere sich um die Angelegenheit, sie kenne ihn. Als der Verdacht wuchs, habe der Referendar das Ministerium kontaktiert. Und erfahren, dass Herr Achilles noch nie von der Anwältin gehört hat.Der frühere Lehramtsstudent ist einer der Geschädigten, die am Montag im Prozess gegen die frühere Anwältin S. ausgesagt haben. Sie muss sich wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue vor dem Landgericht Hanau verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 52-Jährigen vor, zwischen 2007 und 2011 Mandanten in 58 Fällen um insgesamt 200.000 Euro betrogen zu haben. Am ersten Verhandlungstag Ende vergangener Woche gestand die Angeklagte und nannte unter anderem hohe Schulden und Kanzleikosten als Gründe für ihr Handeln. Sie hatte unter anderem vorgetäuscht, das Geld für angebliche Verfahrens- und Gerichtskosten sowie Gutachten zu brauchen. Der gebürtigen Hanauerin droht jetzt eine Haftstrafe zwischen vier Jahren und neun Monaten und fünf Jahren und drei Monaten.

Der frühere Referendar studiert heute ein anderes Fach. Nach dem Betrug und dem gescheiterten Wechsel gebe es für ihn „keinen Weg zurück in den Lehrerberuf“. Um gut fünf Jahre habe ihn dies in seinem Leben zurückgeworfen, sagt der 29-Jährige mit zitternder Stimme.

Ein anderer Geschädigter, den die 52-Jährige in einem Verfahren um Berufsunfähigkeit vertrat, wurde um mehr als 20000 Euro betrogen. Er zahlte das Geld unter anderem für Gutachten, die nie erstellt wurden. „Das Verfahren hat mich zermürbt“, sagt der Zeuge. Weshalb er nicht eher Verdacht geschöpft habe, fragt Richter Dietmar Jorda. „Es hat alles irgendwie zusammengepasst. Und sie hat es verstanden, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.“

Die Angeklagte verfolgte die Aussagen schweigend, in sich gekehrt und mied den Blickkontakt mit den Geschädigten.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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