Main-Kinzig

Bald Anklagegegen Anwältin

Fachanwältin für Familienrecht hat ihre Mandanten betrogen.

Von Jörg Andersson

Der aufsehenerregende Fall liefert bis heute Gesprächsstoff und Gerüchte: Spekuliert wurde über eine Verhaftung der ehemaligen Fachanwältin für Familienrecht, und oft geht es auch um die Haftungsfrage einer renommierten Hanauer Kanzlei, für die die 51-Jährige Juristin einige Jahre gearbeitet hatte.

Im Oktober 2010 durchsuchten Fahnder in der Römerstraße Bruchköbel die Kanzlei der Anwältin, die offenbar reihenweise eigene Mandanten betrogen hat. Drei Umzugskisten mit Unterlagen und Beweismaterial wurden sichergestellt. 15 Monaten später sind die Polizeiermittlungen abgeschlossen. „300 Seiten umfasst alleine der Schlussbericht“, erzählt Werner Schmidt-De Wasch. Drei Dutzend Fälle liegen dem Staatsanwalt vor, der die Schadenssumme vage mit 300000 Euro beziffert. Betrug, Untreue und Gebührenüberhöhung lauten die Verdachtsmomente.

„Das ist schon heftig“, kommentiert Schmidt De Wasch nach dem ersten Blick in die Akten. Konkretere Äußerungen, auch über ein mögliches Strafmaß im Falle der Verurteilung, verkneift er sich. Noch ist unklar, was strafrechtlich relevant ist. „Die Ermittlungen dauern an. Mit einer Anklage ist eventuell im Frühsommer zu rechnen“, sagt der Strafverfolger.

Schneller als Betrugskommissare und Staatsanwaltschaft hatte die Rechtsanwaltskammer Frankfurt reagiert. Die entzog der Juristin schon Ende August per Sofortvollzug die Zulassung, nachdem sich Beschwerden und Verdachtsmomente gehäuft hatten.

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau kassierte die Juristin vielfach überhöhte Vorschüsse und bat ihre Mandanten für vermeintliche Sicherheitsleistungen, Gutachten oder Verfahrensbeschleunigungen zur Kasse. Bezahlt wurde oft in bar – mitunter auch fünfstellige Beträge. Bekannt ist der FR die Strafanzeige eines Studienreferendars, der seine Ausbildungsstätte wechseln wollte, und deshalb angeblich 27500 Euro Sicherheit beim hessischen Kultusministerium hinterlegen sollte.

Ungedeckte Schecks

Bei Rückzahlungen vermochte die Rechtsanwältin ihre Klientel zu vertrösten – etwa mit Hinweisen, dass die Gerichtskasse selten auszahle, oder die Überweisung wegen eines Zahlendrehers nicht erfolgt sei. Dazu kamen laut Kripo ungedeckte Schecks. Viele der Geschädigten hätten sich aufgrund von Unerfahrenheit in Rechtsstreitigkeiten hinhalten lassen.

Vermutlich war die 51-Jährige klamm und benötigte das Geld, um andere Löcher zu stopfen, verlautet aus Ermittlerkreisen. Vor Jahresfrist hat die Rechtsanwältin Privatinsolvenz angemeldet. Schulden aus unerlaubten Handlungen entfallen in diesem Verfahren nicht.

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