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Aussteiger sagen aus

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Von: Gregor Haschnik

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Das Landgericht Hanau prüft die Arbeit eines ehemaligen Richters, der selbst Mitglied in der mutmaßlichen Sekte gewesen sein soll. Die Evangelisch-methodistische Kirche will sich an der Aufklärung über die Gruppe beteiligen.

Im Fall der mutmaßlichen Sekte in Hanau hat der erste Aussteiger gegenüber der Staatsanwaltschaft Aussagen gemacht. Derweil befasst sich auch das Landgericht mit dem Fall, da ein Mitglied der Gruppe lange Richter in Hanau war. Das Gericht prüfe nun, ob die Mitgliedschaft Auswirkungen auf die Arbeit und die Entscheidungen des Richters gehabt habe, sagt Andreas Weiß, Pressesprecher und Vizepräsident des Landgerichts. Bislang gebe es allerdings keine Anzeichen dafür, so Weiß.

Unterdessen hat sich die Evangelisch-methodistische Kirche zu Wort gemeldet. Zwei Pastoren der Kirche hatten die Hanauer Gruppierung Anfang der 80er mitgegründet.

Entlassung zuvorgekommen

Um die beiden Pastoren habe sich eine Gruppe gebildet, in der „Lehren von der Ehefrau eines der beiden als besondere göttliche Botschaft verbreitet wurden“, schreibt die Kirche. Die Kirchenleitung habe damals festgestellt, dass diesen Lehren „eine nach der Heiligen Schrift unangemessene Schlüsselfunktion für das Heilwerden der Menschen zugeschrieben“ werde, und dass die Haltung der Pastoren „mit dem Zeugnis der Heiligen Schrift und mit dem Bekenntnis und der Verfassung unserer Kirche nicht zu vereinbaren ist“. Daraufhin wollte die Kirche die Geistlichen entlassen. Indem sie auf eigenen Wunsch ausgeschieden seien, seien sie einer Entlassung zuvorgekommen. Obwohl sich nur wenige Menschen der Gruppe fest angeschlossen hätten, „entstanden durch den abrupten Abbruch aller formellen und informellen Beziehungen drastische Brüche in den davon betroffenen Familien und Gemeinden“. „Wir sind tief betroffen von den Erfahrungen, die Aussteiger jetzt schildern“, sagt Bischöfin Rosemarie Wenner und versichert „unsere Solidarität“. Die Kirche wolle sich an der Aufklärung über die Gruppe beteiligen, „um zu verhindern, dass sich weitere Menschen der Gefahr der Abhängigkeit aussetzen“.

Mehrere Aussteiger werfen der Gruppe Ausbeutung und Psychoterror vor. Der FR liegen Dokumente vor, die die Angaben stützen. In den 80ern und 90er Jahren sollen Kinder in der Gemeinschaft misshandelt worden sein, weil sie als besessen betrachtet worden seien. Ein großer Teil der Mitglieder arbeitet bei der Firma Aeon Verlag & Studio. Der Geschäftsführer sieht eine Hetzkampagne der Aussteiger. Er sagt, dass niemand aufgehalten worden sei, der die Gruppe verlassen wollte. In Bezug auf die Arbeitsbedingungen habe sich die Firma nichts vorzuwerfen. Die Gruppe höre zwar Gott sprechen, sei aber keine Glaubensgemeinschaft.

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