In der Hanauer Stadtbibliothek
+
In der Hanauer Stadtbibliothek

Stadtbücherei

Ausleihe per Mausklick

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
    schließen

Keine Wartezeiten, keine Gefahr die Ausleihzeit zu überziehen: Die neue digitale Bücherei der Stadtbibliothek ist rund um die Uhr geöffnet.

Kurz vor Mitternacht aus der Hanauer Stadtbibliothek „Wallanders ersten Fall“ ausleihen, das wäre bis vor Kurzem ein erfolgloses Unterfangen gewesen. Seit Ende Oktober können jedoch Krimi-Freunde zu jeder Tageszeit ihren Hunger nach Lesestoff stillen. Das ermöglicht die digitale Bücherei. Derzeit haben sich 17 Städte und Gemeinden dem Verbund Onleihe angeschlossen. Hanau und Offenbach sind die größten Kommunen.

„Hanau hatte 2009 geplant, mit einer Ausleihe von digitalen Werken über das Internet zu starten“, berichtet Angela Noe, Diplom-Bibliothekarin und stellvertretende Leiterin. Der Alleingang erübrigte sich, weil 2010 die Hessische Fachstelle für öffentliche Bibliotheken die virtuelle Bibliothek „Onleiheverbundhessen“ auflegte und Kommunen mit Fördergeld zum Einstieg lockte.

Hanau erhielt 100?000 Euro, um in den Online-Bestand zu investieren, so Eckhard Kummerow von der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken. Die Büchereien, die teilnehmen, verpflichten sich, fünf Prozent ihres Einkaufsetats in die Onleihe zu stecken. Bestellt wird reihum. „In einer Arbeitsgemeinschaft haben wir ein Erwerbsprofil ausgearbeitet mit den Schwerpunkten Schule, Belletristik, EDV, Wirtschaft und Ratgeber“, erläutert Noe.

Welche Titel gekauft werden, wird nicht abgesprochen. „Wir verlassen uns untereinander auf unsere Erfahrungen als Bibliothekare“, sagt die stellvertretende Bibliotheksleitern. Der Bestand umfasst mehr als 13?000 digitalisierte Werke und wächst ständig. „Der Onleiheverbund wird die Bibliothek als räumliche Institution eines Tages nicht ablösen“, ist sich Noe sicher. Seit Jahren bestehe der Trend, die Büchereien verstärkt als Lese- und Lernort zu nutzen, vor allem bei Schülern. Die Onleihe ist hingegen bei älteren Semestern gefragt, so Noe. Warum, das ist offen, vielleicht ist der schnelle Weg zum Buch ein Grund, oder dass Texte in vergrößerter Schrift gelesen werden können.

Die Online-Ausleihe funktioniert wie die Bestellung von Waren im Internet. Titel suchen, in den Korb legen und sich zum Ausgang begeben. Bezahlt wird nicht. Denn die Nutzung des Angebotes ist unentgeltlich, lediglich ein Leseausweis wird benötigt.

Das digitale Werk wird auf den heimischen Computer oder E-Reader geladen, einem elektronischen Lesegerät. Und dann kann es auch schon mit dem Schmökern losgehen, am Bildschirm oder auf einem Ausdruck. Auch Zeitungen, Magazine sowie Hörbücher und Videos lassen sich auf diese Weise ausleihen. Dabei gelten die alten Ausleihregeln. Nach 14 Tagen endet die Rückgabefrist. Danach lässt sich die heruntergeladene Datei nicht mehr öffnen. Zeitungen können nur bis zu einer Stunde gelesen werden. Sind nicht mehrere Exemplare von einem Buch oder einer Zeitung im Onleiheverbund vorhanden, hat ein anderer Nutzer keinen Zugriff darauf – ganz wie in der Präsensbücherei.

Texte auf E-Reader laden

Ohne diese Einschränkungen würden Verlage ihre Erzeugnisse kaum zu Preisen weitergeben, die für die öffentlichen Bibliotheken vertretbar seien, glaubt Angela Noe. Ein Titel kann jedoch ein zweites Mal ausgeliehen werden. Die virtuelle Bücherei ist zudem zu allen vergesslichen Nutzern gnädig. Ausgeliehenes zu verschlampen oder die Rückgabefrist versäumen, das ist bei der digitalen Bibliothek nicht mehr möglich. Ein Mahngebühr gibt es nicht. Aber auch keine abgegriffenen Seiten und Flecken von unbekannter Herkunft mehr. Jedes Exemplar ist stets neu.

Kommentare