1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Kinzig-Kreis

Auch Gebisse tauchen auf

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Kläranlage in Hanau am Main zwischen Kesselstadt und Maintal
Kläranlage in Hanau am Main zwischen Kesselstadt und Maintal © Sascha Rheker/attenzione

Einstmals ein Luxus, heute eine Selbstverständlichkeit - die Kläranlage Hanau wird 100 Jahre alt. Am Samstag kann man sie bei Führungen erkunden.

Von Rebekka Sambale

Das Geschirr ist abgespült, und der Knopf der Toilettenspülung gedrückt. Und dann? Was für uns heute selbstverständlich ist – dass das schmutzige Wasser durch die Kanalisation das Haus verlässt – war vor 100 Jahren ein Luxus. Und der ist in Hanau dem englischen Ingenieur William Heerlein Lindley zu verdanken.

Weil es den Menschen Ende des 19. Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes stank, begann Lindley mit dem Bau einer Abwasserkanalisation. Im Jahr 1910 kam dann auch die erste städtische Kläranlage hinzu. Damals stand die Pumpstation noch an der Gipsmühle. Zur Weiterverarbeitung wurde das Wasser auf das heutige Gelände geleitet.

Arbeiten im Klärwerk hieß vor 100 Jahren noch: mit Stiefeln durchs Abwasser waten und den Dreck in Handarbeit mit der Schaufel schippen. Wer heute die Kläranlage betritt und sich mit Michael Ruess, dem Abteilungsleiter für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz, auf einen Rundgang begibt, sieht vor allem viel moderne Technik.

Das Vorurteil von der stinkenden Kläranlage bestätigt sich nur noch in der ersten Station des Abwassers. In der Rechenanlage werden die groben Verschmutzungen gefiltert. „Hier wird auch schon mal ein Gebiss aussortiert“, erzählt Ruess. „Uhren, Ketten, Unterwäsche.“ So zählt er die Kuriositäten weiter auf.

Wieder draußen an der frischen Luft kann der Weg des Wassers weiter verfolgt werden. Auch akustisch übrigens, denn das rauschende Geräusch ist in der Kläranlage an fast jeder Stelle zu hören. Optisch sieht die braune Brühe an dieser Stelle noch etwas unappetitlich aus.

Einige Stationen weiter dürfen dann die kleinsten Kollegen in der Kläranlage ran. Mikroorganismen werden unter das Wasser gemischt. Sie freuen sich über allerlei Abfallstoffe, die ihnen als Nahrung dienen. Sehr lange gibt es dieses System noch nicht. „Bis Ende der 60er Jahre wurde nur mechanisch geklärt“, sagt Ruess.

Die sogenannte biologische Stufe wurde erst anschließend eingeführt. Dass das Wasser danach wesentlich sauberer aussieht, finden übrigens auch die zahlreichen Enten und Möwen, die es sich auf den Nachklärbecken bequem machen. Die runden Becken gehören mit einem Durchmesser von 60 Metern zu den größten in ganz Deutschland.

Die Wissenschaft forscht, die Auflagen werden strenger, und immer wieder müssen Modernisierungen vorgenommen werden, um auf dem neuesten technischen Stand zu bleiben. Erst 2005 wurde die sogenannte Denitrifikation ergänzt. Hinter dem komplizierten Begriff verbirgt sich ein Verfahren, das den Stickstoffgehalt des Wassers verringert. Anschließend wird das Wasser in den Main geleitet.

Für die nächsten Jahre sind laut Ruess erstmal keine neuen Umbauarbeiten geplant. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt. „1910 dachte man auch schon, man sei auf dem neuesten Stand der Technik“, sagt Ruess und grinst.

Fünf heute ungenutzte Klärbecken und ein altes Maschinenhaus aus dem Jahr 1910 lassen im Jahr des 100. Jubiläums alte Zeiten wieder aufleben. Das Maschinenhaus beherbergt heute eine Dauerausstellung zur Geschichte der Anlage.

Wer sich das alles einmal genauer anschauen möchte und wissen will, was Sauerkraut mit dem Faulturm gemeinsam hat oder warum im Klärwerk auch mal die ein oder andere Biene vorbeisummt, der sollte sich die Führung am Samstag, 14. August, nicht entgehen lassen.

Auch interessant

Kommentare