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Appell an reiche Länder

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Gesellig statt kämpferisch gibt sich die SPD zu Jahresbeginn.
Gesellig statt kämpferisch gibt sich die SPD zu Jahresbeginn. © Hoyer

Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann ist beim Neujahrsempfang der SPD zu Gast. Der Wahlkampf bleibt bei der Veranstaltung in der Klosterberghalle überwiegend außen vor.

Von Jörg Andersson

Keine politischen Schlagworte, Parolen oder Programme. Trotz des nahen Wahltermins, bei dem neben der Zusammensetzung der Kommunalparlamente und des Kreistages auch über den Landrat und indirekt den Ersten Kreisbeigeordneten entschieden wird, halten die Sozialdemokraten ihre Neujahrsempfangs-Tradition hoch. Als „Pausentaste im harten politischen Alltag“ sowie Blick über den Tellerrand hatte der SPD-Unterbezirk seine Veranstaltung deklariert und am Freitagabend in der Klosterberghalle auch so zelebriert.

Musik, ein Auftritt der Deutschen Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann und die obligatorischen Rüffel für den Bürokratenwahn in Deutschland bestimmten die gesellige Runde. Alleine beim Sektempfang und nach dem offiziellen Teil plauderten einige der rund 400 Gäste an den Stehtischen im Foyer locker über Parteipotenziale und Polit-Konstellationen. Beispiel: wie hoch würde der Kurs der Freien-Wähler im Kreistag steigen, stünden die vielen unabhängigen Bürgermeister auf der Kandidatenliste? Einmal lenkte Landrat Erich Pipa zudem die Aufmerksamkeit auf den Vorsitzenden der Freien Wähler im Kreis und hieß Heinz Breitenbach verspätet willkommen. Den hatte der Unterbezirks-Vorsitzende André Kavai bei der Begrüßung vergessen. Ausgerechnet: wo doch Pipa kurz zuvor die Freien Wähler als erste von möglichen Koalitionspartnern angeführt hatte.

Ein Glückscent mit Kleeblattaufdruck und ein visitenkartengroßer Spendenaufruf Pipas für die Heinrich-Sauer-Stiftung, die Menschen in Not hilft, gab es zur Begrüßung, dazu den Appell von Kavai, manche Katastrophen nach dem Schlagzeilenwirbel auch nachhaltig zu betrachten.

Bärbel Dieckmann mahnte die Verpflichtung der reichen Länder in der Entwicklungshilfe an, die trotz vieler Unzulänglichkeiten auch Erfolge vorzuweisen habe und stets auf dankbare Menschen stoße. Als „unvorstellbar“ schilderte die Ex-Oberbürgermeisterin die Hochwassersituation in Pakistan, wo über hunderte von Kilometern Menschen wochenlang auf den Mittelstreifen einer nicht überschwemmten Autostraße verharrten. Mit Investitionen in Bildungssysteme, die Landwirtschaft und fairen Handel könne die Armut auf der Welt, für die die Industrienationen mitverantwortlich seien, gelindert werden, so Dieckmann.

Faltenwurf der Richterrobe

Die „relative Armut in Deutschland“ lieferte dem Landrat zumindest die kurze Gelegenheit, in eigener Sache zu werben, etwa mit dem Hinweis auf die erfolgreiche Vermittlung der Langzeitarbeitslosen im Kommunalen Center für Arbeit (KCA), das laut Vorschriften nun noch den Zusatz Kommunales Jobcenter tragen soll. Bei „diesem Blödsinn“ sträuben sich Pipa die Nackenhaare wie auch beim Justiz-Merkblatt, das den zentimetergenauen Faltenwurf der Richterrobe vorschreibe.

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