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Buchbesprechung bei Kaffee und Kuchen.
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Buchbesprechung bei Kaffee und Kuchen.

Hanau

Apfelkuchen und „Tante Frieda“

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Heinrich-Böll-Schüler sprechen mit der Hanauer Krimiautorin Heidi Gebhardt. Deren Buch hatten sie zuvor im Unterricht gelesen und durchgearbeitet.

Es geht im Klassenraum ein bisschen zu wie bei Tante Frieda. Nur statt der fiktiven Nichte Lena, der ebenso fiktiven Hobbydetektivin Frieda sind es 22 Jugendliche der Bruchköbeler Heinrich-Böll-Schule, Deutschlehrerin Petra Quahdi und „Tante Frieda“-Schöpferin Heidi Gebhardt, die an einer langen Tafel sitzen und sich selbst gebackenen „Apfelkuchen gedeckt“ schmecken lassen – natürlich nach einem Rezept von Frieda. Die Achtklässler haben die Krimiautorin jedoch nicht allein zum Kuchen- essen eingeladen, die sich mit Grüner Soße und Brezeln kulinarisch revanchiert.

Die Pennäler wollten die Gelegenheit nutzen, die Autorin befragen, deren Buch sie im Unterricht gelesen und durchgearbeitet haben. Damit das nicht vor lauter Aufregung ins Stocken gerät oder was Wichtiges vergessen wird, haben sich die Schüler vorab eine Liste mit Fragen ausgedacht.

Gut recherchierte Fiktion

„Wie alt sind Sie?“ „Diese Frage stellt man keiner Dame“, kommt es von Quahdi. 53, wenn Gebhardts Kurz-Vita im Buch richtig ist. Die meisten Fragen zielen jedoch auf das Erstlingswerk ab. Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben? War Schriftstellerin ihr Traumberuf? Gibt es die Personen in dem Krimi wirklich? Es gibt sie nicht.

Alle Personen, Handlungen und auch das heruntergekommene Haus im schicken Wohngebiet Hohe Tanne, wo die Autorin mit ihrer Familie seit mehr als zehn Jahren lebt, sind frei erfunden, erklärt Gebhardt den Schülern. Sie habe sorgfältig recherchiert, nicht nur dass die Handlungsorte stimmig seien, sondern auch, dass die Fiktion nicht ein zufälliges Pendant in der Wirklichkeit hat.

Und die Tante mit der kriminalistischen Spürnase soll kein Alter Ego von Gebhardt darstellen wie die Figur Lena, die wie die Autorin in der Werbebranche tätig war. Eine Schülerin hakt nach: „Haben Sie einen Hund der Amsel heißt, wie der von Tante Frieda?“ In der Tat. Allerdings handele sich nicht um einen Dackel, sondern um einen französischen Hütehund und „Amsel“ stehe nur in seinem Stammbuch. Die Familie rufe das Tier anders, doch weil der Name schön sei, habe ihn Friedas Dackel erhalten.

Lust aufs Lesen bekommen

Dass es das Buch in den Unterricht geschafft hat, ist Pädagogin Quahdi zuzuschreiben. „Ich habe Heidi Gebhardt als Jurymitglied beim Anne-Frank-Schreibwettbewerb 2014 kennengelernt“, erzählt sie. „Ihr Buch ist verständlich und greift aktuelle Themen wie Drogenhandel auf.“ Zudem könne den Schülern die Möglichkeit geboten werden, eine Schriftstellerin aus der Region in den Unterricht einzuladen.

Nach der Fragestunde, Kuchen und Grüner Soße tragen die Jugendlichen der Integrierten Gesamtschule ihre Leseempfehlungen vor. Die fielen durchweg gut aus. „Das Buch wird von Seite zu Seite spannender“, lobt die Generation Internet. Auch dass eine ältere Frau die Heldin ist, gefällt. „In vielen Krimis sind es oft junge Leute“, vergleicht eine Schülerin. Manch einer verhehlt nicht, dass er mit „Tante Frieda“ richtig Lust auf das Lesen bekommen hat. Andere kündigen an, sich nun Teil II zu besorgen.

Zurzeit arbeitet Heidi Gebhardt am dritten Teil von „Tante Frieda“. Ob es der letzte Teil sein wird, verrät sie nicht. Jedoch gestaltete sich das Schreiben diesmal besonders schwierig, sagt die Autorin. Die Schatten aus der Nazizeit werden Freizeitkriminologin Frieda beschäftigen.

Während des Anne-Frank-Schreibwettbewerbs ist bei mir die Frage aufgekommen, wie meine Familie diese Epoche erlebte, sagt sie. Auch diesmal soll alles Fiktion bleiben. Gleichwohl sie mit Teil I und II erfahren hat, dass sich manch ein Bewohner in den Büchern wiederzufinden glaubt und das heruntergekommene Haus Ortsgespräch war.

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