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Das Kasernengelände in Großauheim. (Archivbild)

Stadtentwicklung in Hanau

Riesiges Rechenzentrum auf Kasernengelände geplant

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Der Immobilienentwickler P 3 will gerne auf dem Großauheimer Kasernen-Areal ein großes Rechenzentrum bauen. Die Stadt Hanau hofft auf einen Zuzug von IT-Unternehmen.

Es ist das letzte große Areal in Hanau, das nach dem Abzug der US-Armee vor zehn Jahren noch frei ist: die Großauheim-Kaserne. Etwa 38,5 Hektar groß ist die Gewerbefläche. Vor gut zwei Jahren wollte die Firma P 3 Logistic Parks hier Logistik ansiedeln, eine Amazon-Dependance stand zur Debatte. Doch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die alle ehemaligen US-Militärflächen verwaltet, und die Stadt Hanau lehnten wegen der hohen Verkehrs- und Umweltbelastung, die zu erwarten war, ab – nicht weit entfernt liegen Wohngebiete.

Jetzt gibt es Pläne, die den Vorstellungen von Stadt und Bima offenbar entsprechen – und erneut von P 3 stammen: Der Immobilienentwickler will in Großauheim ein großes Rechenzentrum bauen, den sogenannten Daten Center Campus. Am Dienstagabend wurden die Pläne im städtischen Struktur- und Umweltausschuss öffentlich vorgestellt. Demnach soll sich das Zentrum auf 250 000 Quadratmeter verteilen und aus fünf Gebäuden bestehen, die an Großkunden weitervermietet werden. Diese können dort ihre Server aufbauen und betreiben. Als Nutzer werden unter anderem Amazon und SAP gehandelt. Mehrere Hundert Arbeitsplätze sollen dadurch vor Ort entstehen.

Laut P 3-Geschäftsführer Jürgen Diehl will sein Unternehmen die Kaserne, die 2011 vorübergehend vom „Autokontor Bayern“ genutzt wurde, komplett zurückbauen. Zudem muss sie dekontaminiert werden, das Areal ist belastet. Der Abriss der Verwaltungsgebäude und Hallen, die von den US-Amerikanern als Lager und für Reparaturarbeiten genutzt wurden, soll im dritten Quartal 2019 beginnen. Die Stadtverordneten entscheiden Ende dieses Monats, ob ein entsprechender Bebauungsplan auf den Weg gebracht wird. Rechenzentren sind anspruchsvolle Bauprojekte, etwa wegen der hohen Anforderungen an den Brandschutz und die Kühlung der Server.

Nach Angaben der Stadt könnte Hanau bald einer der führenden Datencenter-Standorte in Europa sein. Im benachbarten Großkrotzenburg plant Uniper – der Betreiber des Kohlekraftwerks Staudinger, das zurückgebaut werden soll – auf etwa 50 000 Quadratmetern ebenfalls ein Rechenzentrum.

OB Claus Kaminsky (SPD) zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung bei der Großauheim-Kaserne: „Das Rechenzentrum wird vergleichsweise geringe Emissionen und lediglich Anlieferverkehr am Tag haben.“ Es schaffe Arbeitsplätze, Steuereinnahmen – Kaminsky erwartet einen kleinen siebenstelligen Betrag – und könne weitere Unternehmen aus dem IT-Bereich anziehen. Anders als zum Beispiel die Pioneer-Kaserne, wo derzeit etwa 1500 Wohneinheiten entstehen, ließ sich die Großauheim-Kaserne nicht so leicht vermarkten, auch weil sie sich nur für Gewerbe eignet.

P 3 gehört in der Logistikbranche zu den größten Investoren und Entwicklern in Europa, wo die Firma nach eigenen Angaben in neun Ländern Büros und mehr als 400 Kunden hat. Allein im Rhein-Main-Gebiet hat P 3 mit Pfungstadt, Ginsheim-Gustavsburg, Weiterstadt, Mörfelden und Dreieich fünf große Standorte. Wenn die Gebäude in Hanau stehen und vermietet sind, wird dort sehr viel Strom gebraucht. Diehl kalkuliert in der ersten Ausbaustufe 2021 mit etwa 50 Megawatt, in der letzten Ausbaustufe einige Jahre später mit 180 Megawatt.

Die Stadtwerke und die Hanau Netz GmbH könnten einige der Voraussetzungen für das Rechenzentrum schaffen, die hohe Investitionen erfordern. Es braucht unter anderem ein neues Umspannwerk mit Großtransformatoren und eine Hochspannungsleitung. Knapp einen Kilometer entfernt verläuft eine große Stromtrasse, an die das Zentrum angeschlossen werden könnte.

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