Manfred Nachtigal, Geschäftsführerin Kerstin Voelker-Zahn und Verleger Joachim Schulmerich (v.l.)
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Manfred Nachtigal, Geschäftsführerin Kerstin Voelker-Zahn und Verleger Joachim Schulmerich (v.l.)

Cocon-Verlag

Die Bauernanatomie im E-Book

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Der Cocon-Verlag beginnt mit dem Verlegen von elektronischen Büchern. Die digitale Technik bietet unter anderem bei Wanderführern neue Möglichkeiten.

Noch vor zwei, drei Jahren wurde es belächelt, ihm nur ein kurzes Leben prognostiziert oder es wurde als aufkeimende Unkultur des Buches verschrien. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse rückte es trotz allem in den verlegerischen Mittelpunkt: das E-Book. „Wohin die Entwicklung genau geht, ist unklar, aber alle Verleger sind sich einig, in den nächsten Jahren wird der Umbruch kommen“, sagt Joachim Schulmerich, Gründer und Leiter des Hanauer Cocon-Verlags. Der südhessische Regionalverlag startete vor rund 20 Jahren mit einem Titel. Inzwischen ist das Verlagsprogramm auf 110 Werke angewachsen, das vor allem aus Ausflugsliteratur, Regional-Literatur und nicht zuletzt aus opulenten Kunstbänden besteht. Vor drei Jahren wurde die Sparte Lokalkrimi eröffnet.
Das E-Book ist noch weit entfernt vom großen Geschäft, sagt Schulmerich. Hierzulande liege der Umsatz mit dem virtuellen Buch im Promillebereich. Vielleicht wird der Absatz deutlich steigen, wenn günstigere und bessere Lesegeräte im Handel erhältlich sind. „Auf jeden Fall bedeutet das E-Book eine neue und zusätzliche Herausforderung.“
Einfach die elektronische Druckvorlage etwa in das allgemeine PDF-Format zu konvertieren, reiche nicht aus, um den Kunden für das neue Angebot zu begeistern, besonders wenn es sich nicht um Belletristik handelt.
Beim Cocon-Verlag hält man vorerst nur den Zeh in den E-Book-Teich – just mit einem historischem Werk: „Die Bauernanatomie“. Das aus heutiger Sicht skurrile Psychogramm aus der Feder von Aegidius Henning der Bauern gibt es ebenfalls als Hardcover in gediegener Aufmachung.
Weitere Titel sollen folgen. „Zunächst werden es vergriffene Bücher aus dem früheren Verlagsprogramm sein, deren geringe Nachfrage eine Neuauflage nicht rechtfertigt.“ Hierzu zählt die Dokumentation über die Zeit des Nationalsozialismus in Langenselbold. „Die Stellen im Buch, die wir auf Gerichtsbeschluss schwärzen mussten, werden auch im E-Book unlesbar sein“, heißt es. Weniger brisant, aber immer noch mit gelegentlicher Nachfrage: das Bembel-Buch von Jörg Stier. Bei diesem Werk kommen die Vorteile des E-Books zum Tragen. Es werden neue Rezepte beigefügt.

Aktualität als Chance

In der Möglichkeit der schnellen Aktualisierung und Ergänzung von Inhalten sieht Schulmerich einen der Hauptvorteile des E-Books. Davon werden nach seiner Meinung neben Bücher über Essen vor allem Wander- und Tourenführer profitieren. Ortsangaben, Beschreibungen, Fahrpläne, Preis oder Speisekarten findet der Nutzer dann weitgehend aktuell vor. Derzeit werde der Tourenführer „Der Eselsweg“ entsprechend aufbereitet.
Für Joachim Schulmerich steht fest, dass es ungeachtet der Optionen beim virtuellen Buch ein Entweder-Oder bei Cocon-Verlag nicht geben wird: „Zu neuen Titeln werden wir immer eine Papierausgabe verlegen, bei der die Aufmachung eine wichtige Rolle für den Absatz spielt.“ Wie Schulmerich erklärt, ist dies nicht allein Tradition und Wertigkeit geschuldet. „Ein Buch ist oft auch ein Geschenkartikel“, sagt er.

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