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Antje Berghäuser spricht am Bau gerne auf Augenhöhe.
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Antje Berghäuser spricht am Bau gerne auf Augenhöhe.

Alles gelernt bis aufs Biertrinken

Eine Klein-Auheimerin steht seit 20 Jahren ihren Mann auf dem Bau

Von Christoph Süß

Antje Berghäuser lebt für ihre Arbeit – das spürt man bei jedem ihrer Worte. Nicht umsonst hat die 50-Jährige zu Beginn des Jahres in Steinau ihren Industriemeister gemacht. Unter zehn Männern war die Klein-Auheimerin die einzige Frau, die zweite überhaupt in der Geschichte der Bundespolierschule BEB. Gestern Abend wurde sie dafür in Wiesbaden als Landesbeste geehrt.

Von 100 Punkten holte Berghäuser 89 und schrieb damit fast eine eins. Ihre Kollegen von den Netzdiensten Rhein-Main, die sich unter anderem auch in Hanau um das Stromnetz kümmern, hatten ihr den Polier-Kurs empfohlen. Schließlich hat sie tagtäglich auf Baustellen in Frankfurt mit Polieren zu tun. Außerdem fehlten ihr Kenntnisse im Tiefbau, die sie als Teil der zehnköpfigen Planungsgruppe für die Stromkabel braucht.

Mit dem technischen Teil hatte Berghäuser als gelernte Hochbauingenieurin keine Probleme, dafür aber mit dem pädagogischen. „Die westlichen Unterrichtsmethoden liegen mir nicht so“, sagt sie, die in der ehemaligen DDR sozialisiert wurde und dort Frontalunterricht gewohnt war.

In Mecklenburg aufgewachsen, zog es die Pfarrerstochter in den 80er Jahren zum Studium nach Thüringen. Als die Mauer fiel, wurde sie Mutter. Danach plante sie zehn Jahre lang selbstständig Häuser, bis der Nach-Wende-Boom vorüber war. 1999 zog sie für eine neue Liebe nach Klein-Auheim, wo sie ihren jetzigen Mann, einen Ingenieur, heiratete.

Seit zehn Jahren ist Antje Berghäuser jetzt bei der Mainova und hilft mit, dass in Rhein-Main rund um die Uhr Strom fließt. Führungsambitionen hege sie nicht. „Ich bin kein Chef-Typ“, sagt Berghäuser über sich selbst. Dabei hat sie reichlich Erfahrung am Bau.

„Man muss bei den Jungens immer hintendran sein“, sagt sie, fast ein wenig fürsorglich, nur um gleich wieder einzuschränken: „Man muss die Arbeit von allen Leuten respektieren.“ Nur eines hat Antje Berghäuser in all den Jahren nicht gelernt: das Biertrinken.

Auf dem Computerschirm in ihrem Frankfurter Büro hat Berghäuser alle Projekte im Blick, doch eine Schreibtischtäterin sei sie nicht.

War sie bis 2007 noch für die Vermessung und Dokumentation des Netzes zuständig, arbeitet sie seitdem an der Planung mit. Ihre Arbeitsschuhe befänden sich immer in Griffweite, erzählt sie, denn schließlich wollen die zahlreichen Baustellen überwacht sein.

Bei ihrer neuen Arbeit kommen Berghäuser die Kenntnisse aus ihrem ersten Berufsleben in Ostdeutschland zugute. „Planung ist Planung“, findet sie. Die Sorgen der Bauingenieure kenne sie aus eigener Erfahung nur zu gut. Mit der Zeil oder dem Kraftwerk Staudinger verbindet sie nun aber weniger die Gebäude als vielmehr Stromleitungen, die sich unter der Erde befinden.

Nachdem ihr Mann sie während des Lehrgangs an den Samstagen monatelang kaum zu Gesicht bekam, hat sie jetzt wieder etwas mehr Zeit.

Neben der Arbeit kümmert sich Antje Berghäuser um ihre pflegebedürftigen Schwiegereltern in Hanau, sieht nach dem Rechten bei ihren eigenen Eltern in Mecklenburg oder fährt in ihre alte Studienstadt Weimar, wohin sie noch enge private Beziehungen unterhält.

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