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Nicht nur Bücher zur Naturkunde, auch Saurierfossilien zählen zur Sammlung der Wetterauischen Gesellschaft.

Hanau

Naturkunde moderner

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Die Wetterauische Gesellschaft sieht nach dem Umzug in das neue Kulturforum am Freiheitsplatz für sich gute Perspektive. Nach dem Umzug sei die Öffnungszeit von zwei auf vier Stunden in der Woche erhöht worden.

"Nein“, sagt Günter Seidenschwann, die 28 000 Bücher, davon viele Hundert und mehr Jahre alt, stehen noch nicht in der Ordnung wie sie im alten Domizil, im Kanzleigebäude am Schlossplatz, vorzufinden waren. Vor gut drei Monaten hat die Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau ihre Räumlichkeiten im neuen Kulturforum am Freiheitsplatz bezogen. Der Ortswechsel kann der Beginn einer neuen Epoche für die 208 Jahre alte Gesellschaft bedeuten, sagt Seidenschwann, Vorsitzender der Gesellschaft. Die Vorträge im Kulturforum seien im Vergleich früher zum Teil sehr gut besucht.

In hellen, frühlingshaften Farben erstrahlt das Quartier der Naturkundler, das sich etwas verwinkelt im zweiten Stock der Stadtbibliothek befindet. Ein auffälliger Wegweiser fehlt noch. Verschmerzbar, man kann sich ja durchfragen. Jedoch die Zeit in dem großen Saal mit der tafelartigen Tischreihe und dahinter die etlichen Metern langen und hohen, gealterten Holzregale mit zum Teil im Verfallsstadium befindlichen Büchern und Schriften sind passé, ebenso wie die schwere muffige Luft in dem Raum.

Weil noch nicht alles an seinem Platz steht, ist das wissenschaftliche Arbeiten in der Präsenzbibliothek mit Einschränkung möglich. Dennoch zeige sich schon jetzt eine steigende Nutzung ab. Nach dem Umzug sei die Öffnungszeit von zwei auf vier Stunden in der Woche erhöht worden. Der Vorstand spielt nun mit dem Gedanken, zusätzlich samstags zu öffnen. Das Interesse könnte steigen, wenn im Bereich der Stadtbibliothek in einer Vitrine Exponate der Gesellschaft zu sehen sind. Wann der Schaukasten kommt, weiß Seidenschwann nicht. Es sei eine Sonderanfertigung, der Bibliothek, sagt er.

Mit den Schaustücken und Vorträgen hofft der Vorstand, stärker den interessieren Laien zu gewinnen und auch so einer Überalterung im Verein entgegen zu wirken. In den Referaten werden aktuelle Themen wie Klimawandel facettenreich zur Sprache gebracht oder „Extrembotaniker“ Jürgen Feder demonstriert in einer Form von Infotainment, dass etwa die Vegetation in Ritzen von Gehwegplatten so spannend seien kann wie die grüne Höhle des Dschungels. Auch wenn der sperrige Name der Gesellschaft anderes suggeriert, ein geschlossener Zirkel etwa mit Professoren der Botanik will man nicht sein. Schon vor einen Jahren habe der Verein begonnen, sich in Schulen zu engagieren, etwa mit beim Wettbewerb „Jugend forscht“.

Die Wetterauische Gesellschaft existiert aus dem Ehrenamt heraus. Das traf auch für den Umzug zu. Mit Konsequenzen: Mit Wissen um den Ortswechsel wurden vor Jahren schon der restaurierte alte und wertvolle Bibliothekbestand eingeschweißt auf der Palette gelassen. Nun wird alles einsortiert und katalogisiert, nicht auf einmal. Auch die Modernisierung kommt stückweise. Die Kartei aus Pappkarten soll bald ausgedient haben. „Rund 2000 Titel sind bereits digital erfasst.“ Anders als einst besitzt der Verein nun eingeschränkte Schlüsselgewalt über seine Räume. Die ehrenamtlichen Früharbeiter müssten bis 10 Uhr warten, bis die Stadtbibliothek aufmacht.

Kein richtiges Ärgernis für Seidenschwann. Das sieht er jedoch beim Parken. „Die Ehrenamtlichen bekommen keinen Nachlass, wenn sie ihr Auto in der Forum-Garage abstellen“, sagt er. Bei vier Stunden im Ehrenamt kämen acht Euro Parkgebühren zusammen. Laut Seidenschwann lässt sich die städtische Parkhaus Gesellschaft in dieser Sache nicht erweichen.

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