Lange Wartezeiten machen dementen Patienten zu schaffen.
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Lange Wartezeiten machen dementen Patienten zu schaffen.

Ängstlich und verwirrt

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Alzheimer Gesellschaft fordert von Kliniken sensibleren Umgang mit dementen Patienten

Hans Burckhardts Frau war gestürzt. Schnell fuhr er mit ihr in die Klinik, doch in der Notaufnahme mussten sie lange warten. Mehrfach fragte der Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig: „Wann kommen wir dran?“ Er machte darauf aufmerksam, dass seine Frau an Demenz erkrankt sei und der Schmerz, das Warten und die ungewohnte Umgebung ihr besonders zu schaffen machten. Er spürte ihre Angst und Ungeduld. Als sie, nach zwei Stunden, drankamen, konnten keine Röntgenbilder gemacht werden. Burckhardts Frau war so nervös, dass sie nicht stillhalten konnte.

Die Begebenheit ist für die Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig einer von vielen Belegen dafür, dass Krankenhäuser nicht gut genug vorbereitet sind auf demente Patienten. Deshalb hat die Gesellschaft am Dienstag drei Forderungen gestellt, an die Pflegedienstleiterinnen des St. Vinzenz-Krankenhauses und der Main-Kinzig-Kliniken sowie an die anderen Krankenhäuser im Kreis: Die Abläufe in den Kliniken sollten besser auf die Bedürfnisse dementer Menschen abgestimmt werden. Für Angehörige sollte es einfacher werden, Demenzkranke im Krankenhaus zu begleiten. Und das Klinikpersonal sollte intensiver geschult werden im Umgang mit Betroffenen.

„Die Wartezeiten sind für demente Menschen eine Qual, deshalb sollten sie möglichst schnell untersucht werden“, sagt Wolfgang Kittel, 2. Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft. Angehörige sollten ohne großen Verwaltungsaufwand im Krankenhaus bleiben können, und zwar kostenlos. „Wir können Halt geben und den großen Bewegungsdrang der Betroffenen befriedigen“, sagt Kittel. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kilometer ich mit meiner Frau gelaufen bin während ihres letzten Klinikaufenthalts.“ Ärzte und Pfleger sollten lernen, sich besser mit dementen Menschen zu verständigen, sagt Burckhardt: „Sie können oft nicht mehr kommunizieren, was ihnen wehtut.“

Jutta Berg, Pflegechefin im St. Vinzenz-Krankenhaus, und ihre Kollegin von den Main-Kinzig-Kliniken, Elke Pfeiffer, verweisen auf Fortschritte. Berg erwähnt, dass ihr Krankenhaus seit Jahren eine Geriatrie habe und Untersuchungen Demenzkranker „gebündelt“ würden. Berg und Pfeiffer räumten aber ein, dass noch ein „langer Weg“ vor ihnen liege.

Folgende Schritte seien geplant: Das Vinzenz-Krankenhaus will Fachschwestern für Demenz ausbilden, mehr Mitarbeiter – vor allem Ärzte – zu Fortbildungen verpflichten und verstärkt mit interdisziplinären Teams arbeiten. Die Main-Kinzig-Kliniken denken über einen Anbau nach, der den Bedürfnissen dementer Menschen entspricht. Fachärzte aus verschiedenen Abteilungen sollen sie dort behandeln. Zudem soll es in den Kliniken Demenz-Spezialisten geben, die alle Stationen permanent unterstützen.

Die wohl größte Hürde sei das Geld: „Wir bekommen nur Fallpauschalen. Damit können wir Demenzkranken – für die wir mehr Personal brauchen – kaum gerecht werden“, sagt Pfeiffer. Die Krankenhaus-Finanzierung müsse dringend reformiert werden.

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