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Gut gerüstet für die Fahrt  nach Frankfurt: Der Eintracht-Fan-Club Bieber.
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Gut gerüstet für die Fahrt nach Frankfurt: Der Eintracht-Fan-Club Bieber.

Adler-Treue im Spessart

Bieber Fanclub hat seit 38 Jahren fast kein Heimspiel der Frankfurter Eintracht verpasst

Von Jonas Jordan

Hoffentlich gibt es ein Elfmeterschießen. Dann bekommen wir viel Fußball für unser Geld“, sagt Andreas Schäfer, seit 2004 Präsident des Eintracht-Fanclubs Bieber, kurz vor der Abfahrt zum Pokalspiel des Frankfurter Vereins gegen den 1. FC Kaiserslautern. Derweil laden kräftige Hände 20 Getränkekisten in die „goldene Gans“ ein, wie die Mitglieder das Gefährt nennen, das Busfahrer Toni seit Jahren regelmäßig nach Frankfurt steuert.

Schäfer schaut auf einige leere Sitze. „Die frühen Anstoßzeiten sind ein Problem, vor allem freitags. Dann ist der Bus zwar oft ausgebucht, aber viele sind erst bei der Rückfahrt dabei oder können gar nicht kommen.“ Diesmal dreht Fahrer Toni noch eine Ehrenrunde, um Nachzügler Ralf Schum einzusammeln.

In Wirtheim bringt Dominik Huth die „Soundmachine“ an Bord. Deutsche Schlager und Eintracht-Fanlieder dröhnen nun aus dem hinteren Teil des Busses. Die Stimmung steigt.

Die fünfköpfige Familie Geis aus Höchst ist seit Jahren bei fast jedem Spiel dabei. Nur Sohn Andreas ist heute beruflich verhindert. Vater Winfried ist Schatzmeister des ältesten Eintracht-Fanclubs der Welt und freut sich, dass es trotz des Abstiegs des Vereins keine Nachwuchsprobleme gibt: „Wir haben momentan rund 250 Mitglieder. Allein im vergangenen Jahr sind 20 hinzugekommen.“

Auf der Autobahn herrscht hinter Hanau kurz Verwirrung. Soll beim Tippspiel der Endstand nach 90 Minuten oder nach einem möglichen Elfmeterschießen prophezeit werden? Die Lösung ist gleich gefunden: Mit einem Elfmeterschießen muss gerechnet werden. Ingo Geier regt eine Tippdauerkarte an. Denn er setzt selbst in Spielen gegen Bayern München immer auf Sieg für die Eintracht. Der Bäckermeister hat schon so einiges im Fanclub miterlebt, auch die 800 Kilometer lange Auswärtsfahrt zum Uefa-Cup-Spiel nach Kopenhagen vor gut fünf Jahren. Damals, erzählt Geier, habe Kumpel Reiner Tasch sagenhafte 26 Rindswürste verzehrt und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Tasch ist so etwas wie der Außenminister des EFC Bieber. Er bereiste bereits rund 100 Länder und verteilte Souvenirs des Fanclubs an Dorfbewohner in aller Welt. Das Highlight seiner zahlreichen Reisen war der Besuch bei Eintrachts Stürmerlegende Anthony Yeboah in Ghana, von dem noch heute gerne im Bus gesprochen wird.

Klaus Rieth schwelgt derweil in Erinnerungen und erzählt von früheren Pokalerlebnissen wie dem legendären 3:1 im Pokalfinale 1981 – ebenfalls gegen den 1.FC Kaiserslautern. Rieth war zusammen mit Ehrenpräsident Peter Schulz einer der Gründer des Vereins. Schulz führte den Verein 31 Jahre lang und war in den 80er Jahren auch einmal als Teamkoordinator bei der Eintracht im Gespräch. Heute ist er Sprecher des Arbeitskreises aller Eintracht-Fanclubs im Main-Kinzig-Kreis.

Auf dem Parkplatz vorm Stadion gibt es keinen Grund zur Eile. In aller Ruhe trinken Präsident Andreas Schäfer und die anderen noch ein Bier. Beim EFC kostet die Flasche einen Euro. Im Stadion müsste man für einen halben Liter Bier happige 3,80 Euro berappen. Stolz erzählt Schäfer bei der Gelegenheit: „Wir sind durch unsere Tradition, die Bekanntheit und Aktivitäten zu einer festen Institution in der Gegend geworden.“ „Wir haben dieses Jahr insgesamt 60 Dauerkarten. Der Bus ist also bei jeder Fahrt ausgebucht. Einige Plätze haben wir aber auch immer für Kurzentschlossene frei.“

Nach dem Spiel wird deutlich, dass im Fanbus aus Bieber 50 potenzielle Eintracht-Trainer sitzen. Der eine meint Armin Veh habe taktische Fehler begangen, ein anderer will eklatante Abschlussschwächen erkannt haben und schließlich sind alle einig, dass der Sieg für die Gäste sehr glücklich war.

Auch der Präsident ist nicht sonderlich traurig, dass das Elfmeterschießen durch ein Tor der Lauterer in der 119. Minute knapp verpasst wurde. Denn ab Mitternacht feiert er seinen 32. Geburtstag. Der Pressewart stimmt über Mikro „Happy Birthday“ an, der Rest des Busses skandiert: „Du bist nur ein Party-Präsident.“ Das unterstreicht Schäfer grinsend und spendiert zwei Kästen Bier.

Während Fangesänge erklingen, plant Holger May schon die nächsten Fahrten: „Ich fahr auf jeden Fall nach Aue. Wenn jemand mitwill, ich hab noch Plätze frei.“ Für seinen Sitznachbarn hat er gleich noch einen Tipp parat: „Wenn dein Arbeitgeber dir nicht frei gibt, sagst du einfach, du hast einen Zahnarzttermin. Wichtig ist der Stempel im Bonusheft“, erklärt er scherzend. Am Sonntag fährt der Fanclub zum Spiel nach Ingolstadt. „In der Rückrunde wollen wir nach Paderborn. Denn wenn schon zweite Liga, dann richtig“, erläutert der Präsident.

Um ein Uhr nachts rollt der Bus endlich im 2000-Seelen-Ort Bieber ein. Der ganze Ort liegt im Dunkeln, nur in der Vereinskneipe Bieberer Stollen brennt noch Licht. Die meisten wollen nur noch nach Hause, einzig der Pressewart verkündet: „Jetzt trink ich noch zwei Apfelwein.“

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