Hanau

Ablassen von Tat mildert Strafe

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Das Landgericht Hanau verurteilt einen Mann nach einem Messerangriff auf seine Ex-Frau zu vier Jahren Gefängnis. Das Urteil nimmt der Angeklagte mit gesenktem Haupt auf.

Der 25 Jahre alte Angeklagte, der am 26. Juli vergangenen Jahres mit einem Küchenmesser auf seine geschiedene Frau eingestochen und dabei schwer verletzt hat, ist gestern von der ersten großen Strafkammer am Landgericht Hanau wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Damit lagen die Richter in ihrem Strafmaß deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die wegen versuchten Totschlags achteinhalb Jahre Haft aufrief. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze sagte anschließend auf Anfrage, dass offen sei, ob die Anklagebehörde in Revision gehe.

Das Urteil ist das Ergebnis einer nicht ganz einfachen Beziehung, sagte der vorsitzende Richter Peter Graßmück in der Begründung. Der Angeklagte und die zwei Jahre ältere Frau hatten sich 2008 bei der Arbeit in einer Behindertenwerkstatt in Langenselbold kennengelernt. Ein Jahr später wurde geheiratet, 2011 kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Wegen prekärer Verhältnisse gab das Jugendamt 2013 das Kind zu Pflegeeltern. Das Paar lebte in Hanau mit den Schwiegereltern in einer Kleinwohnung, zudem waren beide Eheleute ohne Arbeit. Graßmück bezeichnete die Lebenssituation des Paares als „kaum nachvollziehbar“. Auch deshalb, weil der Mann unter Verschwendungssucht leidet und deswegen ein Betreuer für ihn bestellt worden ist.

Mit dem Verlust der Tochter verließ die Frau die Wohnung und Ehe, letztere per Scheidung. Sie zog in eine Wohngemeinschaft und nahm eine Beziehung zu einem anderen Mann auf, was ihr am Abend des 26. Juli 2015 fast das Leben kostet hätte.

Sex verlangt

Der Angeklagte überraschte sie in der neuen Wohnung und verlangte Sex. Im Gegensatz zu früheren Treffen nach der Trennung verweigerte sich die Frau diesmal – auch mit Hinweis auf den anderen Mann. Daraufhin griff der Ex sie mit einem Messer aus der Küche der WG an und verletzte sie am Hals, Nacken und an der Brust. In einem Moment, indem der Mann das Messer verlor, floh die Frau.

Das Gericht geht von einem „freiwilligen Rücktritt“ des Täters aus. Der Mann sei der Frau, nachdem sie auf die Straße gelaufen war, nicht nachgesetzt, sondern sei nach Hause gegangen. Als strafmildernd bewertete das Gericht auch, dass der Mann mit seiner Entschuldigung und seinem Bedauern über die zugefügten Verletzungen ein Teilgeständnis und eine „gewisse Reue“ abgelegt habe. Zur Tat machte der Mann keine Angaben.

Die Geschädigte sei laut Graßmück an der „aufgeheizten Situation“ nicht ganz unbeteiligt. Per SMS über ihren Freund habe sie den Mann schon vorher provoziert. Die Psyche des Mannes sei durch den Tod des Vaters im Sommer 2014 auf dem Tiefpunkt gewesen, hinzu kam die Trennung. Der Angeklagte unternahm in dieser Zeit einen Suizidversuch. Wegen seiner leichten geistigen Einschränkung sei der Mann auch am Tatabend mit der Abweisung nicht einsichtig umgegangen.

Das Urteil nahm der Angeklagte mit gesenktem Haupt auf. Anfangs hatte er noch versucht, das Opfer mit Zwischenrufen einzuschüchtern. Zur Gefängnisstrafe kommt noch die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 10 000 Euro. Die Frau leidet noch heute psychisch an der Attacke.

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