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Abgeschleppt und verschrottet

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Matthias May kann es nicht fassen. "Die haben mein Auto abgeschleppt und samt Inhalt verschrottet. Werkzeuge, persönliche Dokumente, Teile einer Stereoanlage und Inline-Skater - alles weg." Der Frankfurter hatte seinen Wagen in Dörnigheim abgestellt. Was er offenbar übersehen hatte: Die Stadt Maintal hatte das Areal für Straßenbauarbeiten ausgewiesen. Das geparkte Auto ragte dabei zu weit in die Baustelle hinein. (Archivbild)
Matthias May kann es nicht fassen. "Die haben mein Auto abgeschleppt und samt Inhalt verschrottet. Werkzeuge, persönliche Dokumente, Teile einer Stereoanlage und Inline-Skater - alles weg." Der Frankfurter hatte seinen Wagen in Dörnigheim abgestellt. Was er offenbar übersehen hatte: Die Stadt Maintal hatte das Areal für Straßenbauarbeiten ausgewiesen. Das geparkte Auto ragte dabei zu weit in die Baustelle hinein. (Archivbild) © ddp

Es geht um 40 Zentimeter: So weit ragte das Auto von Matthias May in eine Baustelle. Die Stadt Maintal hat es abschleppen lassen und samt Inhalt verschrottet, weil der Halter eine Frist versäumt hat.

Von Nikolas Sohn

Matthias May kann es nicht fassen. "Die haben mein Auto abgeschleppt und samt Inhalt verschrottet. Werkzeuge, persönliche Dokumente, Teile einer Stereoanlage und Inline-Skater - alles weg."

Der Frankfurter hatte seinen Nissan Micra in Dörnigheim abgestellt. Was er offenbar übersehen hatte: Die Stadt Maintal hatte das Areal für Straßenbauarbeiten ausgewiesen. Das geparkte Auto ragte dabei ein Stück weit in die Baustelle hinein.

Ungefähr 40 Zentimeter, sagt Fahrzeughalter May. Die Ordnungsbehörde ließ den Kleinwagen daraufhin entfernen und auf den Hof des Maintaler Abschleppunternehmens ALC verfrachten.

Laut ADAC ist das teure Abschleppen nicht zwingend notwendig. In Fällen, bei denen ein Auto weniger als einen halben Meter in die Verbotszone hineinragt, genüge es, den Wagen ein Stück zu versetzen, heißt es auf der ADAC-Internetseite. Danach gelte der Grundsatz: "Verbotswidrig abgestellte Kraftfahrzeuge dürfen grundsätzlich nur soweit weggezogen werden, wie es unbedingt notwendig ist."

Vier Tage Frist zur Begleichung der Abschleppkosten

Zehn Tage, nachdem er den Wagen an der Baustelle geparkt hatte, erhielt May Post von der Stadt. Die ließ ihn wissen, dass sein Micra nun abgeschleppt sei. Vier Tage habe er Zeit, seinen Wagen abzuholen und 170 Euro Abschleppkosten sowie die Lagergebühren zu bezahlen. Das Schreiben wies nachdrücklich auf mögliche Konsequenzen hin, wenn er die Frist nicht einhalte: Falls ein Gutachter den Wert unter 500 Euro schätze, werde das Fahrzeug zur "Verschrottung freigegeben".

May bat Stadt und Abschlepper um Aufschub. Er sei arbeitslos und müsse den Betrag erst auftreiben. Etwa drei Wochen noch stand das Fahrzeug bei der Firma ALC. Dann beauftragte die Stadt ein lokales Autohaus, den Marktwert des Wagens zu ermitteln.

Am 31. August wurde der Wagen für schrottreif erklärt. Matthias May ist darüber entsetzt. "Der Nissan hatte noch 18 Monate TÜV und war fahrbereit. Wie kann der Restwert dann Null sein? Und warum wurde ein Autohaus beauftragt und kein Gutachter?", kritisiert er die Behörde.

Laut Kaja Benthele von den Hanauer ADAC-Partnern "Nickel Rechtsanwälte" ist die Verschrottungsaktion der Stadt grundsätzlich möglich. "Für einen Fahrzeughalter ist es immer nachteilig, wenn er Fristen nicht einhält", erklärt die Rechtsanwältin. "Reagiert der Betroffene rechtzeitig, kann er die Entsorgung verhindern. Aber auch die Behörde muss die Verhältnismäßigkeit ihrer Schritte überprüfen, ehe sie die teure Rechnung präsentiert."

Die Stadt Maintal wollte sich auf Anfrage der Frankfurter Rundschau nicht näher äußern. Nur so viel sagte der Pressesprecher: "Die Verschrottung war rechtens." Rund 20 Autos werden nach Angaben von ALC- Chef Thomas Reich jährlich in Maintal auf diese Weise "verwertet".

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