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Bleibt in Hessen: Abdulraham Alabsi hat bei der Firma Heraeus einen Ausbildungsplatz bekommen.

Hanau

Abdulraham Alabsi verwirklicht seinen Traum

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Der junge Syrer hat zielstrebig auf seine Lehrstelle hingearbeitet - und überzeugt mit seinen Deutschkenntnissen und hoher Motivation.

Für Abdulraham Alabsi geht am 1. September zumindest ein kleiner ein Traum in Erfüllung. Der Syrer beginnt eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker beim Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus. Alabsis Bestreben zu lernen, rasch einen Beruf zu haben und sein gutes Deutsch nach nur zwei Jahren Aufenthalt überzeugten das Hanauer Unternehmen. Der 22-Jährige wurde zudem von dem Projekt „Bleib in Hessen“ gefördert.

Im Jahr 2011 war für Alabsi die Schule in Aleppo wegen des Bürgerkriegs vorerst zu Ende. „Nach zwei Jahren zu Hause musste ich etwas machen“, erzählt er. Er kaufte Bücher, um sich alleine auf die Abitursprüfung vorzubereiten, die er 2014 bestand. Danach schrieb er sich an der Universität in Aleppo für Maschinenbau ein. „Aber nach einem Monat an der Uni verschlechterte sich die Situation in der Stadt.“ 

Alabsi floh in die Türkei, arbeitete dort, um Geld für den Weg nach Deutschland zu verdienen. Nach sieben Tagen zu Fuß und per Mitfahrgelegenheit über Griechenland erreichte er im September 2015 sein Ziel. Letztlich endete seine Flucht in Hanau, in der Sammelunterkunft Sportsfield Housing. Nach acht Monaten war sein Asylbegehren anerkannt. Auch eine eigene kleine Wohnung hat er mittlerweile. 

Den Weg in die Normalität zu finden, war schwierig. „Ich wusste, was ich wollte, aber nicht das Wie“, sagt Alabsi. Im „Socialoffice“ der Sammelunterkunft kam er in Kontakt mit „Bleib in Hessen“, das mit vielen Mitspielern wie dem Internationalen Bund vernetzt ist, um Flüchtlinge auf das Leben hier vorzubereiten, etwa bei der Beglaubigung von Zeugnissen oder mit Deutschkursen. „Die Nachhaltigkeit unserer Arbeit ist wichtig, um die Bildungsabbrecherquote geringzuhalten“, sagt Projektkoordinatorin Nkechi Madubuko. 

Diese Auffassung vertritt auch Heraeus-Ausbildungsleiterin Karin Saar. Beim „Refugee Day“ des Unternehmens seien Alabsi und einige andere Flüchtlinge besonders positiv aufgefallen, erzählt sie. „Sie zeigten sich sehr wissbegierig, sprachen fließend Englisch und überzeugten mit einem hohen Bildungslevel.“ Aus Alabsis Anfrage wegen einer Lehre wurde zunächst ein dreiwöchiges Praktikum. „Wir haben schon ein bisschen Erfahrung und wissen, worauf wir uns einlassen.“

Die duale Ausbildung stelle andere, hohe Anforderungen. Daher gibt es bei Heraeus etwa für Azubis aus anderen Ländern anfangs einen Vertrag zur einjährigen Einstiegsqualifizierung. Das sei eine Formalie, damit beide Seiten eine längere Kündigungsfrist haben, die Ausbildungsinhalte seien davon unberührt. In einem firmeninternen Deutschkurs, den auch Azubis mit Migrationshintergrund besuchen, wird Alabsi seinen fachlichen Wortschatz vergrößern. Sechs Geflüchtete hat Heraeus aktuell in Ausbildung, bereits zwei Ausgelernte wurden übernommen. 

Saar sieht es als Vorteil an, dass Menschen aus verschiedenen Nationen in der Ausbildungswerkstatt lernen. „Das tut den Geflüchteten und auch den hiesigen Auszubildenden gut und fördert die soziale Kompetenz.“ 

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