Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dieses Storchenpaar brütete im Mai am Ortsrand von Hanau-Mittelbuchen.
+
Dieses Storchenpaar brütete im Mai am Ortsrand von Hanau-Mittelbuchen.

Main-Kinzig

„2013 noch einmal übertroffen“

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
    schließen

Klaus Eichenauer von der Hgon spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die große Storchenpopulation im Main-Kinzig-Kreis.

Herr Eichenauer, in diesem Sommer waren auf den Auen viele Störche zu sehen. War 2014 ein gutes Jahr für den Weißstorch im Main-Kinzig-Kreis?
Ja, zweifelsohne. Mit 41 Brutpaaren und über 80 Jungvögel wurde das Ergebnis von 2013 noch einmal übertroffen. Und das war mit 32 Paaren und 52 Jungen schon das beste seit über 50 Jahren. Vergessen sollte man nicht, dass der Weißstorch vor 15 Jahren in Hessen gar nicht mehr brütete.

Wie erklärt sich der Erfolg?
Ein Hauptgrund sind die angebotenen Brutmöglichkeiten durch aufgestellte Masten mit entsprechenden Nestunterlagen. Die Initiative hierzu ging im Jahr 1999 von unserem HGON-Mitglied Werner Peter aus. Damit wurden erst Brutplätze geschaffen, die der Storch gut angenommen hat.

Ohne diese künstlichen Kinderstuben geht es nicht?
Früher baute der Storch gern sein Nest auf einem kalten Schlot oder auf dem Dach einer Scheune. Beides ist kaum noch vorhanden. Alte Scheunen und viele landwirtschaftliche Gebäude existieren nicht mehr oder wurden mittlerweile zu Wohnhäuser umgebaut.

Ist damit das Nahrungsangebot nicht so entscheidend?
Das kann man nicht klar mit einem Ja beantworten. Der Weißstorch ist ein Allesfresser, daher ist es für ihn nicht schwierig, sich in der Ernährung umzustellen. Die hiesigen Störche haben etwa gelernt, dass auch Nacktschnecken gut schmecken. Die Nahrungssituation im Kinzigtal ist sicherlich nicht überall optimal, aber doch ausreichend.

Braucht der Storch nicht einen Frosch auf dem Speiseplan?
Nein, nicht unbedingt.

Macht die Landwirtschaft Adebar das Leben schwer?
Sicherlich ist die Agrarwirtschaft über die Jahre immer weiter optimiert worden. Aber der Storch hält sich eigentlich nicht auf dem Acker auf. Für ihn sind Wiesen – insbesondere Feuchtwiesen – wichtig, um Nahrung zu finden. Solange die Landwirte diese etwa als Weide- oder Mahdfläche erhalten, gibt es eigentlich keine Konkurrenz. Nach dem Mähen kommen die Vögel oft zu mehreren, weil Insekten nun leicht aufgepickt werden können. Störche laufen sogar unmittelbar der Mähmaschine nach.

Die Landwirte stört das nicht?
Einige scheint es schon zu stören, dass der Weißstorch im Kinzigtal wieder so zahlreich präsent ist. So behauptete jüngst ein Rodenbacher Landwirt, dass die vielen Störche die ganzen Regenwürmer, die doch den Boden auflockern, wegfressen…

Droht denn im Kinzigtal eine Überpopulation wegen der künstlichen Bruthilfen?
Nein. Überpopulation gibt es in der Natur generell nicht. Wären in einer Region zu viele Weißstörche, würde sich das Nahrungsangebot verknappen. Das hat zur Folge, dass die Geburtenrate sinkt. Auch die Witterung spielt eine große Rolle. Nicht immer ist der Frühling so mild, wie er in diesem Jahr war. Es gab Jahre, in denen vielen Jungtiere an einer nassen und kühlen Witterung in Mai und Juni zugrunde gingen.

Gibt es auch noch andere Einflüsse auf den Bestand?
Natürliche Feinde hat der Storch hierzulande keine. Es ist eher der Freizeitdruck auf Naturflächen, die den Vögel zu schaffen macht. Freilaufende Hunde bis hin zu ferngesteuerten Modellflugzeugen, die hier schon Brutverluste verursachten.

Wo gibt es im Kreisgebiet die meisten Störche?
Der Schwerpunkt liegt im westlichen also unteren Kinzigtal. In das östliche Gebiet zieht es mittlerweile auch einige Brutpaare.

Warum diese Verteilung?
Im Westkreis ist das Kinzigtal aufgeweitet und großräumiger, eben mehr Wiesen. Der Storch mag große Auenflächen wie sie etwa bei Erlensee oder Rodenbach vorkommen.

Für die Störche im Kinzigtal endet bald der Sommer. Wann beginnt der Flug in den Süden?
Das Sammeln zum Abflug ist bereits im Gang. Die Vögel treffen sich an bestimmten Plätzen, wie in der Nidderaue und bilden eine Gruppe. Nicht alle Tiere fliegen dann nach Afrika. Einige überwintern etwa in Spanien, wenn sie dort genug Nahrung finden. In Ausnahmefällen bleiben Störche auch hier.

Ein Anzeichen, dass sich das Klima verändert hat?
Wenn ein Storch nicht mitreist, liegt das eher am fehlenden Zugtrieb.

Wie hoch ist die Quote der Rückkehrer im nächsten Frühling?
Bei den Altvögeln ist die Chance relativ hoch, dass sie wiederkommen. Jungvögel, die meist erst im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif werden, kommen danach erst wieder zurück. Diese Erstansiedler können sich aber auch einen neuen Ort weit entfernt von ihrem alten Brutplatz suchen.

Interview: Detlef Sundermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare