Main-Kinzig

Gemeinsam gegen Streckenpläne der Bahn

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Vier Kommunen beklagen, dass ihnen durch die neue Bahnstrecke zwischen Hanau und Fulda massive Nachteile entstünden. Die Bahn weist die Vorwürfe zurück.

Die Kommunen Bad Soden-Salmünster, Schlüchtern, Steinau (Main-Kinzig-Kreis) und Kalbach (Landkreis Fulda) haben sich zusammengeschlossen, um Einfluss auf die Pläne der Deutschen Bahn für die Ausbau- und Neubaustrecke Hanau–Fulda/Würzburg zu nehmen. Sie übten am Mittwoch scharfe Kritik am Raumordnungsverfahren und vor allem an der Trassenvariante IV, die von der Bahn favorisiert wird.

Die Variante verläuft durch das Kinzigtal und die Orte. Diese beklagen, dass die Trasse sie vor gravierende Probleme stellen würde, und stützen sich auf ein Gutachten des Verkehrs- und Umweltmanagementbüros Regio Consult, das sie in Auftrag gaben. Demnach habe die Bahn etwa die stark nachgefragten Neubaugebiete in den Kommunen und die Zeitpläne dafür nicht berücksichtigt. Variante IV und die Arbeiten dafür würden, so der Vorwurf, die Siedlungsentwicklung teilweise länger als 15 Jahre blockieren und damit in die kommunale Planungshoheit eingreifen. Die Lärmbelastung sei nicht richtig ermittelt worden, teilweise verlaufe die Trasse durch Hochwasser- und Überschwemmungsbereiche. Auch ehemalige Mülldeponien und Altlasten habe die Bahn bei der aktuell bevorzugten Variante außer Acht gelassen.

Die Betroffenen haben eine Stellungnahme bei der Anhörungsbehörde eingereicht, dem Regierungspräsidium Darmstadt. Es solle dafür sorgen, dass die Bahn die Mängel in den Plänen beseitigt und diese neu auslegt oder das Verfahren beendet. Die Gutachter von Regio Consult kommen zu dem Ergebnis, dass Variante VII, die westlich von Wächtersbach am Rand des Vogelsbergs entlangführt, „aus Raumordnungs- und Umweltsicht“ besser wäre, aber ebenfalls erhebliche Mängel aufweise.

Das Projekt

Die Bahnstrecke zwischen Hanau und Gelnhausen wird viergleisig aus-, jene zwischen Gelnhausen und dem Raum Fulda neu gebaut. Für letztere favorisiert die Bahn eine Trassenvariante durch das Kinzigtal, nicht weit weg von der bestehenden Strecke.

Weitere Informationen gibt es auf www.hanau-wuerzburg-fulda.de.

Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) monierte bei Variante IV besonders die großen Brücken, deren Bau seiner Stadt schaden würde. Die Kommunen würden sich gegen den „Riesen“ Bahn wehren und einen langen Atem haben. Bad Soden-Salmünsters Rathauschef Dominik Brasch (parteilos) betonte, nicht grundsätzlich gegen das Projekt zu sein, allerdings seien die drohenden Missstände nicht hinnehmbar.

Bis auf Steinau, das noch keinen parlamentarischen Beschluss hat und sich daher noch nicht festlegen will, lehnen alle Kommunen aus der Allianz Variante IV ab. Auch gegen Variante VII gibt es Bedenken, dafür wird für eine Kombination aus den Varianten V und VII plädiert. Letztere führt von Gelnhausen nach Norden, am Vogelsberg entlang.

Wulf Hahn von Regio Consult warf der Bahn mangelnde Gewissenhaftigkeit und Neutralität bei der Bewertung der Varianten vor. Er habe es noch nicht erlebt, dass nach einem so langen Verlauf derart „defizitäre Unterlagen“ eingereicht worden seien. Möller forderte, die Bahn sollte das mit „Milliardenkosten“ und „großen Hürden“ verbundene Projekt grundsätzlich infrage stellen. In zehn Jahren werde es viel weniger Pendler geben, auch weil viele Menschen dann – wie jetzt in der Corona-Krise – von zu Hause aus arbeiten würden.

Die Bahn hatte Vorwürfe, auch jenen der Nachlässigkeit, bereits zurückgewiesen. Sie gehe gewissenhaft, objektiv und transparent vor. Variante IV sei „nach Abwägung aller Vor- und Nachteile der untersuchten Streckenvarianten“ derzeit die beste Lösung. Sie habe vergleichsweise geringe Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, schneide auch verkehrlich und wirtschaftlich am besten ab. Jetzt sei das RP mit seiner Prüfung am Zug, wobei einige Konflikte noch im weiteren Verfahren gelöst werden könnten.

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