Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hausmüll und gewerbliche Abfälle, die von einem Kipplaster abgeladen werden, planiert eine Raupe auf der Mülldeponie von Flörsheim-Wicker bei Frankfurt (Archivfoto vom 31.05.2005).
+
Hausmüll und gewerbliche Abfälle, die von einem Kipplaster abgeladen werden, planiert eine Raupe auf der Mülldeponie von Flörsheim-Wicker bei Frankfurt (Archivfoto vom 31.05.2005).

Deponien in Hessen

Main-Kinzig: Deponiegas besser nutzen

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
    schließen

Mit einer Potenzialstudie will der Main-Kinzig-Kreis die klimaschützende Verwendung von Methan aufzeigen.

Kühe und Mülldeponien haben äußerlich keine Gemeinsamkeiten, innerlich jedoch sehr wohl. Beide produzieren in Mengen Methan; das ist bis zu 30 Mal ein stärkerer Klimakiller, als Kohlenstoffdioxid. Während in der Welt landwirtschaftliche Viehhaltung und Reisanbau die Spitzenemittenten von Methan sein sollen, steht Deponiegas im Ranking auf Platz sechs. Mit einer Potenzialanalyse will der Main-Kinzig-Kreis nach technischen Möglichkeiten suchen lassen, wie das CH4 der vier Altdeponien umweltfreundlich und nutzbringend verwertet werden kann. Gut 172 000 Euro kostet das Gutachten, mit dem der Kreis an der Nationalen Klimainitiative teilnimmt und deshalb 60 Prozent des Geldes erstattet bekommt.

Mit der Initiative soll die Deponieausgasung bundesweit bis 2030 von neun auf fünf Millionen Tonnen im Jahr reduziert werden. In die Untersuchung einbezogen werden die Althalden Bruchköbel, Neuberg-Rüdigheim, Gelnhausen-Hailer und Schlüchtern-Hohenzell. Die Deponien wurden mit Ausnahme der bei Hailer über 13 bis 17 Jahre bis in die 1980er Jahre mit Hausmüll, Bauschutt und Erdaushub verfüllt. Hailer war nicht nur die größte Halde im Kreis, sondern wurde nach 25 Jahren erst 2005 geschlossen. Allein dort sollen laut Eigenbetrieb Abfallwirtschaft unter abdichtenden Folien und Erdschichten 1,5 Millionen Tonnen Restmüll als potenzielle Ewigkeitslast liegen.

In den vier Halden herrscht reges mikrobes Leben, begünstigt durch Bakterien und organische Stoffen. „In Summe entstehen rund 1,4 Millionen Kubikmeter Deponiegas im Jahr, davon gehen etwa eine Millionen Kubikmeter zu Lasten von Hailer“, sagt Betriebsleiter Simon U. Goerge. In Hailer und Hohenzell wird das Deponiegas, das überwiegend aus Methan und Kohlenstoffdioxid besteht, in Gasverwertungsanlagen verbrannt, die Energie für den Deponieunterhalt liefern. In Bruchköbel und Rüdigheim wird das Gas über Hochtemperaturfackeln, die zugleich Giftstoffe verbrennen, kontrolliert - aber nutzlos - abgelassen. Das Gas in der Deponie zu belassen, ist nicht nur klimatechnisch problematisch, das mussten die Frankfurter in den 70er Jahren mit ihrem 47 Meter hohen „Monte Scherbelino“ bitterlich erfahren. Es setzte den Nutzern des dort eingerichteten Ferienparks übel zu.

Die Ergebnisse der Potenzialstudie, die im Mai beginnen soll, sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Laut Goerge geht es um Ist-Situation und Gasprognose, um über die Installation von Gaserfassungsanlagen oder -verwertungstechnik entscheiden zu können. Ein Müllberg gärt in den ersten zehn, 20 Jahren unter seiner Abdeckung zunehmend, danach nimmt die Methanproduktion ab. Um wie viel und über welchen Zeitraum, das häng von mehreren Faktoren ab. Die Studie soll auch zeigen, ob eine in-situ-Stabilisierung (in situ lateinisch für „am Ort“) für die Deponien taugt, bei dem mit Bewässerung und Belüftung des Haldeninneren die Nachsorgephase verkürzt werden kann.

Das kostet Geld, kann jedoch laut Goerge dennoch günstiger kommen. „Theoretisch kann die Nachsorgephase bei Hausmülldeponien 30 bis 200 Jahre dauern“, so Goerge. Die in dieser Zeit entstehenden Kosten tragen, wie derzeit auch, die Bürger. Setzt der Kreis hingegen eines der klimaschützenden Projekte um, die die Analyse als Option bietet, ist zudem mit finanzieller Förderung des Bundesumweltministeriums zu rechnen, so Goerge.

Die Vision, dass nach der Nachsorge aus den Deponien etwa ein Freizeitgelände entsteht, verwirft Goerge. Die Zeichen stünden eher auf Installation von Photovoltaikfeldern, wie es in Bruchköbel und Rüdigheim bereits der Fall ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare