Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Lola (Mitte) und ihre wilde Bande von den Young Lions Frankfurt.
+
Lola (Mitte) und ihre wilde Bande von den Young Lions Frankfurt.

Eishockey Frankfurt

Mädchen am Puck

  • Timo Reuter
    VonTimo Reuter
    schließen

Allein unter Jungs: Die achtjährige Lola spielt Eishockey in Nachwuchsmannschaften der Frankfurter Löwen und beißt sich durch.

Allein unter Jungs: Die achtjährige Lola spielt Eishockey in Nachwuchsmannschaften der Frankfurter Löwen und beißt sich durch.

Wenn Lola den Puck erst mal am Schläger hat, gibt sie ihn so schnell nicht wieder her. Sie führt die kleine Hartgummischeibe um vier rote Hütchen herum, bewegt sich Richtung Tor. Die Achtjährige täuscht kurz links an und versenkt den Puck unhaltbar in der rechten Ecke. Wenn ihr ganzer Körper mit diesen Bewegungen mitschwingt, erinnert Lola ein wenig an Lionel Messi: klein, wendig, trickreich. Allerdings spielt Lola nicht Fußball, sondern Eishockey bei den Frankfurter Löwen – als einziges Mädchen in einer Mannschaft mit lauter Jungs. „Wenn die mich wegdrängen wollen, trickse ich sie aus und lasse sie ins Leere laufen“, sagt das Mädchen aus Oberrad nicht ganz ohne Stolz. Allerdings checkt Lola auch ganz gern mal selbst die Jungs weg: „Wenn ich das in der Schule aus Spaß mache, bekomme ich gleich Ärger. Hier darf man das.“

Auch wenn Eishockey ein robuster und schneller Mannschaftssport ist, betont die Betreuerin der Eishockey-Löwen Christine Werner, dass „die Verletzungsgefahr geringer als beim Fußball“ sei: „Richtige Bodychecks sind erst bei den älteren Jugendlichen erlaubt, und alle tragen Schutzkleidung und einen Helm.“

Je jünger, je besser

Gerade bei den Torhütern, die beim Eishockey Goalies heißen, sieht diese Bekleidung aus wie ein Raumanzug – und ist wirklich gut gepolstert. Die Ausrüstung samt Schlittschuhen kostet neu mehrere hundert Euro. Anfänger können sie sich bei den Löwen zunächst ausleihen oder gebraucht kaufen. Um Eishockey zu spielen, müsse man anfänglich nur „sehr gut Schlittschuh laufen“, sagt Werner: „Aber das kann man bei uns in der Laufschule lernen. Umso früher, desto besser.“ Der Jugendwart der Löwen, Ralf Gockel-Hopmeier, sagt, das beste Einstiegsalter sei zwischen vier und sieben Jahren: „Ein späterer Einstieg für Kinder ab neun wird erheblich schwieriger.“

Lola spielt bereits seit über drei Jahren bei den Löwen. Damals sei sie mit ihrer Mutter bei den Großeltern in Peking gewesen, erzählt Ning Liang, Lolas Vater, der seine Tochter voller Stolz durch die vor Kälte beschlagenen Plastikbanden beim Training beobachtet. „Dann hat Lola dort eine Eisfläche entdeckt, wo auch Eishockey gespielt wurde. Sie wollte sofort mitmachen.“ Das Spiel mit dem Puck habe Lola so gut gefallen, dass ihre Familie sie schließlich bei den Löwen anmeldete. „Inzwischen begleiten wir sie auch zu Auswärtsspielen, das ist ein Spaß für die ganze Familie“, berichtet der Papa.

Rund viermal pro Woche steht Lola auf dem Eis, besser gesagt: Sie gleitet elegant über selbiges. Das hat sich ausgezahlt: Außer in ihrer Altersklasse bei den Kleinstschülern darf sie inzwischen auch bei den bis zu drei Jahre älteren Kleinschülern mitmachen.

Fußball kann doch jeder

Dort spielt auch David. Er ist elf, Kapitän der Mannschaft und etwa zwei Köpfe größer als Lola. Seit sechs Jahren spielt er Eishockey. „Fußball kann doch jeder“, sagt er: „Außerdem kann man sich beim Eishockey richtig austoben.“ Ernsthaft verletzt habe er sich noch nie. David hat einen Traum: „In der nordamerikanischen NHL, der besten Liga der Welt, spielen.“ Auch Lola möchte hoch hinaus, dann aber „doch eher in einer Damenmannschaft“, sagt sie.

Davon gibt es in Hessen allerdings nur zwei, die Ice Cats in Kassel und der ESC aus Darmstadt. Reine Mädchenmannschaften gibt es keine. Das führe dazu, „dass es insgesamt wenige Eishockeyspielerinnen gibt“, bilanziert Lolas Trainerin, Maren Valenti: „Nicht jedes Mädchen ist so mutig, in einer Mannschaft voller Jungs zu spielen. Da müssen sie sich noch mehr durchbeißen. Aber das klappt schon.“

Sie selbst ist dafür der beste Beweis: Die heute 36-Jährige war mit einem Kurzeinsatz die erste Frau in der höchsten deutschen Spielklasse DEL. Außerdem absolvierte sie in der zweiten Liga 24 Spiele für die Männermannschaft des EHC Freiburg. Auch bei den Damen feierte sie Erfolge: Mit der Nationalmannschaft nahm sie an mehreren Weltmeisterschaften und an den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City teil.

Bis dahin ist es für Lola, David und die anderen knapp 200 Nachwuchsspieler in den verschiedenen Jugendmannschaften der Löwen – darunter aktuell acht Mädchen – noch ein weiter Weg. Ob Olympia oder nicht, Lola findet: „Eishockey macht einfach richtig Spaß, auch für Mädchen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare