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Luxushotels haben es in Frankfurt schwer

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Von: Oliver Teutsch

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Das Luxushotel Villa Kennedy schließt Ende März. Christoph Boeckheler
Das Luxushotel Villa Kennedy schließt Ende März. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Der gehobenen Hotellerie fehlen vor allem Geschäftsreisende und internationale Gäste. Aushängeschilder schließen oder haben noch zu.

Es sind zwei schmerzliche Abschiede, die Frankfurts Hotellandschaft zu verkraften hat: Nach dem Traditionshaus Hessischer Hof schließt mit der Villa Kennedy ein weiteres Luxushotel. Für die Branche sei das „kein gutes Signal“, sagt Kerstin Junghans vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Frankfurt und ergänzt: „Das macht die Sache für alle Beteiligten mental nicht besser“. Denn die Krise sei noch nicht vorbei und Frankfurt davon besonders betroffen. Die Hotellerie in der Finanz- und Messestadt lebt laut Junghans zu 70 Prozent von Businessgästen und Geschäftsreisenden.

Die Villa Kennedy mag für den Aufenthalt von Stars und Sternchen bekannt gewesen sein, war aber auch als Tagungs- und Kongresshotel sehr gefragt, wie die städtische Tourismus- und Congress GmbH (TCF) verrät. Zudem sind Luxushotels mehr als die sonstige Hotellerie auf internationalen Tourismus angewiesen und der bleibt nach wie vor größtenteils aus, wie Zahlen der TCF belegen. Verglichen mit einer durchschnittlichen Bettenauslastung im Luxusbereich von 53,5 Prozent 2019 mit knapp 60 Prozent Anteil aus dem Ausland sank die Auslastung von Januar bis November 2021 auf durchschnittliche 19,5 Prozent und einem Anteil aus dem Ausland von 44,9 Prozent.

Die Frage, ob Frankfurt mittelfristig die Luxushotels ausgehen, kann TCF-Sprecherin Sabine Gnau jedoch „klar verneinen“. Die Anzahl der Luxushotels ist zwar gesunken und den Verlust des „Aushängeschilds“ Villa Kennedy bedauert die TCF sehr, doch schon bis Anfang 2024 sollen vier neue Luxushotels in der Stadt eröffnen, zwei davon allein im Großbauprojekt „Four“ in der Junghofstraße. Zwei Luxushotels in der Stadt verschwinden, zwei andere haben schon seit geraumer Zeit geschlossen. Große Eile mit der Wiedereröffnung haben angesichts der Geschäftslage weder das Westin Grand in der Konrad-Adenauer-Straße noch das Interconti in der Wilhelm-Leuschner-Straße.

Immerhin soll das Westin Grand in diesem Sommer als „Well-being-Hotel“ mit Fokus auf gesunden Schlaf und Essen nach langer Renovierung wieder aufmachen, wie die FR auf Anfrage erfuhr. Beim Interconti wird es noch länger dauern, denn das Bauprojekt umfasst auch eine deutliche Erweiterung um Büros und Wohnungen. Eine Wiedereröffnung des Hotels am Mainufer sei in etwa zwei Jahren geplant, hieß es auf FR-Anfrage.

Noch länger dauern wird vermutlich auch die Krise in der Hotellerie, befürchtet Kerstin Junghans: „Da kommt noch eine schwierige Phase auf uns zu.“ Keiner könne bislang pandemie-technisch sagen, was der Herbst bringe. „Kongresse plant man mindestens ein Jahr im Voraus“, verdeutlicht Junghans die schwierige Buchungssituation für die Tagungs- und Luxushotels.

Ein weiteres, neues Luxushotel hat indes noch gar nicht geöffnet: Das chinesische Diaoyutai Mansion an der ehemaligen Rennbahn liegt von der Bauzeit her mittlerweile zwischen Berliner Flughafen und Kölner Dom. Die Geschäfte dort hat laut TCF der Insolvenzverwalter übernommen. „Die Zukunft der Immobilie ist ungewiss und es ist fraglich, ob dieses Haus jemals als Hotelbetrieb geführt wird“, so TCF-Sprecherin Gnau. Besonders günstig ist die Zeit gerade ohnehin nicht für Hotels, die auf Gäste aus China warten.

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