1. Startseite
  2. Rhein-Main

Luther to go

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Groth

Kommentare

Klaus Neumeier ist seit 26 Jahren Pfarrer in der Christuskirchengemeinde.
Klaus Neumeier ist seit 26 Jahren Pfarrer in der Christuskirchengemeinde. © Monika Müller

Die Christuskirchengemeinde in Bad Vilbel vermittelt Glauben auf moderne Weise. Das stellt sie im Reformationsjahr 2017 abermals unter Beweis.

Die Evangelische Christuskirchengemeinde in Bad Vilbel ist bekannt dafür, moderne Wege zu gehen. Sonntags spielt eine Band im Gottesdienst. In der Reihe „Kirche anders“ werden seit über 20 Jahren gesellschaftliche Trends und Glaubensfragen thematisiert, bisweilen auf eine provokante Weise. Es gibt einen digitalen Adventskalender. Der Jugendgottesdienst findet schon mal in der Kläranlage statt. In der prämierten bunten Gemeindezeitung „Zack“ werben Bad Vilbeler Firmen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Im Zentrum stehe die „Verkündigung der frohen Botschaft von Christus“, sagt Klaus Neumeier. „In welcher Form wir das machen, da sind wir völlig frei.“ Neumeier ist seit 26 Jahren Pfarrer in der Christuskirchengemeinde, die sich im Stadtzentrum befindet und mit etwa 4300 Mitgliedern die größte der sieben evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt ist. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist Neumeier wichtig. „Wir wollen mittendrin sein in der Gesellschaft“, sagt er.

Das zeigt sich 2017 noch stärker als sonst. Denn es ist Lutherjahr. Vor 500 Jahren begann die Reformation in Deutschland. „Mitten rein gehen in die Gesellschaft, das hätte Luther heute genauso gemacht“, sagt Neumeier. Zum Jubiläum will er die Gesellschaft aber auch in die Kirche holen. Dafür hat die Gemeinde eine neue Gesprächsreihe auf die Beine gestellt. Bei „Talk unterm Turm“ diskutieren hochkarätige Gäste über Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.

Zum Auftakt im Februar kommt unter anderem der frühere Leiter der ARD-Börsenredaktion Frank Lehmann nach Bad Vilbel. Dann soll es laut Neumeier zum Beispiel um das Thema ethische Geldanlage gehen. Im Zusammenhang mit dem Ablasshandel spielte Geld bei Luther eine wichtige Rolle. Der Reformator habe in seinen Thesen dafür plädiert, das Geld armen Menschen zu geben, sagt Neumeier. Im April kommt ESA-Generaldirektor Jan Wörner zu „Talk unterm Turm“, im September die einstige First Lady Bettina Wulf. Sollte die neue Veranstaltungsreihe gut ankommen, könne er sich vorstellen, sie fortzusetzen, sagt Neumeier.

Rüstzeug, um sich im Jahr des Reformators zurechtzufinden, will der Theologe am 12. Februar bei „Kirche anders“ vermitteln. Kompakt und verständlich werde es dann alles Wichtige zu Luther geben, „Luther to go“ sozusagen. Die unschönen Seiten des Kirchenvaters wie sein Antisemitismus werde er dabei nicht verschweigen, so Neumeier. „Wir stellen Luther auf kein Denkmal.“

Kürzlich hat die Christuskirchengemeinde gemeinsam mit den anderen evangelischen Gemeinden in Bad Vilbel gar eine Zeitung zum Reformationsjahr herausgegeben. Sie enthält neben allgemeinen Informationen zur Reformation und zu Luther sämtliche Termine zum Jubiläum, darunter das Pop-Oratorium „Luther“, das die Christuskirchengemeinde mit Chören, Orchester, Band und Darstellern zur Aufführung bringt.

Es sei nicht zuletzt diese Gemeindearbeit, wegen der auch erwachsene Menschen in der Bad Vilbeler Kernstadt wieder in die evangelische Kirche einträten, so Neumeier. Dennoch nehme die Zahl der Gemeindemitglieder seit Jahren kontinuierlich leicht ab. Ein Trend, den die Sprecherin des Evangelischen Dekanats Wetterau, Annegret Rach, für das gesamte Dekanat mit seinen 61 Kirchengemeinden bestätigen kann.

„Wer als Kind nicht in die kirchliche Welt hineinwächst, tut sich als Erwachsener schwer“, sagt Rach. Doch die Eintritte in die Vilbeler Christuskirchengemeinde zeigen: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Auch interessant

Kommentare