+
So könnte das Rechenzentrum am Goethering im Offenbacher Nordend aussehen (Entwurf).

EVOin Offenbach

Lukratives Geschäft mit Daten

  • schließen

Der lokale Energieversorger EVO plant ein eigenes Rechenzentrum am Goethering in Offenbach.

Der Konkurrenzdruck auf dem Strommarkt macht dem Offenbacher Energieversorger EVO, der etwa zur Hälfte in kommunaler Hand ist, zu schaffen. Zwar konnte der Konzern im letzten Geschäftsjahr mit 5,5 Millionen Euro etwas mehr Geld an die Stadt ausschütten als im Vorjahr, doch davor waren Jahresüberschuss und Ausschüttungen stetig geschrumpft. Dass der Pfeil in der Bilanz derzeit wieder leicht nach oben zeigt, liegt auch daran, dass die EVO über 30 Beteiligungen hält – etwa an der Firma „mobiheat“, die mobile Kälte- und Wärmeerzeugungsanlagen liefert und damit über die Grenzen Deutschlands hinaus Erfolg hat.

Nun erschließt sich die EVO ein weiteres Geschäftsfeld: Das Unternehmen steigt in das boomende Geschäft der Rechenzentren ein. Geplant ist, ein solches „Server-Hotel“ auf einem derzeit brachliegenden Grundstück an der Ecke Goethering / Bettinastraße zwischen Kaiserlei-Quartier und Nordend zu errichten. Die EVO hat dafür mit der „MAIN DC Offenbach GmbH“ ein eigenes Tochterunternehmen gegründet. Um von vorhandenem Wissen zu profitieren, ist die neue Firma als Joint Venture konzipiert. Mit im Boot ist zum einen mit 40-prozentiger Beteiligung die Firma Etix, die weltweit – etwa in Ghana oder Island – Rechenzentren betreibt. Und zum anderen die Data Center Group, die Planung und Bau des Gebäudes übernimmt und zehn Prozent der neuen Offenbacher Firma hält. 120 Millionen Euro soll der nach bisheriger Planung optisch eher schlicht gehaltene Neubau kosten.

Weil immer größere Datenströme um die Erde wandern, wächst auch der Bedarf für Rechenzentren: Man denke nur an Videostreaming, an die Auslagerung von Daten in Clouds oder an die Digitalisierung von Industrieprozessen. „Die Nachfrage nach IT-Kapazitäten im Rhein-Main-Gebiet wächst nach wie vor sehr stark“, begründet EVO-Vorstand Christoph Meier, warum sein Unternehmen in das Geschäft mit den Daten einsteigt. Auf 8000 Quadratmetern soll in dem neuen Rechenzentrum Platz sein für die Hochleistungsrechner von Internetprovidern, Banken oder auch mittelständischen Unternehmen, die hier Flächen anmieten können. Die EVO sorgt für stete Stromzufuhr, denn Strom braucht ein Rechenzentrum reichlich. Die direkte Anbindung an ein Umspannwerk sei ein klarer Vorteil, sagt der Geschäftsführer des künftigen teilkommunalen Rechenzentrums, Robert Stoffers.

Die gute Stromversorgung war auch einer der Gründe, warum das Frankfurter Unternehmen Maincubes vor rund einem Jahr auf einem ehemaligen EVO-Grundstück nebenan ein Rechenzentrum mit etwa 4200 Quadratmetern Lagerfläche eröffnet hat. Als weiterer Standortfaktor wurde damals wie heute die Nähe zum weltweit größten Internetknoten an der Hanauer Landstraße – bis dahin sind es Luftlinie nur 800 Meter – genannt. Und das Geschäft laufe gut: Laut Antje Tauchmann von Maincubes sind rund 80 Prozent des Gebäudes vermietet. Nur für „kleinere Kunden“ sei noch Platz. Man wolle deshalb noch ein Rechenzentrum bauen – wo, steht noch nicht fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare