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Lüfter statt Lüften soll den Unterricht in Hessens Schulen sicher machen

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Um Corona-Infektionen im Klassenzimmer vorzubeugen, setzt Hessen auch auf moderne Technik. Die aber könnte schwierig zu bekommen sein.

Zehn Millionen Euro stellt die Landesregierung für die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten in Schulen zur Verfügung. Doch die Sache hat einen Haken.

Saubere Luft im Klassenraum scheint eine wichtige Voraussetzung dafür zu sein, Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden. Lange hat das Kultusministerium darauf gesetzt, dass regelmäßig gelüftet wird, um die gefährlichen Aerosole gering zu halten. Doch manche Fenster lassen sich gar nicht oder nur wenig öffnen, andernorts lärmt es auf der Straße derart, dass Lehren und Lernen bei geöffneten Fenstern unmöglich scheint, zudem unterbricht das Lüften ständig den Unterricht. Und dann wird es auch noch immer kälter draußen.

Luftreiniger sollen Abhilfe schaffen; immer mehr Lehrkräfte und Eltern fordern deren Anschaffung. Tatsächlich sollen die Geräte helfen, wie Studien belegen. Und nun gibt es auch das Geld dafür, zumindest für die dringendsten Fälle. Es sind vor allem zwei Systeme, die wirkungsvoll zu sein scheinen. Die Stadt Hanau setzt dabei auf die Technik des Herstellers Heraeus-Noblelight. Der Ableger des Hanauer Traditionsunternehmens Heraeus produziert Geräte, die mit UV-Licht Viren abtöten.

Eine Studie der Universität Tübingen belegt deren Wirksamkeit. Die sogenannten UV-C-Geräte können demnach 99,99 Prozent der Coronaviren unschädlich machen. Das genügt, um die Übertragung durch die Luft zu verhindern. Sie sollen von November an in städtischen Bussen Hanaus zum Einsatz kommen. Die Lüfter mit dem wirksamen Licht werden nach Angaben der Stadt auch in Fahrzeuge der Feuerwehr und des Ordnungsamtes eingebaut, um diese bei Schichtwechsel oder dem Transport anderer Personen zu desinfizieren. In großem Maßstab ist die Technik in den Flughäfen von Singapur und Schanghai im Einsatz.

Wann die Technik aber in Schulen oder Kindertagesstätten und Turnhallen eingesetzt werden kann, ist ungewiss. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Geräte, die einen flächendeckenden, standardisierten Einsatz der Technologie in Hanau ermöglichen“, räumt Noblelight-Geschäftsführer Martin Ackermann ein.

Andere Lüfter, die gute Dienste zu leisten scheinen, sind mit sehr effizienten Hepa-Filtern ausgestattet. Ein Team der Frankfurter Goethe-Universität unter der Leitung von Joachim Curtius hatte deren Wirksamkeit an der Wiesbadener Leibnizschule getestet, mit guten Ergebnissen. Die handelsüblichen Geräte eines namhaften Herstellers senkten die Aerosol-Belastung im Klassenraum innerhalb einer halben Stunde um mehr als 90 Prozent.

Schulleiter Rainer Guss sucht nun nach Wegen, sie für seine Schule anzuschaffen. „Die Geräte waren leise, haben den Unterricht nicht gestört“, berichtet er. Zwanzig der 56 Klassenzimmer möchte er damit ausstatten, weil diese schlecht zu lüften sind. Insgesamt kostet das gut 16 000 Euro. Die einzelnen Geräte, von denen jeweils drei aufgestellt werden sollen, kosten rund 270 Euro, es gibt auch Modelle für knapp die Hälfte. Das Geld werde er wohl auftreiben können, ist Guss sicher. „Doch wenn nun alle welche wollen, wird es nicht genug auf dem Markt geben“, ist er überzeugt.

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