Lübcke-Prozess

Ermittlungen gegen Anwalt

Erfundene Aussagen im Lübcke-Prozess. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen den Dresdner Rechtsanwalt Frank Hannig.

Gegen den früheren Verteidiger des Hauptangeklagten im Lübcke-Prozess, den Dresdner Rechtsanwalt Frank Hannig, wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Man ermittele wegen des Anfangsverdachts auf Anstiftung zur falschen Verdächtigung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel am Dienstag der Frankfurter Rundschau.

Hannig hatte den mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), Stephan Ernst, im Strafprozess vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verteidigt, bis er Ende Juli von dem Verfahren abberufen wurde. Sein Mandant Ernst hatte die Entpflichtung seines Verteidigers zuvor beantragt, weil das Vertrauen in Hannig wegen nicht abgesprochener Beweisanträge zerrüttet sei.

Ernst hatte im Ermittlungsverfahren und vor Gericht unterschiedliche Angaben zum Ablauf des Mordes an Lübcke gemacht. Nachdem er die Tat zunächst gestanden hatte, hatte er seine Aussage später widerrufen und seinen Freund Markus H., der in dem Verfahren wegen Beihilfe angeklagt ist, beschuldigt, Lübcke erschossen zu haben. Vor Gericht hatte Ernst dann angegeben, diese zweite Tatversion habe sein Anwalt Hannig erfunden. Er habe Markus H. zu einer Aussage provozieren wollen. Dass Ernsts zweite Tatversion auf Hannig zurückgehe, hatten weitere Zeugen vor Gericht bestätigt.

Alfred Dierlamm, der Rechtsanwalt von Frank Hannig, sagte der FR, Hannig selbst werde sich derzeit nicht äußern. „Wir haben uns bereits mit der Staatsanwaltschaft Kassel in Verbindung gesetzt und unsere Kooperation bei der Sachverhaltsaufklärung angeboten“, so Dierlamm.

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