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Verteidiger Ashraf Abouzeid spricht für den Angeklagten vor Gericht, der lieber schweigt.
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Verteidiger Ashraf Abouzeid spricht für den Angeklagten vor Gericht, der lieber schweigt.

Prozess

Lübcke-Mord: Mutmaßlicher Waffenhändler beteuert Unschuld

  • VonJoachim F. Tornau
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In Paderborn steht der Mann vor Gericht, der Stephan Ernst die Waffe für den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke verkauft haben soll.

Auf dem Tresen der ehemaligen Dorfgaststätte stand eine Holzfigur mit Hitlerbärtchen, die den rechten Arm nach oben reckte. An den Wänden hingen Fotos von Wehrmachtssoldaten und SS-Männern. Und den Schuppen schmückte eine große Reichskriegsflagge. Als „rechts-konservativ“ beschrieb sich Elmar J., als die Polizei im Juni 2019 sein Haus im ostwestfälischen Natzungen durchsuchte.

Drei Wochen zuvor war der CDU-Politiker und Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke von dem Neonazi Stephan Ernst erschossen worden. In seinem Geständnis verriet der Attentäter den Namen von Elmar J. Von ihm, sagte er und wiederholte es später auch im Mordprozess vor dem Frankfurter Oberlandesgericht, habe er die Tatwaffe gekauft. Einen Revolver der Marke „Rossi“, für 1100 Euro. Seit Mittwoch muss sich der langjährige Trödelhändler und heutige Rentner deshalb vor dem Landgericht in Paderborn verantworten.

Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf legt dem 66-Jährigen neben Verstößen gegen das Waffengesetz allerdings nur fahrlässige Tötung zur Last. Für eine direkte Beihilfe zum Mord verging zwischen dem mutmaßlichen Waffenkauf und der Tat zu viel Zeit. Rund drei Jahre sollen es gewesen sein.

Doch nach dem Prozessauftakt steht auch infrage, ob dem Angeklagten überhaupt etwas wird nachgewiesen werden können – außer dem Besitz von insgesamt 106 scharfen Patronen, die bei der Durchsuchung gefunden worden waren. Ansonsten aber, sagte Verteidiger Ashraf Abouzeid, sei sein Mandant unschuldig. Zwar sei es durchaus zu „Verkaufshandlungen“ gekommen. Aber ein Rossi-Revolver? Definitiv nicht.

Um das zu widerlegen, hat die Anklage nicht viel in der Hand. Da sind die belastenden Angaben des Lübcke-Mörders, die er, anders als vieles andere, was er im Laufe der Ermittlungen und danach im Mordprozess kundtat, nie revidierte. In Paderborn wird er sie trotzdem nicht wiederholen: Weil seine Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen Mordes noch nicht rechtskräftig ist, will Ernst von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.

Zweifelhafter Zeuge

Und da ist eine Geschichte, die ein Freund und Mieter von Elmar J. erzählt: Nach der Festnahme von Stephan Ernst habe ihm der Angeklagte gesagt, dass er diesem Mann mal eine Kleinkaliberwaffe verkauft habe, eine Vier-Millimeter. Und: wie bescheuert man sein müsse, jemandem damit zu erschießen. „Dafür nimmt man doch eine 45er.“

Das Kaliber der Mordwaffe war mit .38 weder das eine noch das andere. Vor allem aber dürfte sich auf diesen sehr speziellen Zeugen wenig stützen lassen. Der Mann, ein weißhaariger Zausel mit langen Haaren und Rauschebart, der einmal bei den berüchtigten „Hells Angels“ gewesen sein will, sich jetzt aber Tempelritter nennt, konnte am Mittwoch nicht einmal sein Alter korrekt angeben. Dafür redete er freimütig über seine Abneigung gegen die Polizei, über Fernsehteams, die er „zur Hölle“ gejagt habe, oder über sein Schwert: „Damit könnte ich schon jemandem den Kopf wegmachen.“

Dass sein Vermieter irgendetwas mit der rechten Szene zu tun haben könnte, bestritt er. Das hatte auch Elmar J. selbst getan, als er, wie sich eine Kripo-Beamtin erinnerte, bei seiner polizeilichen Vernehmung „ohne Punkt und Komma“ drauflosgeredet habe. Nicht aufgrund einer geteilten Gesinnung sei er mit Stephan Ernst, den er im Übrigen lediglich als „Peter aus Kassel“ gekannt habe, in Kontakt gekommen, sagte er damals. Sondern weil dieser Peter vielleicht sein Haus in Natzungen habe kaufen wollen.

Vor Gericht überließ der Rentner das Reden ganz seinem Anwalt. Der bescheinigte ihm diplomatisch „eine gewisse Affinität zum ‚Dritten Reich‘“, wollte darin aber nicht viel mehr sehen als ein Zeichen der Anhänglichkeit zum Vater, einem einstigen Panzersoldaten der Wehrmacht. Warum sein Mandant dann eine seiner bloß vier „Gefällt mir“-Angaben bei Facebook ausgerechnet der NPD Sachsen spendiert hat, sagte der Verteidiger nicht.

Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

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