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Offenbach

Die Mieten in Offenbach bröckeln

Toplagen wie im Westend sind weiterhin stark gefragtDie Mieten auf dem Offenbacher Wohnungsmarkt sind leicht gesunken. Vor allem einfachere Wohnungen sind zunehmend schwer zu vermieten. Toplagen wie im Westend oder auf der Rosenhöhe sind dagegen gefragt. Dort fallen die Mieten bis zu 30 Prozent höher aus als im restlichen Stadtgebiet.

Von FLORIAN BRÜCKNER

Offenbach · 22. Juli · Immobilienmakler und Hausverwalter haben zurzeit nur wenig Freude am Offenbacher Wohnungsmarkt. "Das Vermietungsgeschäft wird zunehmend schwieriger, oft ist nur noch etwas über Preisnachlässe zu machen", sagt etwa Rainer Heimann, Geschäftsführer der Heimann Rainer Immobilien. Teilweise würden Wohnungen schon mal ein paar Monate leer stehen. Sein Kollege Dietmar Noé, Geschäftsführer vom gleichnamigen Immobilien-Vertrieb, gibt ihm Recht: "Generell sind die Mieten rückläufig." Das gelte ganz besonders für einfacher ausgestattete Wohnungen oder solche, die sich nicht in den besseren Wohngegenden befänden.

Die Toplagen sind in Offenbach vor allem im Westend, auf der Rosenhöhe und in den äußeren Stadtteilen wie etwa Rumpenheim zu finden. Auch das südlich des Klinikums liegende Musikerviertel rund um Beethoven- und Schubertstraße ist bei Mietern gefragt. "Dort liegen die Mieten bis zu 25 Prozent höher als in den übrigen Wohngegenden", sagt Noé. Warum das so ist? Im Westend sind es nach Auskunft vieler Makler gut sanierte Altbauten mit viel Grün vor der Haustür und die Nähe zur Innenstadt, die die Preise hochtreiben. "Die Rosenhöhe hingegen bietet eine kleinteilige, weitläufige Bebauung, die ebenfalls sehr begehrt ist", sagt Wolfgang Kauth, Gutachter bei der Frankfurter Niederlassung der Immobilienberatungsgesellschaft HVB Expertise. Wobei die Beliebtheit der einzelnen Wohnviertel stark zielgruppenabhängig sei. Während junge Menschen gerne in Trendviertel zögen und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr schätzten, hätten dagegen junge Familien ganz andere Prioritäten.

Die bevorzugen Einfamilien- oder Reihenhäuser und ziehen deswegen in Stadtteile wie Rumpenheim-Süd. "Dieser Trend hält ungebrochen an", bestätigt Rainer Heimann. Allerdings ist das Häuschen im Grünen nicht der einzige Grund, warum vor allem deutsche Familien der Innenstadt den Rücken kehren.

"Eine große Rolle spielt auch der hohe Anteil an Migranten an den Kindergärten und Schulen in der City, weil viele deutsche Eltern der Ansicht sind, dass ihre Kinder dort nicht ausreichend gefördert werden", sagt Stephan Halling, Leiter des Frankfurter Büros von HVB Expertise. Das treffe sogar auf tolerante und gebildete Eltern zu.

Wobei dieses Verhalten keineswegs Offenbach-spezifisch sei. Auch in Frankfurt zögen viele junge Familien in andere Stadtteile, wenn sie dort bessere Bildungschancen für ihre Kinder vermuteten.

Aber nicht nur Familien meiden wegen des hohen Ausländeranteils die Offenbacher Innenstadt als Wohnlage. "Es gibt bei manchen Deutschen einfach erhebliche Vorurteile gegenüber einer überwiegend ausländischen Nachbarschaft", sagt Kai Lewens, Geschäftsführer der gleichnamigen Immobiliengesellschaft Auffälligerweise hätten viele der besseren Wohnlagen auch einen relativ niedrigen Ausländeranteil.

Hoffnungsvolle Tendenzen

Wobei der nicht der einzige Grund ist, warum etwa im Nordend und in der Innenstadt die Mieten niedriger sind als in anderen Wohnlagen. "In beiden Stadtteilen gibt es große Hochhaussiedlungen, wie etwa den Mainpark, die sich negativ auswirken", sagt Kai Lewens. Auch wenn es gut renovierte Altbauten gebe, seien die nicht selten umgeben von weniger gut erhaltenen Häusern. Das drücke den Mietpreis. Auch die dichte Bebauung und Mischung aus Wohn- und Gewerbegebäuden komme bei vielen Mietern nicht gut an. Dennoch haben die Immobilienexperten auch hoffnungsvolle Tendenzen für den Mietmarkt ausgemacht. "Gerade für Menschen, die von außerhalb etwa wegen eines Jobs ins Rhein-Main Gebiet kommen, ist Offenbach wegen der günstigen Preise interessant", sagt Rico Kehrer, Geschäftsführer von Kehrer Immobilien Management. Da zeichne sich ein Trend ab.

Auch die Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) täten dem Wohnungsmarkt gut. Sie würden Wohnungs- und Bürogemeinschaften in der Innenstadt gründen. "Und durch den Neubau des Amtsgerichts verzeichnen wir in der Kaiserstraße eine steigende Nachfrage nach Wohnungen", sagt Kehrer. Eines spielt nach Auskunft vieler Makler bei der Wahl der Wohngegend übrigens keine Rolle: der Fluglärm.

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