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Ein ausgefüllter Lottoschein (Symbolbild).

Staatliches Lotto

Internet-Lotterien bereiten Sorgen

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Die hessische Landesregierung schlägt Alarm, weil immer mehr Lottospieler ihr Glück nicht beim staatlichen Hessen-Lotto suchen.

Stattdessen nutzten sie immer häufiger Angebote von gewerblichen Anbietern im Internet und Wettbüros. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) sagte am Montag in Wiesbaden, die Tätigkeit dieser Unternehmen sei „illegal“. Die Bundesländer müssten endlich gemeinsam dagegen vorgehen.

Schäfer griff in diesem Zusammenhang den Fußball-Rekordmeister Bayern München und andere Vereine an, die für Wettanbieter wie Tipico werben. Das sei „schlicht Beihilfe zum Rechtsbruch“, urteilte der Minister. In Deutschland gilt ein staatliches Wettmonopol. Es soll dazu dienen, dass Spielsucht bekämpft wird.

Zudem profitieren gemeinnützige Verbände in Sport, Kultur, Denkmalschutz und Umweltschutz von den Erträgen der staatlichen Lotteriegesellschaft. Im vergangenen Jahr wurden 127 Millionen Euro dafür ausgeschüttet. Der Geschäftsführer von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann, nannte das einen „schönen Unternehmenszweck“.

Aus Sicht von ihm und Minister Schäfer herrschen aber ungleiche Wettbewerbsbedingungen, weil die Wettfirmen keine solchen Abgaben zahlen müssen. Die hessische Landesregierung wirbt daher für eine Regulierung, die Lizenzen nur für private Wettanbieter erteilt, die im gleichen Maße wie die staatlichen Konkurrenten Steuern und Abgaben zu zahlen haben. Eine Regelung ist nur möglich, wenn sich die Bundesländer verständigen.

Das ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen. Jetzt aber werde es dramatisch, warnte Schäfer. Die Umsatzrückgänge fielen in anderen Ländern teilweise noch drastischer aus als in Hessen. Das Lotteriemonopol werde „zur Lebenslüge des deutschen Föderalismus“, wenn die Länder nicht schnell handelten, sagte der Minister.

Bundesweit sind die Einsätze für das klassische Lotto 6 aus 49 innerhalb von gut 15 Jahren um fast zwei Milliarden Euro auf noch 3,7 Milliarden Euro eingebrochen. Hessen-Lotto steht im Vergleich relativ gut da. Jeder Einwohner und jede Einwohnerin setzte im vorigen Jahr im Schnitt fast 50 Euro für Lotto und gut 100 Euro für alle staatlichen Lotterieangebote ein, also einschließlich Spiel 77, Super 6, Eurojackpot, Glücksspirale, Rubbellosen und anderem. Hessinnen und Hessen sind damit deutlich spielfreudiger als der Rest der Republik. Auf Platz zwei folgt Schleswig-Holstein mit 89,50 Euro. Im Schnitt geben die Deutschen 85,80 Euro im Jahr für das staatliche Glücksspiel aus.

Insgesamt gewannen die Spielerinnen und Spieler in Hessen knapp 290 Millionen Euro. Neun Millionengewinne gingen nach Hessen, darunter ein 18-Millionen-Gewinn im Eurojackpot in den Kreis Groß-Gerau. Um deutlich kleinere Beträge geht es bei der vor zwei Jahren eingeführten Umweltlotterie Genau. Für sie verbuchte Hessen-Lotto im Jahr 2017 Einsätze von knapp 2,9 Millionen Euro. Jede Woche gehen dabei 5000 Euro an ein Umweltprojekt. Sundermann setzt darauf, dass diese Lotterie immer bekannter wird. „Da kommt immer mehr Leben hinein“, versicherte er.

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