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Kultusminister in Hessen gibt Lehrkräften Tipps

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Der Kultusminister gibt Lehrkräften Tipps an die Hand, wie Grundwerte erlernt werden können.

Lehrkräfte sollen Schülerinnen und Schülern Grundwerte wie Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vermitteln. Dieser Auftrag sei angesichts der gesellschaftlichen Veränderung dringlicher geworden, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden.

Sein Ministerium beobachtet „populistische Anfeindungen von links und rechts, plumpe Vereinfachungstendenzen in den sozialen Netzwerken oder antisemitische Äußerungen auf dem Schulhof“. Daher müssten die Werte des Grundgesetzes „aufs Neue vermittelt und verteidigt“ werden.

Den Lehrerinnen und Lehrern soll dabei eine neue Handreichung dienen, die der Minister am Donnerstag vorstellte. Sie wurde von dem Bonner Politikdidaktiker Tilman Mayer gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Irene Horn und Julia Reuschenbach verfasst.

Darin finden sich Tipps, auf welche Weise Lehrkräfte Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Extremismus und Gewalt, Zivilcourage und Engagement behandeln können. Weitere Themenblöcke befassen sich mit sozialer Gerechtigkeit, mit Homophobie und Rechtspopulismus. Auch Fragen, wie Wahlen funktionieren und welche weiteren Formen der Bürgerbeteiligung es gibt, werden beleuchtet.

Die gut 120 Seiten dicke Broschüre befasst sich aber auch mit Beispielen aus der Schulpraxis. Was tun Lehrkräfte, wenn rassistische oder antisemitische Äußerungen fallen? Wie sollen sie reagieren, wenn Fälle von Diskriminierung und Mobbing bekannt werden? Und wie gehen sie damit um, wenn Schülerinnen und Schüler die Teilnahme am Sexualkunde- oder Schwimmunterricht verweigern?

Die Handreichung widmet sich auch der Frage, wie mit Schülerinnen umzugehen wäre, die vollverschleiert in den Unterricht kommen. „Ansprache der Eltern“ und „Unterrichtsverweis“ werden als zwei Mittel genannt, dazu werden eine Reihe möglicher Unterrichtsmaterialien zum Thema aufgelistet.

„Einüben“ empfohlen

Das Werk richte sich an Lehrkräfte aller Schultypen und Fächer, sagte Professor Mayer. Er betonte, es gehe nicht nur ums Lernen, sondern ums „Einüben“ demokratischer Verhaltensweisen. „Eine praktische Demokratieerziehung zielt immer darauf ab, dass sich die demokratische Kultur auch anwenden lässt“, heißt es in der Handreichung.

Auf die Frage, ob die Schülerbewegung „Fridays for Future“, die sich für Klimaschutz einsetzt, im Unterricht entsprechend aufgegriffen werden solle, sagte Mayer, hier zeigten Schülerinnen und Schüler „Mitverantwortung“. Den jungen Leuten gebühre daher Respekt, so wie ihn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gezollt habe. Die Frage, warum die Bewegung nicht außerhalb der Schulzeit auf die Straße gehe, werde von anderen gestellt, „die ein bisschen kleinlicher denken“, mahnte der Professor.

Minister Lorz hatte darauf hingewiesen, dass Bußgelder gegen demonstrierende Schülerinnen und Schüler oder deren Eltern möglich seien. Dem widersprach der Landesschülerrat.

Landesschulsprecher Johannes Strehler nannte solche Strafen „unverhältnismäßig“, da sich mögliche Sanktionen gegen den verfassungsrechtlich verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag richteten. Dieser habe zum Ziel, die Mündigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der jungen Menschen auszubilden.

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