Handgemenge mit Text

Sachsenhausen Die Autorengruppe Plan B schreibt, liest und diskutiert

Von MELANIE LUKE

Manchmal weiß die rechte Hand nicht, was die linke macht. Oder soll es nicht wissen. Dann muss man sie aus dem Weg räumen. Am besten vergiften. Walter Jauernich hält das für die sicherste Methode, um sich seiner rechten Hand zu entledigen.

Natürlich nicht wirklich. Aber mit solchen Überlegungen plagt sich der Ich-Erzähler in einem Text von Jauernich. Der Schauspieler und Werbetext-Sprecher ist eine Hälfte des Gründerduos der Autorengruppe "Plan B". Die andere Hälfte ist der Pädagoge Peter Kapp. Die beiden haben sich über das Hessische Literaturforum kennen gelernt. Dort wurden sie sich schnell einig, etwas eigenes auf die Beine stellen zu wollen. Vor rund drei Jahren riefen sie dann "Plan B" ins Leben.

"Wir sind eine Mini-Version der legendären Gruppe 47", übertreibt Kapp, vor sechs Jahren von Freiburg nach Frankfurt übergesiedelt, ein wenig. Geschrieben haben die beiden seit ihrer Kindheit. Kapps Schwerpunkt ist die Lyrik, Jauernichs Prosa und Theaterstücke. Zur Zeit bilden sechs Autoren den Stamm von "Plan B".

Einmal im Monat treffen sie sich, um ihre Texte zu diskutieren. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, denn der Autorengruppe geht es vor allem um eine interessante und tiefergehende Diskussionskultur. Kritik, Anregungen und die Meinung der Anderen zum eigenen Text sind ihnen wichtig. Denn Jauernich und Kapp verfassen ihre Texte nicht als Hobby. "Wir leben für die Literatur, aber wir würden gern auch von ihr leben können", formuliert Kapp ihre Ambitionen. Alle in der Gruppe haben Schreiberfahrung, haben den ein oder anderen fertigen Roman oder ein Bühnenstück in der Schublade liegen. Etwas zu veröffentlichen, einen Verlag zu finden, sei nicht leicht. Vor allem, wenn die Texte etwas unkonventioneller oder sperriger seien.

Aber so verschieden die literarischen Produktionen und die Persönlichkeiten innerhalb der Gruppe sind, eines ist ihnen allen gemein: "Wir sind alle in der Lage, einen guten Text zu erkennen", sagt Jauernich.

Aber was ist ein guter Text? Der 1958 in Frankfurt geborene Jauernich, der vor seiner Ausbildung zum Werbetexter Geschichte und Philosophie studierte, muss schmunzeln. Sofort steckt man mit ihm, Kapp und der dritten Person am Kaffeetisch, der freien Journalistin Petra Knobel, mitten in der schönsten Diskussion. "Eine Geschichte ist dann zu Ende, wenn sie zu Ende erzählt ist", sagt Jauernich mit seiner angenehmen und ruhigen Stimme. Und der Inhalt müsse sich im Schriftbild widerspiegeln. Er erzählt, wie seine "Fingerübungen", spielerisches Wort- und Sprachtraining, zuweilen zu einem runden Text werden, der in sich funktioniert. Intuition spielt dabei genauso eine Rolle wie Experimentierfreude.

Das zeigt sich auch in der Art, wie sich "Plan B" seine Lesungen vorstellt. Sie wollen keine langweiligen "Wasserglas-Lesungen", wie sie schon Loriot aufs Korn genommen hat, sondern "eine innovativere Form der Präsentation". Jauernich stellt seine Texte gerne mal mit dem ganzen Körper dar. Wenn er beispielsweise sich seiner rechten Hand entledigen will und dies vor der linken zu verheimlichen sucht. Mit Poetry-Slam hat das allerdings keine Ähnlichkeit. "Die Texte stehen bei uns immer im Mittelpunkt", versichert Jauernich.

Die Lesung "Aufgeschraubt, reingeschaut" der Autorengruppe Plan B

findet am Sonntag, 10. Mai, 12 Uhr,

in der Bücherei St. Bonifatius, Holbeinstraße 70, statt. Der Eintritt ist frei.

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