Thomas Kronenberg vom Caricatura-Museum kuratiert die Ausstellung.
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Thomas Kronenberg vom Caricatura-Museum kuratiert die Ausstellung.

Ausstellung in Hanau

Der stille Held der Hochkomik

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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F. W. Bernstein ist eine Ikone unter den deutschen Zeichnern und Karikaturisten. In Hanau sind 200 Arbeiten von ihm zu sehen.

Ein Huhn visiert eine gemütliche Couch an, doch da liegt schon ein großes Ei. „Aber ich war zuerst da!“, lautet der Text.

Schauplatz Wien: Mit einer Mappe unterm Arm huscht Hitler an zwei Kunstkennern vorbei. Die sagen: „Wir hätten diesen Schlawiner nie in unsere Kunstakademie aufnehmen dürfen …“

Und der große, umringte und bedrängte Märchenerzähler hat genug. Er fällt aus der Rolle: „Märchen – Märchen – Märchen! Warum geht ihr nicht Videos glotzen wie andere Kinder!“

Nur drei von etwa 200 Werken von Fritz Weigle, alias F. W. Bernstein, die ab dem 15. März im Historischen Museum Schloss Philippsruhe zu sehen sind. Darunter Porträts, Postkarten und Cartoons. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Hanauer Museum und dem Caricatura-Museum Frankfurt. Der Anlass: Der Zeichner und Lyriker, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte, erhält den mit 2500 Euro dotierten Ludwig-Emil-Grimm-Preis der Stadt. Dieser wird zu Ehren des „Malerbruders“ von Jacob und Wilhelm Grimm verliehen. Wegen eines Sturzes kann Bernstein nicht zur Verleihung kommen, eine befreundete Künstlerin nimmt die Auszeichnung entgegen.

Es habe eine Reihe von Vorschlägen für den Preis gegeben, erzählt Martin Hoppe, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur. Als der Name des Mitglieds der Neuen Frankfurter Schule gefallen sei, sei sich die Jury sofort einig gewesen.

F. W. Bernstein verfüge über einen einzigartigen, subtilen Humor, sei bescheiden und selbstironisch, ein stiller Held der Hochkomik. Und nicht zuletzt der „Größtmeister des Zweizeilers“, wie es der Satiriker Eckhard Henscheid formulierte. Was besonders in dem legendären Satz „Die Kritiker der Elche waren früher selber welche“ deutlich wird. Thomas Kronenberg vom Caricatura-Museum nennt eine weitere Besonderheit: Bernstein hat nach einem Kunststudium eine „doppelte Karriere“ hingelegt, als Satiriker bei den Magazinen „Pardon“ und „Titanic“, aber auch als Lehrer und später als weltweit einziger Professor für Karikatur und Bildgeschichte. Vielleicht auch deshalb hat der gebürtige Göppinger Talente intensiv gefördert.

Bernstein ist ein Vielzeichner, der unterschiedlichste Unterlagen nutzt, auch Briefumschläge sowie Postkarten, von denen er täglich mehrere zeichnet. Und Strandmatten. Einige der darauf gemalten Porträts werden auch in Hanau zu sehen sein. Die Exponate stammen größtenteils aus dem Caricatura-Museum und aus der Sammlung des Künstlers.

Die Zeichnungen sind unfassbar facettenreich, wie Bernstein. Der Bescheidene malt sich gern selbst, allerdings mit selbstironischer Distanz, etwa wenn er sein Leben als Katze darstellt. Viele Werke scheinen nicht auf eine Pointe aus zu sein, eher auf Nonsense, jedoch schleiche sich der Sinn manchmal ein, soll er mal gesagt haben. Und subtil geht es auch nicht immer zu. Märchenhafte Stoffe hat Bernstein auch verarbeitet, auf seine Art. Er hat das Nibelungenbuch von Henscheid illustriert, mit teils herrlich überzeichneten Figuren, und sich mit Motiven der Grimms befasst. Sie dienen als Ausgangspunkt, um Absurdes darzustellen, wenn beispielsweise die Prinzessin bei der Froschkönig-Variation nach dem Frosch sechs weitere Tiere küsst und am Ende wieder beim Frosch landet.

In einem Raum sind sowohl Werke von Bernstein als auch von Ludwig Emil Grimm ausgestellt. Dass Grimm bissig sein konnte, zeigt sich in der Zeichnung von Lola Montez, der Geliebten Ludwigs I. Die Darstellung schwanke zwischen Verehrung und Spott, sagt Hanaus Museumschefin Katharina Bechler.

Neben den Zeichnungen widmet sich die Preisträgerschau der Lyrik F. W. Bernsteins – auch dem Gedicht „Einen Preis entgegennehmen“:

Einen Preis entgegennehmen,

einen richtig guten Preis,

hab ich damit groß Problemen?

Nö. Ich weiß:

Der Stolz, das ist das Schlimmste.

Was man dir gibt, das nimmste.

Die Sonderausstellung mit Werken von F. W. Bernstein ist vom 15. März bis zum 29. April im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe zu sehen, dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen vier Euro Eintritt (ermäßigt drei Euro), Familien acht, Schüler einen Euro.

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