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Lokaler Handel sieht sich gut gerüstet

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Kunden halten Geschäften auch in schwieriger Zeit die Treue / Suche nach Energiesparmöglichkeiten

HOCHTAUNUS - Die Konsumlaune der Deutschen ist im Keller. Die Lebenshaltungskosten steigen und steigen, Energie wird immer teurer, die Preise scheinen derzeit nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Die Verbraucherstimmung nimmt die umgekehrte Richtung. Sie ist, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) kürzlich verkündete, im steilen Sinkflug, und das schon den dritten Monat in Folge, und „erreicht erneut ein Allzeittief“. Der HDE befürchtet, dass die Konsumzurückhaltung in den kommenden Wochen zunehmen dürfte.

Angesichts dieser Prognose überrascht der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg, Eberhard Schmidt-Gronenberg, mit seiner Aussage „kein Grund zur Panik“ erst einmal. Er zeigt sich zuversichtlich, dass der Einzelhandel auch diese Krise meistern wird, und das sei kein Zweckoptimismus. „Ich denke, dass wir das hinkriegen werden.“ Bad Homburg sei mit Blick auf die Kundenstrukturen gesegnet, es gebe einen sehr stabilen Kundenstamm.

Mit Blick auf die Entwicklung in seinem eigenen Unternehmen, dem Modehaus Halbach, aber auch aus Gesprächen mit anderen Händlern könne er sagen, dass man aktuell knapp das - gute - Vorjahresniveau erreicht habe. Die hohen Energiekosten und auch der Anstieg der Löhne ermahnten jedoch zu Wachsamkeit. „Wir wissen, dass es in den nächsten Monaten schwierig wird.“ Bei den Energiekosten spiele im Einzelhandel aufgrund der notwendigen Beleuchtung besonders der Strom eine Rolle. Der mache einen wesentlich höheren Anteil aus als die Heizung. Und eine Umstellung auf energetisch sparsame Leuchtmittel sei eine „Rieseninvestition“.

Reduzierte Ladenöffnungszeiten hält Schmidt-Gronenberg für eine weitere Sparmöglichkeit. Wobei er eine Kernöffnungszeit von 10 bis 19 Uhr vorschlägt, die ohnehin viele Geschäfte ganz ohne Energiekrise haben. „Wir haben Corona geschafft, dann werden wir das auch schaffen“, so der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft. Aber: „In der Corona-Zeit sind wir gerettet worden. Jetzt bekommen wir keine Hilfen vom Staat.“ Aber in der Pandemie mussten die Geschäfte auch zeitweise komplett schließen.

Ähnlich wie Schmidt-Gronenberg will auch Claudia Kaczinski keinen Pessimismus verbreiten. Die stellvertretende Vorsitzende des Forums der Selbstständigen Oberursel, das auch den Handel vertritt, ist überzeugt: Der „Handel ist gut gerüstet und kann auf das vertrauen, was er kann.“ Er könne mit gutem Warenangebot und gutem Service punkten. Auch Kaczinski argumentiert mit den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, in der man gemerkt habe, dass die Oberurseler Kunden sehr treu seien.

Joachim Klinger, der ein Delikatessen-Geschäft betreibt und sich im Bund der Selbstständigen Kronberg um den Arbeitskreis Handel kümmert, spürt keinen großen Einbruch. Veranstaltungen wie der Kronberger Herbstmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag Anfang September seien zwar wetterabhängig, aber zögen stets viele in die Innenstadt. Seit Mitte September stellt Klinger einen Rückgang der Laufkundschaft fest, den sicher auch andere Kronberger Geschäfte spüren. Zu kämpfen hat er, wie andere auch, mit einem starken Preisanstieg. „Das habe ich noch nie so erlebt.“

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