+
Der Abraum aus dem Kali-Abbau ist weithin sichtbar.

Gewässer

Linke in Hessen und Thüringen fürchtet um Fische in der Werra

  • schließen

Eine Doktorarbeit zeigt Missbildungen von Fischen durch hohe Salzbelastung. K+S sieht hingegen eine deutliche Verbesserung in der Werra und „geeignete Lebensbedingungen“.

In der Werra gibt es wegen der Belastung mit Abwässern des Unternehmens K+S „fast keine überlebenden Nachkommen bei Fischen“. Das hat die Biologin Marit Wagler am Dienstag in Wiesbaden berichtet. Sie ist zugleich als Abgeordnete für die Linke im thüringischen Landtag tätig. „Fische haben keine Überlebens-Chance“, hieß es in einer Pressemitteilung der hessischen Linken.

Das widerspricht den Aussagen des Unternehmens. K+S berichtet, es habe die Einleitung von Salzfracht in Werra und Weser seit 2007 halbiert. Die positiven Effekte ließen sich „auch in der Stabilisierung und Zunahme der Fischpopulationen in der mittleren und unteren Werra“ belegen. Rund zwölf Arten fänden „im Fluss wieder geeignete Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen“.

Nach Einschätzung der Linken ist auch von den verschärften europaweiten Grenzwerten, die Ende 2020 in Kraft treten, keine entscheidende Besserung zu erwarten. Sie lägen immer noch so hoch, dass die Nachkommen von Fischen zu stark geschädigt würden, um eine „stabile Fischpopulation“ zu erreichen, erläuterte Wagler.

5,5 Millionen Kubikmeter Salzabwasser hat der Konzern K+S im Jahr 2018 nach eigenen Angaben entsorgt. Im Jahr 1997 seien es noch 20 Millionen Kubikmeter gewesen.

Ende 2021muss das Unternehmen die Versenkung von Salzabwässern in den Untergrund im Werra-Kalirevier einstellen. Ab 2028 sollen keine hochmineralisierten Prozessabwässer mehr in die Werra eingeleitet werden. pit

Die Biologin hat in ihrer Doktorarbeit mit Fischen in Wasser experimentiert, das mit Chlorid, Kalium, Calcium und Magnesium so stark belastet war, wie es heutige Grenzwerte erlaubten. Außerdem beobachtete sie die Entwicklung der Fische in Wasser, in dem die Belastung lediglich so groß war, wie es die Europäische Union von Ende 2020 an noch erlaubt. Der tatsächliche Gehalt im Wasser der Werra liegt zwischen beiden Werten.

In beiden Fällen stellte Wagler nach eigenen Angaben massive Deformationen der Tiere durch Ödeme, Wassersucht oder Wirbelsäulendeformation fest. „Bei den jetzt gültigen Grenzwerten gibt es fast keine überlebende Nachkommenschaft“, sagte sie.

Das hessische Umweltministerium verweist auf die regelmäßigen Monitoringberichte von K+S. Sie sind nach Ansicht der Linken aber „Makulatur“, da die Fischgesundheit dort mit einem ungeeigneten Verfahren erhoben werde, nämlich der Untersuchung von Fischeiern. Stattdessen müssten „Larven nach dem Schlupf“ betrachtet werden, um das ganze Ausmaß der Schädigungen zu erkennen. „Ziel muss eine Gewässerpolitik sein, die die Reproduktion der Fische sicherstellt“, sagte der hessische Linken-Abgeordnete Torsten Felstehausen. Er räumte ein, dass die Produktion möglicherweise gedrosselt werden müsse, um dieses Ziel zu erreichen.

Tilo Kummer (Linke), der Vorsitzende des Umweltausschusses im Erfurter Landtag, forderte K+S dazu auf, Abwasser so aufzubereiten, dass Kalium, Calcium, Magnesium und anderes Salz abgeschieden und als Wertstoffe verwendet werden könnten. Technisch sei das möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare