+
Bundeswehrstand auf Hessentag

Diskussion

Linke gegen Bundeswehr beim Hessentag

Ein alter Streit flammt neu auf. Aber die Staatskanzlei sieht ein Interesse der Bürger am Militär.

Die Linken-Fraktion facht den seit Jahren schwelenden Streit um die Bundeswehr und ihren Informationsstand auf dem Hessentag erneut an. „Kriegsgeräte haben auf einem friedlichen Volksfest nichts zu suchen“, sagte Fraktionschef Jan Schalauske in Wiesbaden. Dieses Jahr sollen in Bad Hersfeld unter anderem verschiedene Panzertypen wie der Schützenpanzer vom Typ „Marder“ und ein Unterstützungshubschrauber ausgestellt werden. Mit einem solchen Stand „hessische Identität zu stiften – was ja Sinn dieses Volksfests sein soll – ist reichlich abwegig“, kritisierte Schalauske.

Der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU), entgegnete auf eine Kleine Anfrage der Linken, dass man mit einem Informationsstand dem Interesse der Bevölkerung an der Bundeswehr entgegenkomme. Überdies leiste die Bundeswehr auf dem Hessentag auch einen sozialen Beitrag: Soldaten sollen Menschen mit körperlicher Einschränkung zum Fest begleiten und auch wieder nach Hause bringen.

Bereits in den vergangenen Jahren war die Bundeswehr mit einem Werbestand, Militärgeräten und mehr als 300 Soldaten auf dem Hessentag vertreten. Auch damals hatte es kontroverse Auseinandersetzungen zu dem Thema gegeben. Vergangenes Jahr forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) etwa die hessischen Schulen auf, von einem Besuch der Bundeswehr auf dem Hessentag in Korbach abzusehen. Die Berufsorientierung sei zwar prinzipiell eine schulische Aufgabe, man wende sich aber dagegen, die Bundeswehr wie einen gewöhnlichen Arbeitgeber zu behandeln.

Nach der Kritik stellte sich Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hinter die Bundeswehr und verteidigte sie als demokratisch legitimierte Organisation, die seit über 50 Jahren auf dem Hessentag die Öffentlichkeit über ihre Arbeit informiere. Auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schaltete sich in die Debatte ein und versuchte, die Wogen zu glätten.

Auch die FDP-Fraktion übte Kritik an der Haltung der Linken-Fraktion. Der parlamentarische Geschäftsführer Jürgen Lenders sagte: „Die Bundeswehr gehört zu Hessen und darf sich daher auch selbstverständlich auf dem Hessentag präsentieren.“ Wenn die Linke endlich in Deutschland ankommen wolle, „sollte sie dringend ihre Haltung zur Verteidigung unseres Landes überdenken.“

Nach Angaben der Staatskanzlei haben in den vergangenen Jahren je rund 400 000 Menschen den Bundeswehr-Infostand auf dem Hessentag besucht. 2018 sei die Zahl der Standbesucher auch aufgrund sinkender Gästezahlen auf dem Landesfest aber auf etwa 280 000 zurückgegangen.

Der Hessentag ist Deutschland ältestes Landesfest. In der Regel besuchten mehr als eine Million Besucher die zehntägigen Feierlichkeiten. Das Fest soll als Begegnungsstätte zwischen alteingesessenen Hessen und Zugezogenen dienen. Es findet in Bad Hersfeld zwischen dem 7. und 16. Juni statt. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare