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Wegschauen statt handeln, das war offenbar lange das Motto zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum Limburg.

Katholische Kirche

Sexuellen Missbrauch im Bistum Limburg vertuscht

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Der Limburger Altbischof Kamphaus sagt: „Ich habe schwere Schuld auf mich geladen“. Auch noch in einem anderen Fall soll das Bistum weggeschaut haben.

Der ehemalige Limburger Bischof Franz Kamphaus hat eingeräumt, Vorwürfen wegen des sexuellen Missbrauchs durch einen Priester im Bistum nicht nachgegangen zu sein. Stattdessen habe er diesem eine Pfarrei im Westerwald übertragen und ihn später in die Klinikseelsorge nach Frankfurt versetzt. In der Folge sei es zu weiteren Missbrauchsfällen durch den Priester gekommen.

„Hier habe ich schwere Schuld auf mich geladen“, erklärt der heute 87 Jahre alte Kamphaus. „Opfern wäre Missbrauch erspart geblieben“, wenn „ich entschiedener durchgegriffen“ hätte. Er bitte dafür um Verzeihung.

Bei dem Priester handelt es sich um Wolfdieter W., der Mitte der 1980er Jahre aus dem Bistum Würzburg nach Limburg kommt. W. sei dem damaligen Generalvikar, dem späteren Frankfurter Stadtdekan Raban Tilman, aus Studientagen gut bekannt gewesen. W. soll zuvor in seiner Zeit in Miltenberg übergriffig geworden sein, dennoch erhält er eine Pfarrei in der Gemeinde Ransbach-Baumbach im Westerwald. Als schon kurz danach erneut Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe erhoben werden, versetzt das Bistum W. an ein Frankfurter Krankenhaus.

Später versuchen Kamphaus und Tilmann, ihn wieder in das Bistum Würzburg abzuschieben, 1992 kommt W. nach Bamberg. Anzeige gegen den Priester erstattet Limburg erst Anfang 2015 bei der Glaubenskonkregation, nachdem eine junge Frau aus dem Westerwald den Missbrauch durch W. an ihr als Kind bekannt gemacht hat. Daraufhin wird W., der bereits von einem staatlichen Gericht wegen Missbrauchs verurteilt worden ist, von Papst Franziskus aus dem Klerikerstand entlassen.

Aufgedeckt
57 Priester, Diakone oder Ordensleute

im Bistum Limburg werden des sexuellen Missbrauchs von Kindern und

Jugendlichen beschuldigt. 20 von

ihnen haben die Vorwürfe eingeräumt.

88 Opfer sind bisher bekannt.

Die MHG-Studieder Unis Mannheim,

Heidelberg und Gießen hatte im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz

die Fälle ermittelt. pgh

Auch in einem anderen Fall hat es in Limburg anscheinend Bestrebungen gegeben, sexuellen Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen. Zu diesem Ergebnis kommt der ehemalige Limburger Landgerichtspräsident Ralph Gatzka in einem vom Bistum in Auftrag gegebenen Bericht.

Demnach hat der damalige Personaldezernent Helmut Wanka Ende der 1990er Jahre ein Missbrauchsopfer davon abgehalten, Anzeige gegen den Priester B. zu stellen. Auch das Bistum habe die Staatsanwaltschaft nicht informiert. Zum damaligen Zeitpunkt sei der Missbrauch noch nicht verjährt gewesen und hätte strafrechtlich verfolgt werden können. Weder sei ein kirchenstrafrechtliches Verfahren eingeleitet worden noch gebe es in der Personalakte des Priesters einen Hinweis auf die Vorwürfe. Gatzka kommt zu dem Schluss, dass weder der damalige Bischof Kamphaus noch Generalvikar Günter Geis über den Fall unterrichtet worden seien.

Nach einer Therapie sei B. wieder an seiner alten Wirkungsstätte eingesetzt worden, ohne dass dafür gesorgt worden sei, erneute Übergriffe zu verhindern. Der Priester habe keinerlei Auflagen erhalten, schreibt Gatzka. Auch bei einer Versetzung in eine andere Diözese seien die Vorwürfe nicht erwähnt worden.

Wanka erklärt dazu, er sei irrtümlich davon ausgegangen, dass es sich bei den Schilderungen „um einen zwischenmenschlichen Dauerkonflikt“ zwischen dem Priester zu seinem Cousin und Pflegesohn Kai-Christian Moritz gehandelt habe. Von konkreten sexuellen Übergriffen sei nicht gesprochen worden. Er, Wanka, habe damals „keine kompetenten und fachlich fundierten Einschätzungen zum Thema des sexuellen Missbrauchs“ gehabt. Er bitte das Opfer und die Gläubigen des Bistums für seinen „schwerwiegenden Fehler in der Wahrnehmung“ um Verzeihung.

Der heute 42 Jahre alte Moritz hatte seinen Fall öffentlich gemacht. B. soll ihn in den Jahren 1986 bis 1993 regelmäßig schwer missbraucht haben, als er nach dem Tod seiner alleinerziehenden Mutter in das Haus seines Cousins, Priester B., zog.

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