Lieferdienste

Lieferung per Lastenrad in Darmstadt

  • Pitt v. Bebenburg
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Darmstädter Modellprojekt wurde beim Hessischen Mobilitätskongress vorgestellt - es soll Schule machen.

Tarek Al-Wazir gehört nicht zu den Menschen, die sich immer mehr Waren nach Hause liefern lassen. Doch der Grünen-Politiker und Wirtschaftsminister beobachtet sehr genau, dass immer mehr Menschen das tun – gerade in Corona-Zeiten. Die Folgen sind sichtbar: mehr Lieferverkehr samt Emissionen und Lärm, in der zweiten Reihe parkende Transporter – und zugleich die Gefahr, dass die Innenstädte veröden, weil Geschäfte schließen müssen.

Lieferdienste mit Lastenfahrrädern können nach Einschätzung des Ministers eine Lösung für die „letzte Meile“ zu den Kundinnen und Kunden sein. Als Wirtschaftsminister wolle er auch dazu beitragen, „dass es in den Innenstädten weiter Geschäfte gibt“, sagte Al-Wazir am Freitag beim Hessischen Mobilitätskongress, der erstmals nur digital abgehalten wurde. Axel Wolfermann, Professor für Verkehrswesen an der Hochschule Darmstadt, stellte ein Modell vor, das Schule machen könnte. Die Hochschule hat Lieferradda.de gegründet. Wer eine Ware bei einem teilnehmenden Darmstädter Einzelhändler bestellt, kann sie sich per Lastenfahrrad nach Hause liefern lassen – bisher kostenlos. „Wir entlasten den Verkehr und unterstützen den stationären Handel“, sagte Wolfermann.

Seit wenigen Monaten läuft das Modell, das seinen Anfang mit der Auslieferung von Spargel nahm. Inzwischen seien 16 Geschäfte und 150 Kundinnen und Kunden dabei, Tendenz steigend. Zwei Studierende habe man als Fahrradkuriere eingestellt.

Das Projekt wird von Al-Wazirs Wirtschaftsministerium gefördert, sonst könnte es noch nicht wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen, räumte Wolfermann ein. Ziel sei aber, es so zu stabilisieren, dass die Hochschule zum Ende des Jahres einen anderen Betreiber finden und sich daraus zurückziehen könne. Al-Wazir findet das Modell gut. „Eigentlich müsste man das noch mehr ausrollen“, sagte er.

Innovative Lösungen

An vielen Stellen werden solche Modelle erprobt. So hatte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) bekanntgegeben, dass die Ökomodellregion Hersfeld-Rotenburg an einem Projekt „Ökologische Lieferung mit dem E-Lastenfahrrad“ arbeite.

Innovative Lösungen für Lieferketten sind nach Ansicht der Landesregierung an vielen Stellen erforderlich. In Corona-Zeiten sei das Bewusstsein dafür gewachsen, dass man nicht von einzelnen weit entfernten Lieferanten abhängig sein dürfe, argumentierte Al-Wazir. So habe die Landesregierung schmerzlich zu spüren bekommen, wie schwierig es gewesen sei, Mund-Nasen-Masken zu ordern, die fast nur noch in China hergestellt würden.

Die FDP findet ebenfalls, dass Logistik neu gedacht werden müsse. „Lastenfahrräder allein werden uns da nicht helfen, auch wenn sie in der Stadt sinnvoll sein können“, mahnte der FDP-Verkehrspolitiker Stefan Naas. Zur Logistik der Zukunft gehörten außer Luftverkehr, Straßen und Schienen auch Flugdrohnen, „und auch in Bezug auf Flugtaxis sollten wir uns keine Denkverbote auferlegen“, fügte er hinzu.

Für die Lieferdienste müsse es ausreichend Straßen geben. „Deswegen sind wir Freie Demokraten auch für den Lückenschluss der A49“, bekräftigte Naas. Die Autobahn soll durch den Dannenröder Forst führen, deswegen protestieren Umweltschützer dagegen.

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