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Lichterglanz auf Sparflamme

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Von: Kim Luisa Engel

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In Bad Nauheim soll die Weihnachtsbeleuchtung in diesem Jahr zeitlich reduziert erstrahlen. nici Merz © Nicole Merz

Wetterau - Seit dem 1. September gelten die Energiesparmaßnahmen der Bundesregierung. Das hat auch Folgen für die Wetterau: In Friedberg bleibt der Adolfsturm dunkel, und es wird keine Eisbahn in der Kreisstadt geben. In Bad Nauheimer und Bad Vilbeler Sporthallen sind es künftig 15 Grad. Die Städte verraten, wie sie Energie sparen und ob die Weihnachtsbeleuchtung von den Maßnahmen betroffen ist.

Die Sorge vor Energieengpässen ist groß. Deshalb hat die Bundesregierung eine ab September geltende Energieeinsparverordnung herausgegeben. Öffentliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten werden zum Beispiel nicht mehr angestrahlt. In Dresden bleibt die Fußgängerzone abseits der Weihnachtsmärkte dunkel, in Berlin verzichtet der Senat auf einen Zuschuss zur Beleuchtung beliebter Einkaufstraßen. Wie handhaben das Städte in der Wetterau und welche Energiesparmaßnahmen setzen sie durch?

In Friedberg werden normalerweise Adolfsturm, Wartturm und Stadtkirche angestrahlt. Die Stadt unterhält die Beleuchtung des Adolfsturms, dies wurde jedoch bereits am 22. Juli eingestellt. Pro Jahr sollen dadurch etwa 6000 Kilowattstunden eingespart werden, wie Christine Diegel, Leiterin des Amtes für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen, im Auftrag der Stadt mitteilt. Das entspricht etwa dem jährlichen Stromverbrauch eines Fünf-Personen-Haushalts mit Durchlauferhitzer für Warmwasser. Die Beleuchtung des Wartturms wurde im Juli von den Stadtwerken eingestellt.

In Bad Vilbel werden sonst die Wasserburg, das Stadthaus, die Stadtbibliothek, das Kultur- und Sportforum und das Efzet-Forum angestrahlt. Auch das historische Rathaus sollte illuminiert werden, jetzt wird jedoch darauf verzichtet, bevor die Beleuchtung hätte starten können. „Die Beleuchtung ist mit sofortiger Wirkung ausgesetzt, außer es ist Betrieb, wie bei den Burgfestspielen, teilt Stadt-Sprecher Yannick Schwander mit. Zudem achte man in der Quellenstadt seit Jahren darauf, energiesparende Leuchtmittel - wie LEDs in der Straßenbeleuchtung - einzusetzen.

Auch die Friedberger Straßenbeleuchtung wurde bereits auf LED umgestellt. Die Einsparung liegt laut Diegel bei etwa 70 Prozent. Zudem bereitet die Stadt Friedberg in ihrer Verwaltung weitere Energiesparmaßnahmen nach einer Verwaltungsanordnung vom 5. August vor - oder hat diese bereits umgesetzt. Dazugehören unter anderem das Ausschalten von Licht und Geräten bei Nichtgebrauch, effektiveres Lüften und Heizen, Reduzierung der Nutzung von Warmwasser und das Absenken der Raumtemperatur auf 20 Grad.

Auch die Stadt Bad Vilbel hat solche Maßnahmen eingeleitet. Die Büros in der Stadtverwaltung werden auf maximal 19 Grad Raumtemperatur beheizt und die Betriebszeiten der Heizungen aller öffentlichen Gebäude angepasst, sodass es weniger Zeiten im höheren Heizbetrieb geben wird, wie Schwander informiert. In Sporthallen würden künftig maximal 15 Grad herrschen. Hinzukämen weitere Maßnahmen, zum Beispiel das Abstellen von Boilern zur Warmwasserbereitung im Rathaus. Wirken sich die Energiesparmaßnahmen auch auf die Weihnachtsbeleuchtung aus? Diese wurde in Friedberg laut Diegel bereits vor vier Jahren komplett auf LED umgestellt. Die Kosten lägen daher in einem niedrigen dreistelligen Bereich.

Ausgesetzt werden soll die Beleuchtung nicht. „Die Weihnachtsbeleuchtung ist ein fester Bestandteil der Adventszeit in der Friedberger Innenstadt und wird im Sinne der Wirtschafts- und Tourismusförderung sowie zur Erhellung in der dunklen Jahreszeit auch 2022 stattfinden“, sagt Diegel. Allerdings würden die Leuchtstunden pro Tag verkürzt und Details dazu noch ausgearbeitet werden. Der Aufbau der Schlittschuhbahn von „Friedberg on ice“ auf dem Elvis-Presley-Platz wurde wegen der aktuellen Energiesituation schon vor den Richtlinien für dieses Jahr abgesagt, teilt Diegel mit. Der Weihnachtsmarkt aber werde stattfinden. Dabei solle auf einen ressourcenschonenden Umgang mit Energie geachtet werden.

In der Bad Vilbeler Wasserburg gibt es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt - da dort ein neues Bühnendach errichtet wird. Ob Weihnachtsbeleuchtung an anderen Stellen, etwa über der Fußgängerzone, ausgesetzt wird, ist noch nicht entschieden. Schwander: „Die Dekoration werden wir in jedem Fall aufhängen. Ob sie dann auch beleuchtet wird, wird mit Vertretern der Stadt, des Gewerberings und weiteren Beteiligten abgesprochen.« Die Festbeleuchtung sei ebenfalls vor einigen Jahren erneuert worden, auch hier kämen LEDs zum Einsatz.

Auch die Stadt Bad Nauheim hat die Außenbeleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern seit Juli ausgeschaltet. Das betreffe unter anderem das Rathaus und das Ehrendenkmal am Johannisberg, wie Matthias Wieliki, zuständig für die zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit, mitteilt. Außerdem sei seit Juli die Straßenbeleuchtung energieoptimiert geschaltet. Schon länger sei sie auf LED umgerüstet, mit früherer Dimmung könnten noch mal 50 Prozent eingespart werden. Das seien rund 50 000 Kilowattstunden pro Jahr.

„Wir versuchen, über die Straßenbeleuchtung maximal einzusparen. Das können wir in andere Bereiche stecken“, erläutert Wieliki den ganzheitlichen Ansatz der Kurstadt. Arbeitsräume sollen eine Temperatur von 19 Grad, Sportstätten von 15 Grad haben. Zudem fährt Bad Nauheim eine Informations- und Sensibilisierungskampagne für Bürger und die städtische Belegschaft: „Ressourcen. Bewusst. Sein“.

Auch was die Weihnachtsbeleuchtung angeht, hat man sich Gedanken gemacht: Aliceplatz, Dankeskirche und Kiespromenade sollen 2022 nicht bunt angestrahlt werden. Bewusst habe man sich hingegen dafür entschieden, die LED-Weihnachtsbeleuchtung in Stresemann- und Parkstraße aufzuhängen, wenn auch mit reduzierten Leuchtzeiten bis 22 Uhr. Wieliki: „Damit es nicht ganz so trostlos ist und den Betrieben hilft.“

Generell wäge die Stadt bei ihrer Entscheidung einerseits das Einsparpotenzial ab, andererseits aber auch, wie schwer der Eingriff für die Menschen und Geschäfte in der Stadt sei. Veranstaltungen wie der Christkindlmarkt sollen ebenfalls energieoptimiert stattfinden.

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