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Cineast aus Überzeugung: Bruno Ugazio im großen Saal.

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Das Lichtburg-Kino in Langen ist insolvent

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Der Betreiber des Cinemas hat laut Insolvenzverwalter Überblick über die Finanzen verloren.

Noch im August vergangenen Jahres hat Bruno Ugazio, der Betreiber des Lichtburg-Kinos in Langen, stolz seinen umgebauten großen Kinosaal und die neuen Sessel präsentiert. Nicht einmal ein Dreivierteljahr später ist Schluss: Das Cinema an der Bahnstraße ist insolvent. Am Wochenende laufen in den drei Sälen noch aktuelle Filme, ab Montag bleibt das Kino geschlossen.

„Vorerst“, heißt es in einer Pressemitteilung von Rechtsanwalt Fabio Algari, Partner der bundesweit tätigen Kanzlei hww aus Frankfurt, der vom Amtsgericht Offenbach zum Insolvenzverwalter bestellt worden ist. Er hofft nämlich auf eine Wiederbelebung des Kinos, da ein neuer Betreiber nur den Kinobetrieb und nicht die Schulden übernehme. Allerdings sei es schwierig, mit einem Minimalprogramm gegen große Kinos zu bestehen, sagt Algari. „Da kommen nur die, für die das Kino quasi um die Ecke liegt.“ Eltern oder Jugendliche, die beispielsweise zwei Ortschaften weiter wohnten und zum Kinobesuch sowieso ins Auto oder in die S-Bahn steigen müssten, würden meist gleich nach Offenbach oder Frankfurt fahren.

Darüber hinaus müsse der neue Betreiber weiterhin erhebliche Investitionen in das Kino vornehmen – ohne die Perspektive, es irgendwann erwerben zu können. Das Haus gehört nämlich einer zwölfköpfigen Erbengemeinschaft. „Man investiert kein Geld in die Immobilie anderer, ohne die Perspektive, selbst einmal Eigentümer der Immobilie zu werden“, sagt Algari. Als Mieter baue man ja auch die Wohnung nicht aus oder um. Der Rechtsanwalt steht deshalb auch mit der Erbengemeinschaft in Kontakt. „Sie sollten sich überlegen, das Haus zu verkaufen.“

Bereits am 1. Januar hatte das Insolvenzgericht am Amtsgericht Offenbach das Insolvenzverfahren eröffnet. Dabei stellte sich heraus, dass die laufenden Einnahmen die laufenden Kosten des Kinobetriebs nicht decken können. Am 4. März wurde im Rahmen der Gläubigerversammlung die einstweilige Einstellung des Kinobetriebs ab Montag beschlossen.

Laut Algari hatte der Schweizer Ugazio, der die Lichtburg im Oktober 2013 vor der drohenden Schließung gerettet hatte, „schon seit längerem den Überblick über die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben verloren“. Statt Pacht zu zahlen, habe Ugazio den Eigentümern den Kinoausbau zugesagt. „Aber er hat weniger Umbauten gemacht als er an Pacht schuldete“, sagt Algari. Der Betreiber habe selbst „eine mittlere fünfstellige Summe“ in die Lichtburg gesteckt, so der Insolvenzverwalter. Auf sehr vielen Umbauten lägen Drittrechte von anderen – in der Hauptsache Kinoausstatter – , mit denen Ugazio Nutzungsverträge gegen Entgelt abgeschlossen hat.

Die Verbindlichkeiten seien groß, sagt Algari. Viele Lieferanten und Dienstleister blieben wohl auf ihren Forderungen sitzen und auch bereits bezahlte Gutscheine könnten nicht erstattet werden. Geplante Veranstaltungen wie die Schulkinowochen Ende März könnten mangels Liquidität nicht stattfinden.

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