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Gewalt ist das größte Problem unter Jugendlichen.

Jugendrecht

Leute vom Fach unter einem Dach

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Die Häuser des Jugendrechts gelten als ein  Erfolgsmodell im Kampf gegen Kriminalität. Die Zahl der Häuser soll daher steigen.

Im Kampf gegen Jugendkriminalität setzt das Land Hessen immer mehr auf die sogenannten Häuser des Jugendrechts. Die Einrichtungen vereinen unter einem Dach Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Täter-Opfer-Ausgleich. Der Konzentration liegt die Idee zu Grunde, dass eine Strafe bei Jugendlichen möglichst unmittelbar nach der Tat erfolgen soll, um eine erzieherische Wirkung zu entfalten. Die Häuser des Jugendrechts gelten als Erfolgsmodell, daher hat das Land Hessen die Schlagzahl bei der Einrichtung solcher Häuser erhöht. Gab es bislang nur drei solcher Häuser (zwei in Frankfurt, eins in Wiesbaden) soll sich die Zahl mittelfristig verdreifachen.

Bundesweiter Vorreiter war 1999 ein Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt, das in Folge der starken Zunahme von Jugendkriminalität und vor allem Gewaltdelikten in den 90er Jahren entstand. Die dort gemachten positiven Erfahrungen veranlassten den Hessischen Landtag Ende 2007 dazu, das Problem der Jugenddelinquenz (Jugendstraffälligkeit) ebenfalls mit Einrichtungen unter einem Dach zu begegnen. In einem Pilotprojekt wurden zunächst die Häuser in Wiesbaden und Frankfurt-Höchst eingerichtet, seit 2015 gibt es auch im Frankfurter Norden ein Haus.

Ein zentraler Bestandteil des Erfolgskonzepts ist neben der schnelleren Bearbeitung auch die Prävention. Dazu gehören Jugendschutzkontrollen sowie Kontrollen an Treffpunkten und Kriminalitätsschwerpunkten sowie Beratungsangebote und Infostände in den Stadtteilen.

Aus Zahlen zur Entwicklung der Jugendkriminalität in Hessen für 2018 geht hervor, dass trotz eines leichten Anstiegs der Ermittlungsverfahren der Anteil der Jugendkriminalität daran seit 2009 um 30 Prozent auf knapp 40 000 Fälle gesunken ist. Dieser Rückgang sei auch auf die hervorragende Arbeit der bestehenden Häuser zurückzuführen, sagt der Sprecher des hessischen Justizministeriums, René Brosius. Die Häuser des Jugendrechts gelten als „die effektivste Methode Jugenddelinquenz sinnvoll zu verringern“, heißt es auch in der aktuellen Kriminalstatistik für Frankfurt.

Weitere Häuser sind schon seit geraumer Zeit in Planung

Weitere Häuser sind schon seit geraumer Zeit in Planung, doch die Umsetzung ist nicht immer ganz einfach. Zunächst einmal ist ein bestimmtes Fallaufkommen im Jahr notwendig, damit sich die Einrichtung rentiert. In Hanau etwa, wo derzeit eine Immobilie am Schlossplatz zum Haus des Jugendrechts umgebaut wird, lohnt sich die Einrichtung nur im Verbund mit dem Landkreis. Ansonsten würden die Fallzahlen nicht erreicht. Dies ergibt nach Einschätzung des Justizministeriums aber auch Sinn, weil viele Jugendliche aus der Umgebung sich ohnehin regelmäßig im Stadtgebiet aufhielten. Die Staatsanwaltschaft Hanau geht von etwa 2200 Verfahren im Jahr aus. Allerdings werden die Hanauer wohl einen interessanten Effekt bemerken. Rein statistisch betrachtet nimmt die Jugendkriminalität nach Eröffnung einer solchen Einrichtung zunächst für etwa anderthalb Jahre zu. Ministeriumssprecher Brosius führt das darauf zurück, dass sich Betroffene durch das niedrigschwellige Angebot der Häuser eher trauten, Anzeige zu erstatten. „Vorher herrschte die Meinung vor, wenn ich Anzeige erstatte, passiert eh nichts und ich bekomme nur Ärger mit dem Täter“, so Brosius. Im Osten Hessens setzt die Justiz auf ein „virtuelles Haus des Jugendrechts“. Wegen des riesigen Einzugsgebiets um Fulda ist ein einziges Haus nicht sinnvoll, daher arbeiten die Entscheidungsträger online miteinander.

Um ein Haus des Jugendrechts auf den Weg zu bringen, müssen aber auch die betreffenden Kommunen mit ihren Jugendämtern mitspielen. In Kassel etwa, wo ebenfalls ein Haus geplant ist, gab es Widerstände, da sich die Streetworker dort nicht als Erfüllungsgehilfen der Justiz begreifen. In Offenbach kam erst mit dem Wechsel an der Amtsspitze richtig Bewegung in die Sache.

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