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Letzte Halme von Hand geerntet

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Wild wuchert das Gras vor der Thai Sala. Hier wachsen die Kräutersamen fürs nächste Jahr. priedemuth
Wild wuchert das Gras vor der Thai Sala. Hier wachsen die Kräutersamen fürs nächste Jahr. priedemuth © jp

Stadtgärtnerei mäht Wiesen im Kurpark / Heu wird als Heilmittel verwendet

BAD HOMBURG - Hoch stehen die Halme im Kurpark, braun wie im afrikanischen Busch. Es ist nicht das Heu, dessen Duft Besucher des Day-Spas "Kur Royal" im Dampfbad umgibt. Die Kur hat ihre Ernte schon eingefahren - vor Beginn der langen Trockenheit. Um die 30 Ballen lagern seit Juli im Heuschober des Seulberger Landwirts Erwin Kurz.

Das Heu ist ein Heilmittel. Es enthält Cumarin, das für den wohligen Almgeruch sorgt, aber auch entspannend, entzündungs- und ödemhemmend wirkt. Deshalb wird es seit bald 20 Jahren im Heudampfbad des Kur-eigenen Day-Spas verwendet. Dort wird es vom heißen Dampf erwärmt, so dass die Wirkstoffe freigesetzt und, verfeinert mit Aromaöl, vom Gast direkt eingeatmet werden können.

30 Prozent der Wiesenflächen im 47 Hektar großen Kurpark werfen Heu ab. So können die Stadtgärtner jedes Jahr um die 500 Ballen ernten. Wann welche Wiese gemäht wird, gibt das Kurparkpflegewerk vor. Deshalb gibt es auch Bereiche, in denen nach wie vor Heu steht - und das Lenné'sche Gartenkunstwerk derzeit stellenweise einen wenig royalen Eindruck macht, was auch in den "Sozialen Netzwerken" nicht unkommentiert bleibt.

ENERGIE SPAREN

Das Day-Spa "Kur Royal" mit seinen Wärmeanwendungen ist eine der Einrichtungen in der Kurstadt, die viel Energie verbrauchen. Nach dem russischen Lieferboykott für Gas wird überall nachgedacht, wie man Energie sparen kann.

20 Prozent der Energie sollen eingespart werden, sagt Kurdirektor Holger Reuter. Im September, nach der Sommerpause, will er mit seinem Kur-internen Krisenstab im Detail darüber sprechen, wie in den "energieintensiven Bereichen" gespart werden kann - also ob es ausreicht, wenn mancherorts Temperatur oder Licht heruntergedreht werden.

Auch eine temporäre Schließung der Einrichtung will Reuter nicht ausschließen. ahi

Samen reifen fürs nächste Jahr

Vor allem in den Traufbereichen rund um die Baum-Solitäre steht das Gras noch hoch, aber auch rund um die Thai Sala. "Wir wollen aus ökologischen Gründen so wenig wie möglich in Reichweite der Bäume eingreifen", erklärt Jens Pfeifer, Leiter des städtischen Grünflächenamts. Denn das Gros der Flächen wird alljährlich im Juni oder Juli mit dem Mähdrescher abgeerntet. Auch werden die verschiedenen Gräserarten an diesen Rändern bis zur "Aussamungsreife" belassen. Somit wachsen dort die Grassamen fürs nächste Jahr, die sich teils selbst verteilen. Kräuter und Wiesenblumen wachsen ebenfalls im Kurpark, darunter sogar Orchideen. "Bei der jüngsten Kartierung haben wir mehr als 200 verschiedene Arten zählen können", sagt Pfeifer.

Aber Kurparkwiese sei nicht gleich Kurparkwiese. Jede hat ihren individuellen Kräuter- und Gräser-Mix. "Manche sind einjährig, da sind wir auf Samen angewiesen." Andere sprießen im nächsten Frühjahr wieder. Pfeifer: "Wir haben einen diffizilen Mähplan." Unterschiede gibt es auch in der Feuchtigkeit der Wiesen - entlang des Kirdorfer Baches, der sich quer durch den Kurpark schlängelt, ist es deutlich feuchter als an den Park-Außenbereichen.

Zudem, so der Grünflächenamtsleiter, sei man gerade dabei, in der Pflege umzustellen auf (noch) mehr Diversität im Pflanzenreichtum. Einbezogen werden auch Erkenntnisse, die der derzeit deutlich spürbare Klimawandel mit sich bringt - hin zu Pflanzen, die mit Hitze und Trockenheit besser umgehen können. So macht es auch der Forst.

Sind sie schließlich ausgesamt, werden die letzten Halme laut Pfeifer von Hand geschnitten. Das Heu fürs "Kur Royal" wird unterdessen in den kommenden Monaten nach Bedarf vom Seulberger Heuschober nach Bad Homburg transportiert. "Das ist richtiges Bio-Heu", betont Landwirt Kunz - anders als auf vielen Feldern garantiert ungedüngt.

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