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Vanja Christin Munk hilft bei der Organisation der Konzerte in der Schlosskirche.

Bad Homburg

Lernen fürs Leben in Bad Homburg

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Vanja Christin Munk absolviert ein Freiwilliges Jahr bei den Schlosskonzerten - obwohl sie zuvor mit klassischer Musik nur wenig zu tun hatte. 

Bis vor einem halben Jahr hatte Vanja Christin Munk mit klassischer Musik nicht viel am Hut. In der Schule habe sie lediglich Blockflöte gespielt und im Chor mitgesungen, erzählt die 19-Jährige. Trotzdem hat sie sich ausgerechnet bei den Bad Homburger Schlosskonzerten für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Kultur beworben. „Ich habe mir bewusst einen Bereich ausgesucht, in dem ich mich nicht so auskannte.“

Und das habe sie nicht bereut, versichert Munk. Zum einen kennt sie inzwischen einige bekannte Pianisten persönlich, zum anderen habe sie mittlerweile eine deutlich bessere Vorstellung, was sie anschließend machen wolle. Ein Studium der Kulturwissenschaften schwebt der 19-Jährigen vor. Da könne es nicht schaden, wenn man schon einmal Erfahrungen in der Praxis gesammelt habe, findet sie.

Zumal sie bei den Schlosskonzerten ziemlich eigenständig agieren könne. „Das ist kein Hol-mal-Kaffee-Ding“, lobt sie. So schreibt Vanja Christin Munk inzwischen Pressemitteilungen, Newsletter oder Beiträge für die Internetseite, telefoniert mit Künstlern und Abonnenten und packt auch mit an, wenn es gilt, den Flügel in der Schlosskirche für die Konzerte auf- und abzubauen.

FSJ Kultur -  Der Bundesfreiwilligendienst (BFD)wurde nach der Aussetzung der Wehrpflicht eingeführt, um Aufgaben des Zivildienstes zu kompensieren. Dazu gehört seit 2001 auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) Kultur. Im vergangenen Jahr konnten sich deutschlandweit Interessenten auf rund 3000 Plätze bewerben.

In Hessengibt es aktuell 130 Einsatzstellen für das FSJ Kultur, zum Beispiel beim Städelmuseum in Frankfurt oder der Kronberg Academy. 15 Plätze werden von der Sparkassen-Kulturstiftung finanziert.

Bewerbenkann man sich über www.fsjkultur.de. Dort gibt es auch weitere Informationen. twe

Die FSJler seien schon seit Jahren fest in das fünfköpfige Team der Bad Homburger Schlosskonzerte integriert, sagt deren Leiter Karl-Werner Joerg. Wichtig sei nicht so sehr ihre Musikalität, sondern vor allem, dass die jungen Leute „Spaß an der Textarbeit“ haben. Schließlich müssen sie nicht selbst spielen, sondern die Konzerte mitorganisieren und die PR-Arbeit unterstützen.

Mit den Bewerbern führe er zunächst ein Gespräch via Skype, schildert Joerg. Dabei beziehe er auch die aktuellen FSJler mit ein. Die könnten den Interessenten in einem Vier-Augen-Gespräch viel besser vermitteln, was auf sie zukomme, als er.

2013 habe der erste FSJler bei den Schlosskonzerten angefangen. Nicht alle stammten aus der engeren Region, sagt Karl-Werner Joerg, einer sei sogar aus Bochum gekommen. Auch für Vanja Christin Munk, die an der Bertolt-Brecht-Schule in Darmstadt ihr Abitur gemacht hat, stand ein Umzug an. Sie wohnt jetzt in einer Wohngemeinschaft in Bad Homburg.

Finanziert wird das FSJ Kultur bei den Schlosskonzerten von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Insgesamt unterstütze man in Hessen 15 Einsatzstellen mit 31 000 Euro pro Jahr, teilt der Geschäftsführer der Stiftung, Matthias Haupt mit. Wobei die Sparkasse vor Ort jeweils die Hälfte der Förderung übernimmt, im Falle der Schlosskonzerte ist das die Taunus-Sparkasse.

Um die Betreuung der FSJler kümmert sich die Landesvereinigung Kulturelle Bildung Hessen (LKB). Dazu gehörten auch gemeinsame Seminare, in denen die jungen Leute ihre Erfahrungen in den unterschiedlichen Einrichtungen reflektieren können, erläutert LKB-Geschäftsführerin Susanne Hilf.

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