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Die Gottesmutter.

Ikonenmuseum in Frankfurt

Heilige Bildergeschichten

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Wie gute, kunstvoll gezeichnete Comics erzählen Ikonen die Dramatik biblischer Geschichten. Eine Sonderausstellung der zur religiösen Verehrung geschaffenen Bilder zeigt das Frankfurter Ikonenmuseum anlässlich seines 25-jährigen Bestehens.

Wer an der Tür zum Frankfurter Ikonen-Museum an der lärmigen Sachsenhäuser Kreuzung Brückenstraße/Elisabethenstraße einfach Richtung Main vorbeiläuft, verpasst nicht nur eine der bedeutendsten Sammlungen religiöser Bilder in Deutschland, sondern auch eine spannende Gründungsgeschichte, die Museumsleiter Richard Zacharuk gerne erzählt.

Denn Stifter ist der inzwischen verstorbene Jörgen Schmidt-Voigt, ein Kardiologe aus dem Taunus, der in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts inoffiziell nach Russland reiste – um hochrangige Angehörige des Kreml zu behandeln. Zu seinen Patienten gehörten unter anderem der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew und dessen Nachfolger Jurij W. Andropow. „Herzkrankheiten waren im Kreml stark verbreitet“, sagt Zacharuk, der lange Gespräche mit Schmidt-Voigt geführt hat.

Die Sowjets aber dankten dem Mediziner seine Dienste nicht mit Devisen, sondern mit Ikonen. Mehrere hundert Ikonen erhielt oder erwarb Schmidt-Voigt im Laufe der Jahrzehnte. Seine erste Ikone, die den heiligen Heiler Panteleimon zeigt, ersteigerte er in Moskau.

Ikonen sind zur religiösen Verehrung geschaffene Bilder orthodoxer Christen, die in kunstvoll gearbeiteten Einzeldarstellungen und Bildergeschichten vom Leben Jesu, biblischen Dramen und Heiligen erzählen. Zum Beispiel von der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, wie eine Leihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin gleich am Eingang zeigt. Eine orange-goldene Schlange schlängelt sich durchs Bild, Adam und Eva bedecken in einem Gebüsch ihre Blöße. Die Darstellung wurde im 16. Jahrhundert in Russland gefertigt, gemalt mit Temperafarben auf Holz.

Ikonen sind Zeitzeugen, die häufig ganz verworrene Fluchtgeschichten mitgemacht haben, wissen Zacharuk und seine Kollegin Alexandra Neubauer zu berichten. Sie haben Pogrome und Zerstörungen überstanden, wurden teilweise jahrelang in Kellern versteckt. Damit erzählen sie auch Geschichten von den zahlreichen politischen und territorialen Konflikten im Osten Europas.

Jörgen Schmidt-Voigt schenkte der Stadt Frankfurt mehr als 800 Ikonen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie bildeten den Grundstock des Museums, das 1990 im Deutschordenshaus am Rande des Museumsufers eröffnet wurde. In Frankfurt gibt es Ikonen aus Russland, den Balkanländern, Griechenland, Syrien, Äthiopien und vielen anderen Staaten und Gegenden zu sehen. Was ist das Besondere an ihnen? „Ikonen erzählen Geschichten“, sagt Museumsleiter Richard Zacharuk. „Wenn man sie lange anschaut, entwickelt sie eine Dreidimensionalität, man entdeckt auch immer wieder etwas Neues. Immer geht es um die Suche nach Gott – in all ihren Dimensionen.“

Mit rund 20 000 Besuchern pro Jahr zählt das Ikonen-Museum zu den kleineren Häusern am Frankfurter Museumsufer. Es punktet allerdings mit originellen Sonderausstellungen, etwa zu Fußball und Religion oder der Film-Ikone Marilyn Monroe.

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